Vermögensverwalter erwarten Clinton-Sieg und steigende Aktienkurse

Die kommenden Wochen stehen ganz im Zeichen der Präsidentschaftswahlen in den USA. Am 8. November wird sich entscheiden, ob Hillary Clinton oder Donald Trump das Erbe von Barack Obama als wahrscheinlich mächtigster Politiker dieser Welt antritt. In den Umfragen hat der außerhalb der USA sehr umstrittene Trump seinen Rückstand mittlerweile fast komplett wettmachen können. Die bei wikifolio.com aktiven Vermögensverwalter rechnen dennoch größtenteils mit einem Wahlsieg der Demokratin Clinton. Ein solcher sollte sich auch positiv auf die Entwicklung der Aktienkurse auswirken.

Die Chancen, dass es nach einem Erfolg der ehemaligen Außenministerin tatsächlich zu steigenden Aktienkursen kommt, stehen historisch betrachtet sehr gut. Nach einer Analyse der LBBW hat sich der Dow Jones Industrial Average in den zwölf Monaten nach einer Wahl wesentlich besser entwickelt, wenn die zuvor amtierende Partei auch in der nächsten Legislaturperiode den Präsidenten gestellt hat. In sechs von acht Fällen verzeichnete der amerikanische Leitindex dann Kursgewinne, wobei die Performance aller acht Jahre im Schnitt bei 9 Prozent lag. Bei einem Parteiwechsel hingegen endeten vier von sieben Jahren mit einem Minus. Die Kurse fielen durchschnittlich um rund 2 Prozent.

Optimismus dank Saisonalität

Christian Funke, Vorstand der Source For Alpha (Deutschland) AG, rechnet fest mit einem Sieg von Hillary Clinton. Nur ein besonderes Ereignis wie ein Terroranschlag könnte das Pendel in Richtung Trump ausschlagen lassen. Dass die Vermögensverwalter weiterhin mit einer positiven Entwicklung an den Aktienmärkten rechnen, begründet er aber vor allem mit der „weltweit expansiven Zentralbankpolitik und der generell positiven Wirtschaftsentwicklung“. Die bestehenden Risiken wie ein überraschender Wahlausgang oder eine Zinserhöhung der US-Notenbank könnten allerdings zu erhöhten Schwankungen führen.

Optimistisch ist Funke vor allem für die kommenden Wochen, was viel mit der Saisonalität zu tun hat: „Historisch war das Schlussquartal im Durchschnitt immer sehr stark, darauf sollten auch die US-Wahlen keinen Einfluss haben.“

In den wikifolios setzen die Anlageprofis dennoch verstärkt auf defensive Aktien. Diese sollten „die Unsicherheit der nächsten Wochen und Monate problemlos durchstehen und eine langfristig stabile positive Wertentwicklung erwarten lassen.“

Wahlschluss schafft Klarheit an der Börse

Bei der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG geht man ebenfalls von einem Clinton-Sieg und tendenziell steigenden Aktienkursen aus. US-Werte werden hier aufgrund der erheblichen Probleme in Europa sogar übergewichtet. Die bereits angesprochene Saisonalität gilt laut Vorstand Stephan Albrech insbesondere in US-Wahljahren: „Bisher deutet nichts darauf hin, dass dieses Muster in diesem Jahr anders ausfällt.“ Dabei setzt er auch darauf, dass nach der Wahl Klarheit herrscht und damit die Unsicherheit der Marktteilnehmer verschwin-det: „Das wird an den Börsen immer gerne gesehen.“

Flexible Markteinschätzung gefragt

Manfred Stiegel, Geschäftsführer der MS Finance Support GmbH, sieht Clinton ebenfalls in der Favoritenrolle. Er weist zudem darauf hin, dass sich die Marktbreite und damit die Struktur der Aktienmärkte zuletzt verbessert haben. Das lässt auch ihn optimistisch in die Zukunft blicken: „Nach der üblichen Unsicherheit im September und Oktober erwarte ich einen Anstieg der Aktienmärkte bis zum Jahresende.“

Allerdings ist diese Ansicht nicht in Stein gemeißelt: „Ich muss dazu sagen, dass ich mich nie auf eine Entwicklung des Marktes festlege. Zeigt mir der Aktienmarkt eine deutliche Verschlechterung, bin ich jederzeit bereit umzudenken und mich neu zu positionieren. Diese Flexibilität ist an den Aktienmärkten sehr wichtig und nur so kann man auf Dauer am Markt erfolgreich sein. Augenblicklich sagt der Markt mir aber ‚Ich will nach oben‘.

Kolumne von Andreas Kern, Gründer und CEO von wikifolio Financial Technologies AG