Vorsicht vor den Crash-Propheten

Gottfried Urban, Urban & Kollegen Vermögensmanagement, Altötting / Foto: © Urban & Kollegen Vermögensmanagement

Es gibt einige „Spezialisten“, die vorgeben, den nächsten Crash ziemlich genau prognostizieren zu können. Die Zeit vor Weihnachten ist gut gewählt, um Werbung für ein neues Crash-Buch zu machen. Anleger sollten solche Thesen jedoch mit äußerster Vorsicht genießen und hinterfragen, welche Interessen der Autor möglicherweise noch verfolgt.

Prognose können wir übrigens auch selbst: “Wir warnen vor einem deutlichen Einbruch. Der Aktienmarkt wird im Laufe des Jahres 2020 um 15 Prozent vom Hoch aus gerechnet einbrechen und vielleicht sogar noch mehr verlieren.” Leider hat diese Aussage überhaupt keinen Wert für den Anleger, denn die 15 Prozent vom Hoch sind der Durchschnitt der vergangenen 40 Börsenjahre für den europäischen Aktienmarkt. Eine Schwankung, die auch in sehr guten Börsenjahren normal ist.

Autoren hinterfragen

Dem Anleger kann eine solche Prognose zwar neue Ideen geben. Doch was, wenn der Crash erst Jahre später kommt oder man trotz Crash auf das falsche Pferd gesetzt hat? Meist sind es geschätzte und sehr kluge Akteure, solche Thesen jedoch bitte immer hinterfragen, welche Interessen der Autor möglicherweise noch verfolgt. Vielleicht ist der Crash-Prophet, der sicher aus Überzeugung seine Thesen vertritt, gleichzeitig bei einem großen Goldhändler für einen steigenden Edelmetallumsatz verantwortlich. Andere verdienen mit Vorträgen, dem Buchverkauf und Abo-Kunden ihren Lebensunterhalt oder machen Werbung für einen Bezahl-Finanzblog

Sicher ist, dass es eine Bereinigung der extremen Überbewertungen geben wird, die durch den manipulierten Zins entstanden sind. Immobilien-, Aktien- und Anleihenbesitzer werden im nächsten Crash viel Geld verlieren. Wer zu spät einsteigt oder zu teuer einkauft, wird mehr verlieren. Aber es kann Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern bis der prognostizierte Marktzusammenbruch passiert. Bis dahin können die Preise noch massiv ansteigen.

Zu billiges Geld führt zu Fehlallokationen

Ich wage einen Blick in die Zukunft: Erst im letzten Drittel eines Dreijahrzehntezyklus (Generationszyklus), also in den 2030er Jahren könnte die große Bereinigung anstehen. Vorher, also in den 2020er Jahren, werden Privatpersonen, Staaten und Unternehmen nochmal richtig Schulden machen und die Vermögenspreise liquiditätsgetrieben in deutlich höhere Bewertungen treiben. Zuviel billiges Geld führt zu höherer Verschuldung und Fehlinvestitionen. Die Aktie könnte am Ende die schon teure Immobilie als bevorzugtes Anlagethema ablösen. Aber Vorsicht Prognose: Der Zusammenbruch kann natürlich auch viel früher passieren.

Was ist zu tun? Der preiswerteste Schutz vor Verlusten ist immer noch die Diversifikation und die Qualität der Investments. Und den wirklichen Herren des Geldes genau zuhören, das sind die Notenbanker und vielleicht auch aktuell der US-Präsident. Börsengurus haben klare Meinungen, was Respekt verdient, aber keinerlei Einfluss auf die Märkte. Die Marktgeräusche, die jeden Tag aufschlagen, sollten die strategischen Überlegungen nicht beeinflussen. Doch man muss immer gut zuhören, jeder Tag ist spannend und bringt neue Geschichten.

Kolumne von Gottfried Urban,
Urban & Kollegen Vermögensmanagement, Altötting