Verschnaufpause im Kreditgeschäft

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dbresearch: Dämpfer bei der Kreditvergabe an deutsche Unternehmen und den Finanzierungsalternativen. Nach einer zuletzt kräftigen Expansion verharrte das Kreditvolumen mit Unternehmen und Selbstständigen in Deutschland im zweiten Quartal praktisch auf dem erreichten Stand (EUR +1,4 Mrd. oder 0,1 Prozent gg. März).

(fw/rm) Verglichen mit dem Vorjahr ergibt sich damit ein moderates Plus von 1,6 Prozent. Rückschläge verbuchten insbesondere die Verkehrsbranche und Maschinenbau/Auto, während das Kreditgeschäft v.a. mit Wohnungsunternehmen und unternehmensnahen Dienstleistern weiter wuchs. Die meisten Bankengruppen konnten davon profitieren, ausgenommen waren die Auslandsbanken und einmal mehr Landesbanken und Förderbanken. Das Zinsniveau rutschte noch weiter ab; die Einlagenzinsen stehen kurz davor, in den negativen Bereich zu fallen. Das Einlagenvolumen liegt trotzdem mittlerweile 3,7 Prozent höher als vor einem Jahr. Dem Bank lending survey zufolge setzt sich die Margenerosion v.a. bei Krediten an große Unternehmen ungebremst fort. Vorteilhaft bleibt aber die Nachfragesituation, insbesondere bei langfristigen Krediten. Bei den anderen Finanzierungsquellen geht die Rekordjagd im Leasing weiter, das neue Kaufprogramm der EZB unterstützt das Anleihegeschäft, aber Aktienemissionen finden nahezu überhaupt nicht mehr statt.

Konjunktur

Schwache Q2 BIP-Details – eingetrübter Ausblick. Die Details des besser als erwarteten Q2-Wachstums waren schwächer als es das Aggregat nahelegte. Insbesondere der Rückgang der Investitionen fiel stärker als erwartet aus. Die Nettoexporte überraschten positiv und überkompensierten den Rückgang der Binnenwirtschaft. Eine Gegenbewegung zu den starken Nettoexporten dürfte das Q3-Wachtum belasten. Die Binnenwirtschaft dürfte dagegen wieder anziehen. Seit der vorherigen Ausgabe des Monitors Unternehmensfinanzierung Anfang Juli 2016 führte das stärkere Q2-Wachstum und die Revision historischer Daten dazu, dass wir unsere BIP-Prognose für 2016 auf 1,9 Prozent (von 1,7 Prozent) erhöhten. Für das Jahr 2017 senken wir unsere Wachstumsprognose auf 1,0 Prozent (von 1,3 Prozent). Ein etwas schwächeres Lohnwachstum dürfte den Konsum und der ge-dämpfte Exportausblick sowie die hohe globale Unsicherheit die Ausrüstungsin-vestitionen belasten.

