Vor dem Jahrzehnt des Drachen

Gottfried Urban, Urban & Kollegen Vermögensmanagement, Altötting / Foto: © Urban & Kollegen Vermögensmanagement

Ein Jahrzehnt geht zu Ende. Die 2010er Jahre waren von hoher Unsicherheit geprägt, teils ausgelöst durch die Finanzkrise, die kurz zuvor die Weltwirtschaft durchgerüttelt hatte. Die tiefe Verunsicherung der Anleger hat dafür gesorgt, dass die Aktienkurse zwar stiegen, aber keine Übertreibungen entstanden. Im kommenden Jahrzehnt wird die Negativzinsphase zwar auslaufen. Doch Aktien werden attraktiv bleiben, an der Spitze Titel aus China und ganz Asien. Ein Ausblick.

Negativzinsen – na, und? Das Ende der Abwärtsspirale ist angesichts abkühlender Konjunktur noch nicht erreicht. Wir rechnen damit, dass die Zinsen weltweit zunächst weiter fallen werden. Auf jeden Fall bleibt der Zins noch lange unter der Inflationsrate und wird die Vermögenspreise weiter inflationieren.

Aufgrund des billigen Geldes wird die Verschuldung von Unternehmen, Privatpersonen und Staaten global deutlich zunehmen. Insbesondere große Unternehmen und Staaten werden die Zinssituation nutzen, um mehr Anleihen auszugeben. Das erhöhte Angebot dürfte den Langfristzins schließlich wieder steigen lassen.  Dennoch: Die neuen Zinshochs der 2020er Jahre werden die alten Zinstiefs aus Zeiten vor der Finanzkrise nicht übersteigen. Schnelle Zinsanstiege könnten einen Rentencrash auslösen.

Der Goldpreis scheint weiterhin durch den Nullzins und die Nachfrage aus den Schwellenländern und durch die Notenbanken gut nach unten abgesichert zu sein. Bewertungsmodelle für einen fairen Goldpreises gibt es aber nicht.

Aktien könnten in den 2020er Jahren Immobilien als bevorzugtes Anlagethema ablösen, da die Preise für Häuser und Wohnungen schon erheblich gestiegen sind. Liquiditätsgetrieben werden immer höhere Bewertungen für Aktien akzeptiert werden. Das ist ein dynamischer Prozess, der aktuell schon anläuft und noch Jahre dauern könnte – wenn auch immer wieder durch Rücksetzer unterbrochen. Das sind typische Börsen-Muster, die immer wieder nahezu gleich ablaufen. Am Ende steht dann die Übertreibung.

Eine typische Blasenbildung ist durch eine absurde Bewertung und einen beschleunigten Aufwärtstrend zu erkennen, welcher in der Regel bei Überbewertungen ab mindestens 100 Prozent zum Aktiencrash führt. Wann und wie ausgeprägt die Entwicklung sein wird, kann keiner sagen, aber es wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit passieren. Die Rentenmärkte haben schon jetzt alle Merkmale einer Superblase, die Aktienmärkte wirken dagegen noch vernünftig bepreist.

Die US-Börsen haben das zurückliegende Jahrzehnt als Börsensieger abgeschlossen. Asien und China sind wahrscheinlich die Gewinner der nächsten Dekade. Die Bewertungen der Emerging Markets geben das her, insbesondere Asien mit China als dem dominierenden IT-Markt der kommenden Jahre. Wir sind überzeugt: China wird die USA als Innovationsführer ablösen, das ist Fakt!

2030 oder auch etwas früher könnten die Bewertungen wieder zusammenfallen. Aber dafür brauchen wir zuerst eine Aktienblase. Hier gibt es genügend Rhythmus- und Börsenzyklusmodelle, die diese Prognose untermauern.

Unser Fazit: Die Aktie bleibt die wohl interessanteste Anlageklasse für die kommenden Jahre. Wer hier erfolgreich sein will, darf die regionale Diversifikation nicht vernachlässigen.

Kolumne von Gottfried Urban,
Urban & Kollegen Vermögensmanagement, Altötting