Verunsicherung greifbar

Die abgesagten Gespräche der wichtigsten Ölförderländer, wie Saudi-Arabien und Russland, führten einmal mehr zu einem Einbruch des Ölpreises um knapp 10 Prozent in zwei Tagen.

Die Aktienmärkte vollzogen ihren gewohnten Reflex, dies mit Kursverlusten einzupreisen. Nach wie vor werden die immensen Konjunkturstimuli durch die niedrigen Öl- bzw. Energiepreise ignoriert und Ängsten um den weiteren Verlauf der Weltwirtschaft wird nachgegeben.

Derweil machen die Verhandlungen des EU-Ratspräsidenten Donald Tusk mit dem englischen Premier David Cameron Fortschritte. Die Frage wird sein, ob Cameron die Geister, die er relativ leichtfertig im letzten Wahlkampf aus der Flasche ließ, wieder einfangen kann. Die Contra-EU-Bewegung in Großbritannien gewinnt an Stärke und wird alles daransetzen, die Verhandlungserfolge in Brüssel kleinzureden. Die Hoffnung ruht auf der weiteren Konjunkturentwicklung in Europa. Die Talsohle scheint durchschritten und ein drohender Ausstieg Großbritanniens aus dem Binnenmarkt dürfte mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringen. Auch die jüngsten Arbeitsmarktdaten in Deutschland und Europa zeigen eine robuste Verfassung. Kein Grund also, europäische Aktien auf breiter Front zu verkaufen. Dies tun allerdings z.B. größere Investoren aus dem Nahen Osten, die Einnahmeausfälle aus den niedrigen Ölpreisen kompensieren müssen. Institutionelle Investoren verfügen hierzulande nach den Kursabstürzen oft nicht über die Risiko-Budgets, um entscheidend eingreifen zu können. Privatinvestoren stecken mal wieder die Köpfe in den Sand und verfallen in Käuferstreik. Eine schnelle Erholung der Aktienkurse erscheint daher eher unwahrscheinlich. Langfristig orientierten Investoren eröffnen sich dennoch gute Einstiegsmöglichkeiten.

Autor: Michael Beck,
Leiter Asset Management Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG