Wachsendes Währungsrisiko bedroht Anlageerfolg

Gottfried Urban, Urban & Kollegen Vermögensmanagement, Altötting / Foto: © Urban & Kollegen Vermögensmanagement

Ist der Dollar zu Recht noch so stark? Nach der Kaufkraftparität ist der Euro im Vergleich zum Greenback deutlich unterbewertet. Der Dollar ist also eine Währung, die eigentlich zu teuer, aber dennoch als Krisenwährung in den Depots gut gewichtet ist. Die Risiken mehren sich, dass die US-Währung schwächer wird. Das wiederum würde massiv die Performance der in Euro geführten Depots drücken.

Die Kursschwankungen der Eurowährung zum Dollar halten sich seit einiger Zeit in engen Grenzen. Fast vergessen sind hierzulande die negativen Auswirkungen eines schwachen Dollars auf Anlagedepots. 2008 lag der Euro noch bei 1,60 Dollar, um dann bis 2015 fast die Parität zu erreichen. Dazwischen gab es teils extreme Ausschläge. Seit fünf Jahren liegt die Schwankungsbreite zwischen 1,05 und 1,25 Dollar.

Für einen schwächeren Dollar spricht zum Einen, dass die USA regelmäßig ihren Schuldenstand relativ zur Wirtschaftsleistung erhöhen. In absoluten Beträgen türmen die USA jährlich über 1.000 Mrd. an neuen Schulden auf. Das entspricht der Hälfte der Gesamtschulden Deutschlands – Jahr für Jahr! Die USA wenden ca. drei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für die Zinslast auf, Deutschland nur 0,6 Prozent. Die USA könnten Gefahr laufen, nicht heute, aber irgendwann in der Zukunft, durch zu hohe Zinsen in eine gefährliche Negativspirale bei den Zinskosten zu geraten. Das würde den Dollar schwächen.

Trump braucht schwachen Dollar

Zum Anderen merkt auch der Kapitalmarkt, dass wohl nur mit einem erneuten Aufkaufprogramm von Anleihen durch die amerikanische Notenbank der Absatz von neuen US-Staatsanleihen gewährleistet werden kann. Wie könnten die Vereinigten Staaten den Absatz von Staatspapieren noch stimulieren? Vermutlich durch einen schwächeren Dollar. Auch der amerikanischen Konjunktur würde ein schwacher Greenback helfen. Präsident Trump wird deshalb gerade im ersten Quartal versuchen, Druck auf die Notenbank auszuüben, um die Zinsen weiter nach unten zu drücken, was den US-Dollar unattraktiver macht.

In Europa zeichnet sich Konjunkturerholung ab

Schließlich würde auch die sich abzeichnende Konjunkturerholung in Europa vermehrt internationale Investoren anlocken und damit den Euro erstarken lassen. Befeuert werden könnte dies durch politische Bemühungen die Konjunktur in Europa anzukurbeln. Vor diesem Hintergrund würde mich eine Dollarschwäche 2020 nicht überraschen. Dies würde auch den Weltaktienindex belasten, da dieser zu über 60 Prozent aus amerikanischen Werten besteht. Eine enttäuschende Performance von US-Werten wie auch Währungsverluste würden dann zur bitteren Pille aus Sicht eines Euro-Anlegers. Die US-Währung bleibt dennoch im Sinne der Risikostreuung ein wichtiger Bestandteil in einem globalen Portfolio. Ob die Währung künftig einen positiven Beitrag zur Depotentwicklung leistet, erscheint jedoch fraglich.

Kolumne von Gottfried Urban,
Urban & Kollegen Vermögensmanagement, Altötting

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