Vieles spricht für einen positiven Jahresausklang an den Börsen

Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG / Foto: © Martina Draper

Der DAX hat die von Charttechnikern als Widerstand auserkorene Marke von 13.200 Punkten in der vergangenen Woche überwunden. Bis zum Allzeithoch bei rund 13.600 Punkten fehlt nicht mehr viel. In den USA sind die großen Indizes bereits auf neue Rekordmarken gestiegen. Es sieht danach aus, als könnten die Aktienmärkte die ohnehin schon starke Performance des laufenden Börsenjahres in den verbleibenden Wochen noch weiter ausbauen.

Dafür spricht auch der Faktor Saisonalität. Historisch betrachtet haben die besten sechs Monate des Jahres gerade erst begonnen. Zwischen Anfang November und Ende April konnte der deutsche Leitindex in den vergangenen 30 Jahren im Schnitt um 10 Prozent zulegen. In 23 der 30 Perioden gab es ein Plus, eine Erfolgsquote von 77 Prozent.

Schlechte Stimmung ist immer gut

wikifolio-Trader Thomas Zeltner hält von solch saisonalen Aspekten nicht besonders viel und verweist stattdessen lieber auf die fehlende Euphorie unter den Anlegern: „Der DAX notiert am Jahreshoch, doch keiner spricht davon. Die Nachrichten werden stattdessen von negativen Meldungen zum ‚Brexit-Chaos‘ und dem Handelskonflikt dominiert. Das ist für mich ein bullisches Zeichen, da aufgrund der negativen Gesamtstimmung viele Börsianer noch an der Seitenlinie stehen und nicht voll investiert sind.“ Er geht zwar davon aus, dass der langjährige Bullenmarkt irgendwann zu Ende sein wird. Mit Blick auf den „vollkommen intakten Aufwärtstrend“ dürfte es seiner Ansicht nach aber erst noch einige Monate nach oben gehen.

Günstige Bewertungen nutzen

Nach dem Motto „the trend is your friend“ agiert auch Holger Degener. Der sieht beim DAX ebenfalls einen „schönen Aufwärtstrend“. Zudem sei beim amerikanischen Leitindex Dow Jones aktuell kein Widerstand nach oben erkennbar. „Es sieht also positiv aus“, resümiert der Trader und weist darauf hin, dass die Tendenz rund um den Jahreswechsel oft freundlich ist, „weil Anleger dann intensiv in unterbewertete Aktien investieren“. Als besonders aussichtsreich bezeichnet er Aktien, die wegen der Konjunktureintrübung stark gelitten haben. Als Beispiele dafür nennt er BASF, Covestro und Aurubis. Aber auch kleinere Halbleiter-Aktien wie Siltronic oder AT&S sowie niedrig bewertete Autozulieferer hat der Trader im Fokus. Wichtig bei der Auswahl potenzieller Depotwerte sind für ihn vor allem die fundamentalen Aussichten und die Bewertung der Aktien: „Wenn man nicht zu viele Fehler macht und vorwiegend in hoch bewertete Aktien investiert, die abstürzen können, sollte man in der Lage sein langfristig an einer positiven Entwicklung der Unternehmen zu partizipieren.“

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