Kreditvolumen

Das Kreditgeschäft in Deutschland hat im zweiten Quartal nach zuletzt guten Zahlen eine Verschnaufpause eingelegt. Die Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige expandierte nur noch minimal, um EUR 1,4 Mrd. (0,1 Prozent), gegenüber Vorquartal. Trotzdem blieb der Vorjahresvergleich praktisch unver-ändert bei soliden +1,6 Prozent. Ein wesentlicher Grund für den Dämpfer dürften die schwächeren Investitionen der Unternehmen gewesen sein, die ebenfalls zu Jahresanfang stark abgeschnitten hatten (zu den Details des Konjunkturverlaufs und -ausblicks siehe Teil 2 im Anschluss). Die Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen im Euroraum als Ganzes stagnie-ren weiterhin. Das ausstehende Volumen stieg zwar von März bis Juni um 0,4 Prozent, lag damit aber auf dem gleichen Niveau wie vor einem Jahr. Es bleibt also bei einem kreditlosen (schwachen) Aufschwung in der Währungsunion. Hinsichtlich der verschiedenen Sektoren in Deutschland gab es im zweiten Quartal vor allem für das zuletzt so starke Geschäft mit dem Verarbeitenden Gewerbe einen Rückschlag (EUR -1,8 Mrd.), so dass die Jahres-Wachstumsrate auf immer noch ordentliche 2,7 Prozent zurückging. Im etwas stetigeren Geschäft mit Dienstleistern hielt die Expansion dagegen an – der Anstieg um EUR 7 Mrd. war sogar der beste Vierteljahreswert seit 2007. Damit liegt das Plus verglichen mit dem Vorjahr mittlerweile bei 2,5 Prozent, ebenfalls der höchste Stand seit der Finanzkrise. Nicht ganz so dynamisch sieht es bei den Selbstständigen aus, aber auch hier konnte ein Zuwachs von EUR 2,5 Mrd. im Quartal bzw. 1,6 Prozent über das Jahr verzeichnet werden. Insgesamt bleibt das Momentum im Kreditgeschäft mit deutschen Firmenkunden also solide. Mit Blick auf die einzelnen Wirtschaftszweige mussten Maschinenbau/Auto nach ihrem rasanten Wachstum in den Quartalen zuvor in Q2 einen Dämpfer hinnehmen (EUR -2,4 Mrd.), liegen aber immer noch deutlich über Vorjahresniveau. Andere Industriebranchen wie die Elektrotechnik (EUR +0,5 Mrd.) oder die Chemie (EUR +0,4 Mrd.) konnten dagegen erneut ein Plus verbuchen. Außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes zeigte sich ein eher schwaches Bild. Das Kreditgeschäft mit Verkehrsunternehmen brach so stark ein wie seit 2001 nicht mehr (EUR -3,6 Mrd.), so dass sich der Abwärtstrend nochmals beschleunigte. Auch die Volumina mit dem Handel (EUR -1,2 Mrd.) und den Versorgern (EUR -0,2 Mrd.) schrumpften. Die Anstiege beim Bau (EUR +0,5 Mrd.) und der Landwirtschaft (EUR +0,7 Mrd.) waren saisonaler Natur, beide Branchen behalten damit aber ihre positive Grundtendenz bei. Im Dienstleistungsgewerbe wurde das starke Q2-Ergebnis im Wesentlichen von zwei Wirtschaftszweigen getrieben: den Wohnungsunternehmen (EUR 3,6 Mrd.) und Telekom/Beratung/Werbung (EUR 1,9 Mrd.), den unternehmensnahen Dienstleistungen. Erstere profitieren zunehmend vom Immobilienboom in deutschen Großstädten und erreichten ein neues Rekordhoch, letztere sind ohnehin eine strukturelle Wachstumsbranche und stiegen erstmals seit 2002 wieder über die Marke von EUR 100 Mrd. ausstehendes Kreditvolumen. Daneben verbuchten u.a. auch die Gewerbeimmobilienfirmen (EUR 0,7 Mrd.) und die Tourismusbranche (EUR 0,2 Mrd.) Zuwächse. Bei der Unterscheidung nach Fristigkeiten zeigt sich eine relativ unspektakuläre Verteilung: Die (eher volatilen) kurzfristigen Ausleihungen waren nach ihrem sehr kräftigen Anstieg von Januar bis März dieses Mal mit 2 Prozent rückläufig, die Volumina mit Laufzeiten zwischen einem und fünf Jahren erhöhten sich um 0,7 Prozent und die mit längeren Fristigkeiten um 0,4 Prozent gg. Vq. Letzteres war bereits das sechste Quartalsplus hintereinander, was die Robustheit der zugrundelie-genden Kreditdynamik unterstreicht. Zudem lag die Jahreswachstumsrate der langfristigen Kredite zuletzt 2001 auf einem derart hohen Niveau (von über 2 Prozent) über einen solch langen Zeitraum (von jetzt schon mindestens neun Monaten). Aus Sicht der verschiedenen Bankengruppen verlief das zweite Quartal entwe-der schwarz oder weiß – entweder legten die Kreditvolumina deutlich zu oder nahmen deutlich ab. Die meisten Entwicklungen der jüngsten Zeit hielten im Grundsatz an, nur für die Auslandsbanken gab es nach dem zuletzt sehr starken Abschneiden mal wieder einen Dämpfer (-1,4 Prozent gg. Vq.), getrieben von einem Minus im Geschäft mit Maschinenbau/Auto, bei dem die Expansion zuvor besonders ausgeprägt gewesen war. Die inländischen Kreditbanken dagegen legten in ihrem traditionell besten Quartal um kräftige 2,5 Prozent zu, auf den höchs-ten Kreditbestand seit der Übernahme der Hypovereinsbank durch die italienische Unicredit 2005. Für die Kreditbanken insgesamt ergibt sich damit ein um solide 3,6 Prozent größeres Kreditbuch als im Vorjahr. Sparkassen (+1 Prozent gg. Vq.) und Genossenschaftsbanken (+1,1 Prozent) setzten ihren mit dem Beginn der Finanzkrise eingeschlagenen Wachstumskurs ungebremst fort, und auch die Schrumpfung der Landesbanken hielt unverändert an (-1,7 Prozent). Die Sparkassen haben mit einer aufs Jahr gerechneten Rate von 4 Prozent mittlerweile das höchste Wachstumstempo seit 2008 erreicht, die Genossenschaftsbanken liegen weiterhin noch darüber. Auch die Zurückhaltung der staatlichen Förderbanken hatte in Q2 Be-stand (-0,6 Prozent gg. Vq.). Fortsetzung auf Seite 2