Währungen im Fokus der Zentralbanken

Der stärkere Dollar ändert nichts am US-Fed-Zinsentscheid – zumindest nicht im Dezember.

Die Frage, wann das US-Fed seine Zinsen zum ersten Mal seit 2006 wieder anheben wird, dürfte sehr bald geklärt sein. Aus den Fed Minutes ging hervor, dass das Fed am 16. Dezember den ersten Zinsschritt wagen wird, so lange es keine „unvorhergesehene Schocks“ gibt.

Der Dezember wird ein bemerkenswerter Monat sein. Während die Zinsen in den USA steigen, dürften diese in Euroland hingegen fallen. Diese diametrale Zinsentwicklung im selben Monat gab es schon seit über 20 Jahren nicht mehr. EZB’s Draghi scheint ziemlich bestimmt, die europäische Gemeinschaftswährung mit weiteren Lockerungsmassnahmen schwächen zu wollen. Mit einem breiten Paket an diversen geldpolitischen Massnahmen, dürfte Draghi die Finanzmärkte überraschen und den Euro weiter schwächen. Die damit einhergehende Aufwertung des US-Dollars bringt die US-Industrie zwar unter Druck. Der US-Einkaufsmanagerindex verharrt nur noch leicht über 50 – der Grenze zwischen Expansion und Kontraktion. Trotzdem wird die starke Währung das Fed im Dezember kaum von einem ersten Zinsschritt abhalten. Der Arbeitsmarktbericht im Oktober war zu stark und die Entwicklungen im US-Servicesektor zu robust, um einen erneuten Aufschub des ersten Zinsschrittes erklären zu können, ohne der Glaubwürdigkeit des US-Fed zu schaden.

Der starke Dollar dürfte die US-Geldpolitik jedoch mittelfristig beeinflussen. Während bis anhin eine Zinserhöhung von weiteren 25 Basispunkten pro Quartal wahrscheinlich war, ist mit einer weiteren Aufwertung des US-Dollars ein Anstieg von 25 Basispunkten pro Halbjahr angemessener. Andere Zentralbanken dürften ebenfalls auf die europäische Geldpolitik reagieren und die Zinsen senken oder die eigenen QE-Programme weiter auszuweiten. Auch die SNB könnte gezwungen sein, die Zinsen noch weiter in den negativen Bereich zu senken, um einer Aufwertung des Frankens entgegenzuwirken. Die Währungen sind in den Hauptfokus der Zentralbanken gerückt und damit ist das Schlagwort „Währungskrieg“ wieder brandaktuell.

Zu diesem Thema äusserte sich Draghi im Juli 2011. Zu diesem Zeitpunkt wurden die USA kritisiert eine Politik des billigen Dollars zu führen, um der eigenen Wirtschaft auf Kosten anderer zu mehr Wettbewerbsfähigkeit zu verhelfen. Damals warnte Draghi davor, die jeweilige Geldpolitik nicht nur auf interne Anliegen auszurichten. „Wir müssen eine globale Geldpolitik führen und die Auswirkungen auf andere berücksichtigen“, drängte Draghi. Hoffentlich ist sich Draghi dieser globalen Risiken noch immer bewusst!

Autorin: Ursina Kubli, Ökonomin, Bank J. Safra Sarasin AG