Vermögensverwaltung folgt der Gestaltungsberatung

Michael Sievers, Managing Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung Rhein Asset Management (Luxemburg und Düsseldorf) / Foto: © Rhein Asset Management

Vor allem bei Unternehmern darf sich das Financial Planning als finanzielles Lebensplankonzept nicht allein um die Verwaltung des liquiden Vermögens drehen. Entscheidend ist die Frage, was der Unternehmer langfristig wirklich will.

Wer ein Vermögen besitzt, der will es in aller Regel dauerhaft sichern, ausbauen und vielleicht auch für die nächste Generation bewahren. Deshalb wünschen sich die allermeisten Vermögensinhaber ein schlüssiges Konzept, das weit in die Zukunft reicht. Aber genauso oft dreht sich das Financial Planning, also die Finanz- und Lebensplanung, mehr oder weniger ausschließlich um die Steuerung der Liquidität und die Vermögensanlage für den Ruhestand. Welche Entnahmen sind möglich, und kann der gewöhnte Lebensstil auch im Alter fortgeführt werden?

Das reicht indes bei weitem nicht aus und stellt eher den dritten Schritt als den zweiten, geschweige denn den ersten dar. Denn gerade von Unternehmern werden die Gesellschaftsanteile und Immobilienvermögen regelmäßig nicht als Teil der relevanten Vermögensmasse angesehen – obwohl diese oftmals wesentlich mehr wert sind als das liquide Vermögen, das in dem Kontext eine eher untergeordnete Rolle spielt. Schließlich ist die Rendite der liquiden Vermögenswerte in Höhe von einigen Millionen Euro recht uninteressant, wenn ein Unternehmen in Besitz der Familie ist und möglicherweise 30, 50 oder gar 100 Millionen Euro wert ist.

Entscheidend für das gesamte Financial Planning und die daran anschließende Nachlassplanung ist die Frage, was der Unternehmer langfristig wirklich will und wie er Probleme bei der nachfolgenden Generation vermeiden kann – persönlich, strategisch, rechtlich und steuerlich. Diese Frage, so zeigt die Praxis immer, stellen sich jedoch nur sehr wenige Eigentümer von Familienunternehmen. Dabei hängt von dieser Frage die gesamte spätere Gestaltung der Vermögenssicherung, Vermögensentwicklung und Vermögensübertragung ab.

Warum? Ganz einfach: Nur wer weiß, wie in Zukunft mit dem Unternehmen umgegangen werden soll, kann die richtigen Schritte ergreifen und die passenden Experten einbinden. Erst durch die Vernetzung aller Leistungen rund um das Vermögen ergibt sich ein schlüssiges Langzeitkonzept, das auch rechtlich und steuerlich tragfähig ist und beispielsweise die Frage nach der optimalen Vermögensnachfolge ebenso beantwortet. Soll das Unternehmen direkt oder beispielsweise im Rahmen einer Stiftung erhalten oder veräußert werden? Welche Regelungen sind bereits innerhalb der Familie getroffen worden? Und welche Vermögenswerte sind zu verschiedenen Zeitpunkten vorhanden? Dafür werden die notwendigen Experten in die Entwicklung des Finanzkonzepts mit eingebunden, um bestmögliche Ergebnisse bei der langfristigen Strukturierung des Vermögens zu erzielen. Das gilt vor allem für steuerliche und rechtliche Fragestellungen.

Die dritte Säule in dem relevanten Beraterdreieck nimmt in dem Zusammenhang der Vermögensverwalter/Family Officer ein. Er ist Ansprechpartner für das Asset Management und die strategische Asset Allocation, die sämtliche Erkenntnisse der vorbereitenden Gestaltungsberatung aufgreift. Zwar ist gerade bei großen Vermögen die Höhe der kurzfristigen positiven Rendite zweitrangig. Aber dennoch muss das Vermögensverwaltungskonzept im Rahmen des Financial Planning und der Nachlassplanung Sinn ergeben. Denn zum einen sollen geschaffene Werte erhalten und entwickelt werden. Zum anderen kann es notwendig sein, das liquide Vermögen als Sicherheitsnetz für eine potenzielle erbschaftsteuerliche Belastung anzusehen, um die Steuerschuld der kommenden Generation bei der Unternehmensübertragung daraus zu begleichen oder die steuerliche Belastung durch geschickte Planung direkt zu verringern. Dass beim Asset Management auch im letzten Lebensdritte Aktien eine bedeutende Rolle spielen, versteht sich von selbst; nicht zuletzt, weil gerade komplexe Vermögen auch ein gewisses Risiko verkraften können.

Erst wenn alle Parameter des Gesamtvermögens, alle ausgesprochenen und unausgesprochenen Wünsche sowie die Erwartungen an das Ruhestandseinkommen kennen, kann das Vermögen bestmöglich allokiert werden. Vor der Zusammensetzung des Portfolios werden sämtliche Assets analysiert und miteinander in Verbindung gesetzt – welche Anlage bringt welche Rendite? So werden Schwachstellen mit Blick auf die tatsächlichen Wünsche des Anlegers aufgedeckt und korrigiert.

Kolumne von Michael Sievers,
Managing Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung Rhein Asset Management (Luxemburg und Düsseldorf)