Vom Mode- zum Kernthema

Constantin Lisson / Foto: © LIQID

Nachhaltiges Investieren ist kein Modethema mehr. Statt „nice to have“ trifft es jetzt „must have“ wohl viel besser. Getrieben durch die Regulatorik aber auch das zunehmende ESG-Bewusstsein bei vielen Anlegern gehört der Begriff „Nachhaltigkeit“ sicher zu den wichtigsten im laufenden Jahr. Auch in der Asset Management-Industrie. Constantin Lisson, LIQID (Asset Management) ging im finanzwelt-Talk näher darauf ein.

finanzwelt: Nachhaltiges Investieren ist en vogue. Wie lässt sich der Begriff der Nachhaltigkeit für alle verständlich formulieren und auf was ist zu achten (Ausschlusskriterien)?

Lisson: Nachhaltigkeit lässt sich am besten in Anlehnung an den häufig zitierten Brundtland-Report erklären, den die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen („Brundtland-Kommission“) bereits 1987 veröffentlichte. Dort ist eine nachhaltige Wirtschaftsordnung so definiert, dass sie die gegenwärtige Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen in der Form bedient, dass künftige Generationen nicht in ihrer Fähigkeit beeinträchtigt werden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Ein verstärkter Fokus auf Nachhaltigkeit bedeutet also vor allem eine Ausweitung des Betrachtungshorizonts hin zu einer langfristigeren Abwägung von Kosten und Nutzen.

finanzwelt: Gehen Sie davon aus, dass grünes Investieren in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird?

Lisson: Definitiv. Es lässt sich ja bereits jetzt beobachten, dass das Thema von regulatorischer Seite in den Vordergrund gestellt wird, so zum Beispiel durch die Europäische Kommission. Auch bei LIQID stellen wir ein verstärktes Interesse an nachhaltigen Investments fest. Seit Sommer 2018 trägt LIQID diesem Bedürfnis mit dem Anlagestil LIQID Impact Rechnung. Er unterliegt strengen ethischen, ökologischen und gesellschaftlichen Kriterien. Abstriche bei den Renditeaussichten müssen Anleger keine machen. Das Chance-Risiko-Profil entspricht dem des passiv gemanagten Anlagestils LIQID Global.

finanzwelt: Wie bewerten Sie in diesem Kontext den Aktionsplan Financing Sustainable Growth?

Lisson: Die Europäische Union hat sich im Bereich der nachhaltigen Entwicklung bis 2030 ambitionierte Ziele gesetzt. Konkret sind dies die Reduktion von Treibhausgas-Emissionen um 40 Prozent (relativ zum Emissionsniveau von 1990), ein Mindestanteil von 27 Prozent des Energieverbrauchs, der aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden soll, und eine Reduktion des Gesamt-Energieverbrauchs in der EU um 30 Prozent. Diese Ziele sind ohne zusätzliche finanzielle Mittel nicht umsetzbar. Deshalb möchte die Europäische Kommission im Finanzsektor auch Anreize schaffen, Kapitalströme in stärkerem Ausmaß nachhaltigen Zwecken zuzuführen.

Wir befürworten insbesondere die Einführung von Gütesiegeln für nachhaltige Finanzprodukte. Immer mehr Anleger möchten Nachhaltigkeitskriterien bei der Kapitalanlage berücksichtigen; leider gibt es aber bei diesen Produkten erhebliche qualitative Unterschiede. Ein Gütesiegel kann Anlegern helfen, jene Produkte zu identifizieren, die Nachhaltigkeitskriterien konsequent umsetzen. Die Auswahl auch wirtschaftlich sinnvoller Produkte ersetzt es indes natürlich nicht.

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