Vielversprechende Entwicklungen in der Biotechbranche

Die Biotechnologie-Branche hat seit den 1980er Jahren eine phänomenale Entwicklung erlebt.

Trotz Biotech-Blase Ende der 1990er, Finanzkrise und kürzlich erfolgter Marktkorrektur, der Nasdaq Biotech Index (NBI) offerierte von Januar 1994 bis September 2015 eine Rendite von fast 1.500 Prozent gegenüber knapp 270 Prozent für den Weltaktienindex von MSCI. Die entspricht einer jährlichen Mehrrendite von 7 Prozent für den NBI gegenüber dem MSCI Welt. Einige seit 1994 existierende aktive Biotech-Anlagestrategien schlugen den NBI nochmals erheblich.

Nach einem phänomenalen Jahr 2013 und einem hervorragenden 2014 ist die NBI-Performance nach der letzten Korrektur wieder auf dem Niveau von Anfang des Jahres angelangt. Erleben wir das Platzen einer Biotech-Blase? Wir wissen es nicht. Was wir hingegen wissen, ist, dass biotechnologisch entwickelte Medikamente im Unterschied zu den frühen 2000er Jahren heute ein etablierter und unentbehrlicher Teil der medizinischen Versorgung gegen Krankheiten aller Art sind, auch komplexer und seltener wie beispielsweise Krebs.

Nachfrage nach Krebsmedikamenten steigt weltweit
Krebs ist bis heute nicht besiegt. Dank biotechnologisch entwickelter Medikamente ist die Krankheit immerhin nicht mehr in jedem Falle zwingend tödlich. Patienten haben heute die Chance, mit gewissen Krebsformen als chronischer Krankheit ein würdevolles Leben zu führen.

Krebskrankheiten sind eine globale Geißel geworden. Früher wurde die Krebsdiagnose in den Schwellenländern Asiens viel seltener als heute gestellt. Krebs ist in dieser Region mittlerweile auf dem Vormarsch. Dies lässt die Nachfrage nach wirksamen Krebsmedikamenten weltweit steigen.

Die Biotech-Branche arbeitet kontinuierlich an Lösungen und hat alleine 2015 fünf neue Krebsmedikamente in den USA zur Zulassung gebracht. Weitere Medikamente werden noch dieses Jahr erwartet. Diese Zulassungen bringen Biotech-Firmen auch erhebliche wirtschaftliche Möglichkeiten.

Immunonkologie – Chance auf Krebsbehandlung mit weniger Nebenwirkungen
Hoch innovative therapeutische Ansätze revolutionieren die Behandlungsformen verschiedenster Krankheitszustände. Die Immuntherapie für Onkologie, auch Immunonkologie, soll etwa das körpereigene Immunsystem dazu bringen, Krebs zu erkennen und zu bekämpfen. Immunonkologie verspricht potentielle Heilbehandlungen bei geringeren Nebenwirkungen als die der Chemotherapie.

Der Bereich der Onkologie wächst rasch und bietet viele Möglichkeiten. Firmen mit einem diversifizierten Portfolio von Medikamenten und klinischen Kandidaten wie beispielsweise die amerikanische Incyte sind sehr gut aufgestellt. Deren Medikament Jakafi wird für myeloproliferative Erkrankungen (z. B. Stammzellenkrankheit) vermarktet und steht in Entwicklung für Pankreastumor und andere solide Tumore. Vielversprechende Daten aus der Studie mit Keytruda wurden in einem Patent offengelegt, das von Merck und Incyte im August 2015 veröffentlicht wurde. Es gibt aber immer wieder auch kleinere Onkologie-Unternehmen mit vielversprechenden Technologien, so zum Beispiel Advaxis oder Immune Design, die besondere Plattformen für therapeutische Krebsimpfungen entwickelt haben.

Schwergewicht auf diversifizierten Biotech-Firmen
Aus Risikoüberlegungen sind diversifizierte Unternehmen wie die US-Firma Amgen, die gleichzeitig an verschiedenen Fronten agieren, bei Anlagen bedeutender zu gewichten. Amgen positioniert sich mit einem erwarteten Ertrag von 21 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 dank zahlreicher Therapiebereiche als diversifizierte Biotech-Gesellschaft, einschließlich Entzündungen, Onkologie, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Osteoporose. In der Onkologie bestanden die hauptsächlichen Lizenzvergaben in Produkten zur Unterstützung der Pflege. Amgen hat ihr Portfolio von direkten Wirkstoffen zur Krebsbekämpfung weitgehend durch M&A erweitert. Das Onkologieprodukt mit dem größten kommerziellen Potential ist Kyprolis, das durch den Kauf der Firma Onyx für 9,7 Milliarden US-Dollar zu Amgen gekommen ist. Kyprolis wird mit erwarteten Erträgen von 520 Millionen US-Dollar für 2015 und 1,5 Milliarden US-Dollar für 2020 ein rasches Wachstum vorausgesagt. Dieses Wachstumspotential wird durch die fortlaufenden Studien zur Primärtherapie sowie die Erweiterung um andere Indikationen gestützt. Ein weiteres Onkologieprodukt von Amgen ist Blincyto, ein bispezfischer Antikörper für akute lymphoblastische Leukämie und Talimogene laherparepvec (oder T-vec), ein sogenannter onkolytischer Virus. Das kommerzielle Potenzial von T-vec wird bestimmt durch die Ergebnisse andauernder Versuche in sogenannten Kombinationsstudien.

ASCO 2015 als Indikator kommender Entwicklungen
An der weltweit wichtigsten Konferenz zum Thema Krebs, der ASCO 2015 (American Society of Clinical Oncology), die im Juni stattfand, waren verschiedene Entwicklungen erkennbar. Dazu gehörte sicher die Bestätigung der Tätigkeit von Prüfpunktinhibitoren bei mehreren Krebsuntertypen mit positiver Umsetzung bei Gesellschaften wie BMS, Merck, Roche und AstraZeneca. Andere wichtige Präsentation umfassten die ENDEAVOR Studie von Kyprolis im Vergleich zu Velcade bei multiplem Myelom und den Beweis der klinischen Aktivität für ihr Antikörperpaar bei Eierstockkrebs.

Solides Wachstum der Biotech-Branche lässt Kurszugewinne weiter zu
Erleben wir also wirklich das Platzen einer Blase im Biotech-Sektor? Nun, wir wissen es nicht. Wenn man diese Frage jedoch aus realökonomischer Sicht betrachtet, wenn man die Fakten aus Forschung und Entwicklung zusammenträgt sowie das Gewinnwachstum in Relation zur Kursentwicklung setzt, dann kann man zumindest sagen: Die Branchenentwicklung stützt das Kurswachstum ohne Einschränkung, und das prognostizierte Nachfragewachstum nach biotechnologisch entwickelten Medikamenten weist nicht auf einen möglichen Trendbruch hin.

Autorin: Mina Marmor, Senior Financial Analyst bei Sectoral Asset Management