Höhere Vola spricht für vermögensverwaltende Fonds

In Zeiten erhöhter Volatilität können vermögensverwaltende Fonds ihre Vorteile ausspielen, betont Oliver Fischer im Interview. Zudem plädiert der Leiter Publikumsfonds bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers für nachhaltige Investments als Ergänzung zum aktiven Multi-Asset-Ansatz.

finanzwelt: Wie schätzen Sie die aktuelle Lage an den Märkten ein?

Fischer: Die Aktienmärkte schwanken wieder stärker. Die Zweifel an der wirtschaftlichen Stärke Chinas und die Zinsdiskussion in den USA werden auch weiterhin für höhere Volatilitäten sorgen. Mit der Sorglosigkeit der Anleger ist es erst einmal vorbei. Anfang August ist der VDax New um rund 50 % nach oben geschossen. Der Volatilitätsindex VIX zeigt in den Vereinigten Staaten ein ähnliches Bild. Vor allem die Angst vor einer Vollbremsung des chinesischen Wirtschaftswachstums und vor höheren Zinsen in den USA haben die Aktienmärkte wieder stärker schwanken lassen.

finanzwelt: Sehen Sie Anzeichen für eine Beruhigung der angespannten Situation?

Fischer: Nein, auf absehbare Zeit dürfte sich die höhere Volatilität nicht nennenswert zurückbilden. Denn die Lage in der Volksrepublik bleibt vorerst unklar. Gleichzeitig wird uns die Diskussion über die künftige Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed voraussichtlich noch eine Zeit lang begleiten. Die Griechen wählten zudem am 20. September ein (altes) neues Parlament. Syriza-Chef Alexis Tsipras fährt derzeit einen verbalen Achterbahnkurs – und es bleibt abzuwarten, ob er das 86 Mrd. Euro schwere Kreditpaket mit den Gläubigern neu verhandeln will. Die Kriege in der an die NATO grenzenden Ukraine und im Nahen Osten bergen ebenfalls jede Menge Sprengstoff. Das gilt auch für das damit zusammenhängende Flüchtlingsdrama in Europa. Es gibt also genug Gründe dafür, dass die Finanzmärkte auf absehbare Zeit nervös bleiben. Und vergessen wir nicht die schwarzen Schwäne, die plötzlich und völlig überraschend für erhebliche Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen können.

finanzwelt: Sind vermögensverwaltende Fonds in diesem Umfeld die geeigneten Instrumente?

Fischer: In ruhigen und weitgehend konstant steigenden Märkten haben passiv gemanagte Indexfonds aufgrund ihrer schlanken Kostenstruktur ihre Berechtigung. Das erklärt auch die enormen Mittelzuflüsse, die die ETFs in den vergangenen Jahren verzeichneten. In Zeiten höherer Volatilitäten spielen dagegen aktiv gemanagte Konzepte, also vor allem vermögensverwaltende Investmentfonds, ihre Vorteile aus. Dabei kommt der Risikokontrolle die entscheidende Rolle zu. Anleger sollten immer bedenken, dass es eines 100-prozentigen Kursanstiegs bedarf, um einen vorangegangenen Verlust von 50 % nur auszugleichen. Das Volumen von in Deutschland vertriebenen Mischfonds hat nach Angaben des Branchenverbands BVI auf Sicht eines Jahres um fast 30 % zugelegt. Das zeigt, dass die Anleger in Anbetracht der gestiegenen Unsicherheiten aktiv verwaltete Anlagestrategien bevorzugen. Vereinfacht gesagt überlassen es die Investoren Profis, die bestehenden und vermeintlichen Risiken zu managen und zwischen den verschiedenen Assetklassen flexibel umzuschichten.

finanzwelt: Sehen Sie neben dem aktiven „Multi-Asset-Ansatz“ noch weitere Diversifikationsaspekte in diesen unruhigen Zeiten?

Fischer: Besondere Stabilität bieten beispielsweise nachhaltige Anlagestrategien. Sie berücksichtigen neben finanziellen Risiken auch solche, die aus einer unsozialen oder umweltbelastenden Geschäftspolitik von Unternehmen resultieren. BP oder TEPCO sind nur zwei besonders drastische Beispiele dafür, wie Umweltkatastrophen Dutzende Milliarden Dollar Anlagevermögen vernichten können. Umweltskandale oder die schlechte Behandlung von Mitarbeitern führen regelmäßig zu Reputationsverlusten, die den Aktienkurs der entsprechenden Unternehmen belasten. Ich spreche hier aus Erfahrung, denn Hauck & Aufhäuser verfügt bei nachhaltigen Anlagekonzepten über die längste Expertise in Kontinentaleuropa. Nachhaltige, vermögensverwaltende Investmentfonds sind weniger ein Thema für Gutmenschen, sondern vor allem für Investoren interessant, bei denen die Risikobegrenzung oberste Priorität genießt.