Währungen: Euro down

Dr. Marc-Oliver Lux, Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG / Foto: © Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG

Es war ein Einbruch mit Ansage: Der Euro hat in den letzten Wochen zum US-Dollar die Parität erreicht. Zu viele Faktoren lasteten zuletzt auf der Gemeinschaftswährung. Aber ganz besonders ist es die Zaghaftigkeit und Unentschlossenheit der Europäischen Zentralbank, die den Euro derart unter Druck brachte.

Schon lange vor dem Kriegsbeginn in der Ukraine war die Inflation stark erhöht, weit über dem Inflationsziel der EZB in Höhe von 2 % jährlich. In Frankfurt hieß es aber immer: Die hohe Inflation sei nur ein vorübergehendes Phänomen. Auch als Ökonomen und Zentralbanker in anderen westlichen Ländern stark abweichende Ansichten kundtaten und auch ganz anders handelten, ließ man sich im EZB-Rat davon nicht groß beeindrucken. Die Kombination aus einem extrem taubenhaften und äußerst prognoseschwachen Chefvolkswirt (Philip Lane) und einer geldpolitisch unerfahrenen EZB-Präsidentin (Christine Lagarde) war unheilvoll. Die mahnenden Köpfe im EZB-Rat werden jetzt zwar offensichtlich wieder stärker gehört, aber die Reihen sind gelichtet. Der alte Bundesbankchef Weidmann gab ebenso entnervt auf, wie schon zuvor sein Vorgänger Axel Weber.

Als EZB-Chefin Lagarde äußerte, es sei eine „nützliche Übung“, nun die Ursachen für die gemachten Fehler zu analysieren, wirkte das wie Hohn. Trotz vielfacher Mahnungen war die EZB-Zinspolitik schon lange nicht mehr angemessen, ja sogar realitätsverweigernd, vor allem im internationalen Vergleich.

2012, auf dem Höhepunkt der Eurokrise, sagte Mario Draghi: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the Euro. And believe me, it will be enough.“ So ein Satz würde heute nur noch belächelt werden, denn die EZB hat viel an Glaubwürdigkeit verspielt.

Insofern ist es schon fast ein Wunder, dass der Euro nicht noch schneller fällt. Die Zinsschere zwischen USA und Europa geht nämlich immer weiter auseinander, selbst nach dem jüngsten Zinsschritt der EZB. Sein Geld in US-Staatspapieren anzulegen, wird bei Renditen nahe 4 % immer interessanter. Das Geld fließt zurück in den Dollar.

Für den Euro sind eher weiter fallende Kurse wahrscheinlich. Die nächsten Marken liegen bei 0,95 und tiefer zum Dollar. Nennenswerte Chance auf Erholung? Erst mal Fehlanzeige. Es wird wohl eher Jahre dauern, bis sich da wieder ein Aufwärtstrend zum Dollar etablieren kann. Mit Dollar-Anlagen wird man in der nächsten Zeit besser bedient sein, auf der Zinsseite, aber wohl auch auf der Aktienseite.

Kolumne von Dr. Marc-Oliver Lux,
Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG, München