Versicherungsmarkreport 2017

Thomas Olaynig stellvertretender Chief Market Officer/ Foto: © Marsh

Cyberrisiken erreichen die CEO-Agenda und Haftpflichtversicherungen bei Unternehmen gewinnen an Bedeutung. Hier steigt allerdings gleichzeitig der Preis und ganze Branchen leiden darunter, dass einige Unternehmen in letzter Zeit einige Großschäden erlitten haben.

Auch in diesem Jahr hat der Industrieversicherungsmakler und Risikoberater Marsh seinen Versicherungsmarkreport vorgelegt.

In der Sachversicherung sind die Prämien im Durchschnitt weiterhin stabil, besonders für Risiken mit unauffälligem Schadensverlauf oder für Risiken mit gutem oder sogar überdurchschnittlichem Brandschutz. Bei Risiken mit erhöhter Schadensbelastung oder bei sogenannten “schweren” Risiken sind dagegen zum Teil erheblich Prämienforderungen erkennbar, was auch in diesem Jahr so weiter gehen dürfte. Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, wie schnell sich die Marktsituation für bestimmte Branchen verschärfen kann. So sind fleischverarbeitende Industrie und die Grundstoff-Chemie-Branche 2015 aber vor allem 2016 von mehreren Großschäden getroffen worden. Deshalb hatten selbst Unternehmen dieser Branchen, die von Schäden verschont geblieben sind, deutlich mehr Probleme, günstige Vertragsbedingungen auszuhandeln. Ein Trend, der auch in diesem Jahr zum Tragen kommen dürfte.

„Wenn Branchen von Großschäden gebeutelt werden, führt dies bei Versicherern leider immer schneller zu internen Zeichnungsverboten statt zum Dialog über notwendige Risikomanagementmaßnahmen und die richtige Prämie“, sagt Thomas Olaynig, stellvertretender Chief Market Officer bei Marsh Deutschland. „Als Versicherungsmakler setzen wir uns unverändert dafür ein, Risiken für unsere Kunden versicherbar zu machen.“

Erfreulich zu beobachten ist allerdings, dass die Schadensbilanz für Deutschland in der mehrjährigen Betrachtung unterdurchschnittlich ist. Dies ist aufgrund der Unwetter durch die beiden Tiefdruckgebiete Elvira und Friedericke durchaus erstaunlich.

Der Markt bei den Haftpflichtversicherung bleibt unverändert weich und es sind weiterhin Prämienreduzierungen möglich. Das Interesse der Versicherer am Haftpflichtgeschäft ist aufgrund des gleichbleibend positiven Marktergebnisses daran weiterhin groß. Lediglich für exponierte Risiken, hier insbesondere Risiken der Pharma- und Automobilzulieferindustrie, sowie bei schadenbelasteten Verträgen ziehen die Prämien an.

Aufgrund zahlreicher Cyber-Vorfälle nähert sich das europäische Rechtssystem der strengen Regulierung der USA an. So tritt beispielsweise im Mai nächsten Jahres eine neue EU-Datenschutz-Grundverordnung in Kraft, die u.a. eine Meldepflicht bei Datenlecks sowie eine drastische Erhöhung der Bußgelder vorsieht.

„Das Thema Cyber ist damit endgültig auf der CEO-Agenda angekommen“, so Thomas Olaynig. „Da Unternehmen ihre Prozesse bis zum Stichtag dem neuen Recht angepasst haben müssen, sollten sie sich spätestens jetzt mit den Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell, mit möglichen neuen Risiken und ihrem Versicherungsschutz auseinandersetzen.“ (ahu)

Den ausführlichen Marsh Versicherungsreport 2017 gibt es hier