Wandelanleihen bieten interessante Eigenschaften

André Riesen

Eine ungewisse Zukunft Europas, verhaltene Konjunkturdaten: Anleger müssen auch dieses Jahr ein starkes Nervenkostüm tragen. So fügt sich zu den Sorgen über die Entwicklung der globalen Volkswirtschaft auch noch die Ungewissheit wie die politische und wirtschaftliche Zukunft von Europa aussieht dazu, nachdem die Briten entschieden haben aus der EU auszutreten.

Die seit einiger Zeit immer wiederkehrenden hohen Schwankungsbreiten an den Finanzmärkten dürften sich in der Folge noch weiter akzentuieren und die Anleger damit vor noch grössere Herausforderungen stellen. Wandelanleihen mit ihren naturgegeben asymmetrischen Charaktereigenschaften bilden dabei einen entscheidenden Baustein in der Asset Allokation eines Gesamtportfolios. Zur Jahresmitte kann reflektierend zusammengefasst werden: Die globalen Aktienmärkte stellen auch im vorliegenden Jahr für Anleger ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle dar, welches sich auch mit Blick nach vorne kaum entschärfen wird. Nach einem schwachen Start ins Jahr mit beträchtlichen Kursverlusten der wichtigsten Aktienindizes haben sich zwar zwischenzeitlich die Notierungen – getrieben durch die Ankündigung der EZB, ihr Anleihekaufprogramm zu erweitern und die daraus resultierende Zuversicht der Anleger – wieder erholt, jedoch ebbte dieser Effekt bereits im April spürbar ab. Von da an bestimmten zu einem beträchtlichen Teil Themen wie der Zinserhöhungspfad in den USA und die Diskussion zur Zukunft Europas das Marktgeschehen. Nun seit dem 24. Juni 2016 wissen wir, dass die Zukunft Europas politisch auf einem noch fragileren Untergrund baut und das Ausmaß des Brexit noch nicht richtig absehbar ist. Dass davon auch zukünftig ein nicht zu unterschätzender Einfluss auf die Märkte ausgehen wird, und die Aussichten auf die globale konjunkturelle Entwicklung noch keine eindeutige Richtung anzeigen, lässt die anhaltende Unsicherheit unter der Anlegergemeinde weiterhin auf hohem Niveau verharren. Der Weg nach vorne präsentiert sich somit eher steinig, als dass er einer Einbahnstraße gleicht. Wandelanleihen stellen aufgrund der naturgegeben asymmetrischen Risiko- /Ertrags-charakteristik in einem solchen Umfeld eine ausgezeichnete Ergänzung für ein klassisches Mischportfolio dar. Dabei gilt es die für diese Anlageklasse relevanten Einflussfaktoren bei der Auswahl einer Lösung zu berücksichtigen. Dies betrifft vordergründig die konsequente Positionierung im ausgewogenen Bereich, denn da kommt das asymmetrische Partizipationsvermögen der Wandelanleihe am deutlichsten zum Ausdruck und ermöglicht so, an steigenden Kursen der entsprechenden Basiswerte teilzuhaben, ohne im ungünstigen Fall auf ein bedeutendes Maß an Wertsicherung verzichten zu müssen. Zusätzlich gilt es die qualitativen Unterschiede bei der zur Verfügung stehenden Palette an verschiedenen Wandelanleihenstrategien zu berücksichtigen. Obwohl die Sensitivitäten gegenüber Kredit Spreads und Zinsen bei Wandelanleihen im Vergleich zu reinen Anleihepapieren generell nicht so ausgeprägt sind, ist insbesondere mit Blick in die Zukunft darauf zu achten, dass ein Wandelanleihenportfolio nicht zu stark bezüglich diesen Performancetreiber exponiert ist. Eine Verwässerung der asymmetrischen Charaktereigenschaften im Wandelanleihenportfolio wäre die unerwünschte Folge daraus. Zukünftig werden in Erwartung höherer Schwankungsbreiten an den Finanzmärkten die erwähnten asymmetrischen Charaktereigenschaften in einem gut diversifizierten Gesamtportfolio von grundlegender Bedeutung sein. Die Voraussetzungen für die Erzielung eines hohen Diversifikationsnutzens durch die Beimischung von Wandelanleihen sind durch die aktuell attraktiven Bewertungen besonders gut. Einerseits gewährleistet das hohe asymmetrische Partizipationsvermögen ein Gewinnpotenzial, welches deutlich höher ausfällt als das zu tragende Verlustrisiko. Andererseits werden sich die zunehmenden Unsicherheiten zukünftig deutlicher in steigenden impliziten Volatilitäten ausdrücken und damit zusätzlich einen positiven Effekt auf die Bewertung der Optionalität von Wandelanleihen zur Folge haben. Im direkten Vergleich zu reinen Anleihen- sowie Aktienanlagen haben die Wandelanleihen somit den entscheidenden Vorteil, dass diese von steigenden Volatilitäten an den Finanzmärkten im doppelten Sinn profitieren. Ein Mischportfolio ohne Beimischung von Wandelanleihen hingegen ist dem höheren Volatilitätsniveau quasi schutzlos ausgesetzt. Das risikoadjustierte Resultat für reine Mischportfolios dürfte daher eher leiden mit Blick in die Zukunft. Für Anleger besteht somit ein günstiger Zeitpunkt, um ein Wandelanleihenportfolio aufzubauen beziehungsweise sogar eine bestehende Position aufzustocken.

Autor: André Riesen, EMCORE Asset Management AG