Volatilität voraus

Rentenmärkte asymmetrisch

Ganz anders die Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Hier wird das „Risiko” einer Präsidentin Marine Le Pen bereits seit Wochen „eingepreist” – zumindest bei  Staatsanleihen. 10-jährige Vertreter dieser Gattung büßten die letzten Monate bereits über 6%-Kursverlust ein, ein Abschlag auf das Austrittsrisiko Frankreichs aus der Währungsunion. Ganz anderes die heimischen Bundesanleihen gleicher Laufzeit, die als Hort der Sicherheit von dieser Fluchtbewegung profitierten.

Sollten nun die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich einigermaßen friktionsfrei und ohne größere „Unfälle” von statten gehen – was wir erwarten – dreht sich die ganze Bewegung zurück. Französische Staatsanleihen wären plötzlich große Kursgewinner, während bei deutschen Korrekturen anstehen würden. Alles in allem nehmen die Schwankungen zu.

Rohstoffe & Gold

Die jüngsten inflationären Tendenzen sind nahezu ausschließlich auf den seit Februar 2016 gestiegenen Ölpreis und im Zuge dessen gestiegene Rohstoffpreise zurückzuführen. Es ist deshalb auch unschwer zu prognostizieren, dass dieser „Inflationsimpuls” noch einige Wochen, bis mindestens in den Mai hinein anhalten wird. Denn der dynamischste Teil der Ölpreis-Rallye fand von Januar 2016 bis Anfang Juni 2016 statt und führte von 27 US-Dollar pro Barrel auf 52 Dollar. Dieser sog. Basiseffekt (bezogen auf die vor 12 Monaten tieferen Preise) sollte also bis in den Frühsommer anhalten und sich dann abschwächen.

Gold ist Gewinner von Inflation und politischen Krisen – so die allgemeine Annahme. Richtiger ist jedoch, dass Gold in erster Linie eine Funktion der Realverzinsung (Zinsen minus Inflation) darstellt. D.h. steigt die Inflation, aber die Zinsen nicht, steigt Gold. Steigen die Inflation und die Staatsrenditen im Gleichklang, stagniert Gold. Fällt hingegen die Inflation und die Staatsrenditen bleiben stabil (z.B. weil die Verschuldung weiter steigt), so verliert Gold.

Fazit

Grundsätzlich ist für uns der weltwirtschaftliche Grundtrend positiv und das ist gut für Aktien. Interpretiert man die aktuelle Situation und fügt hinzu, was uns an politischen Dingen bevorsteht, sollte jedoch eine Zunahme der Schwankungen in nahezu allen Anlageklassen keine allzu utopische Prognose sein.

Wichtig für den Anleger: Solche Schwankungen sind als Gelegenheit zu betrachten, aussichtsreiche Anlageklassen günstiger zu erwerben. Dazu ist es jedoch existentiell notwendig, sich bereits im Vorfeld mental darauf einzustellen, um dann im „Krisenumfeld” rational und nüchtern handeln zu können.

Marktkommentar von Daniel Zindstein,
Geschäftsführer der Zindstein Vermögensverwaltung GmbH