Individuelle Investmentstrategie – von Profis gepflegt

Foto: © George Mayer - Fotolia.com
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Anlagekonzepte mit VV-Fonds gewinnen aktuell besonders an Bedeutung. Norbert Neunhoeffer, Geschäftsführer der AssetStandard GmbH, sieht in ihnen eine richtungsweisende Antwort auf die wachsenden Anforderungen im Vermögensmanagement privater Kapitalanlagen.

Die Anforderungen an das übergeordnete Assetmanagement sind in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Die Gründe hierfür sind differenziert und lassen sich schlecht in einem Satz zusammenfassen. Jedoch kann gesagt werden, dass die immer schnellere Informationsverarbeitung wohl einen erheblichen Beitrag geleistet hat. Genauso wie die fortschreitende Globalisierung und die damit einhergehende komplexe wirtschaftliche sowie finanzielle Verflechtung von Staaten und Wirtschaftsräumen. Diese Faktoren haben einfache, auf einzelne Anlageklassen reduzierte Buy & Hold-Strategien obsolet gemacht. Starre Mischallokationen mit Aktien und Renten bieten – aufgrund der gestiegenen Korrelation dieser Anlageklassen – nicht mehr die nötige Diversifikation.

Unabhängig von den aktuellen geopolitischen Einflüssen, fußt jedoch der Misserfolg vieler Privatinvestoren in erster Linie auf der Nichtbeachtung klassischer Investitionsregeln. Gier und Angst beherrschen nach wie vor die Entscheidungen vieler Berater und Anleger. Zusätzlich erfährt deren prozyklisches Anlageverhalten Unterstützung durch unzählige Marketingabteilungen von Kapitalanlagegesellschaften. Marketingstorys werden weiterhin durch die sprichwörtlichen Dörfer getrieben – selbst nach den drastischen Einbrüchen der letzten Jahre. Besser wäre es, sowohl Kunden als auch Berater hinsichtlich einer individuellen, vermögensverwaltenden Gesamtstrategie zu sensibilisieren.

„Lege nicht alle Eier in einen Korb“.

Was bei vermögenden Kunden seit längerem gängige Praxis ist, wird dem Kleinanleger nach wie vor geschickt verschleiert. Individuelle Gesamtstrategien sind selten. Ebenso stellen die Diversifikation über viele Anlageklassen und Vermögensverwalter nach wie vor Ausnahmen dar. Zurück bleibt in regelmäßigen Abständen ein verdrossener Anleger, der erneut aufs falsche Pferd gesetzt hat. Aus diesem Grund lassen sich vermögende Kunden seit jeher von unabhängigen Vermögensverwaltern beraten, denn diese streuen das eingesetzte Kapital nicht nur auf viele verschiedene Assetklassen, sondern meist auch über mehrere Vermögensverwalter hinweg. Dies zeigen die Vermögensaufteilungen der „Superreichen“, die jährlich in diversen World Wealth Reports veröffentlicht werden. Zwar findet in Abhängigkeit verschiedenster wirtschaftlicher Szenarien auch hier eine Über- und Untergewichtung statt, jedoch werden immer mehrere Anlageklassen und Verwalter bedient. Frei nach dem Motto: „Lege nicht alle Eier in einen Korb“. Diese professionelle, kundenorientierte Beratung durch unabhängige Vermögensverwalter war in der Vergangenheit nur Großinvestoren zugänglich. Erst mit Einführung der Abgeltungssteuer machten viele Vermögensverwalter ihre Strategien transparent und öffneten sie so dem breiten Markt. Diese Strategien finden sich heute in Investmentfonds und sollten in erster Linie eine steueroptimierte Vermögensverwaltung ermöglichen.

Transparenz und Vergleichbarkeit

Der erfreuliche Nebeneffekt ist, dass genau hierdurch Vermögensverwalter samt ihren Strategien durchschaubarer, überprüfbarer und damit auch vergleichbar gemacht wurden. Im Durchschnitt sind derzeit die Ergebnisse aus individuellen Vermögensverwaltungsmandaten nicht besser als diejenigen der vermögensverwaltenden Fonds (VV-Fonds) respektive der in ihnen angewandten, replizierten Strategien. Diesen Nachweis erbrachte eine Studie des Research- und Analysehauses MMD Multi Manager GmbH, das sich auf vermögensverwaltende Produkte spezialisiert hat. Die Untersuchung zeigt en détail: VV-Fonds, die über verschiedene Assetklassen hinweg investiert sind, erzielen nahezu die gleichen Ergebnisse wie Vermögensverwaltungen mit ähnlicher Risikostruktur. Dies legt den Schluss nahe, dass die Strategien der Vermögensverwaltungen entweder kaum von denen der VV-Fonds abweichen oder eben direkt in den Fonds angewendet werden. Das Vermögen des Anlegers wird also nachweislich genauso professionell und nicht schlechter als in einer individuellen Vermögensverwaltung gemanagt. Darüber hinaus bieten VV-Fonds weitere Vorteile: Neben der kontinuierlichen (meist täglichen) Veröffentlichung etwaiger Performance- und Risikodaten, kann jeder Anleger auch mit geringen Beträgen an den Strategien partizipieren. Zudem kann er einfach und direkt seine „Vermögensverwaltung“ wechseln oder sein Vermögen auf mehrere Strategien verteilen.

Win-Win-Situation

Der Berater und auch sein Kunde müssen keine komplexe Vermögensstruktur erstellen und überwachen, sondern können auf die Expertise namhafter Vermögensverwalter zurückgreifen. Sowohl den Beratern als auch den Anlegern werden mit VV-Fonds Investmentvehikel geboten, die in überzeugender Weise einen Mehrwert für alle Parteien generieren. Der Kunde erhält eine professionelle und seinen individuellen Bedürfnissen entsprechende Vermögensanlage auf Basis unterschiedlicher Vermögensverwaltungsstrategien, während sich der Berater, trotz gestiegener Anforderungen an die Dokumentations- und Beratungspflicht, umfassend auf seine Kernkompetenz – das Beraten – konzentrieren kann.

Kostendiskussion: Ja.
Polemik: Nein!

Viele aktive Manager schlagen ihren Vergleichsindex nicht. Dafür produzieren sie Jahr für Jahr deutlich höhere Kosten als ein passives Produkt, das eben diesen Index abbildet. Zwei durchaus vielzitierte Argumente, zumal die Auswahl entsprechender Bausteine angesichts der reichlich und jederzeit verfügbarer Vergleichslisten nicht weiter schwerfällt. Die Diskussion, ob nun ein aktiver oder passiver Ansatz vorteilhafter ist, geht jedoch meist am Thema vorbei. Schließlich handelt es sich zunächst um die grundlegende Entscheidung eines Anlegers, ob er die Verwaltung seines Vermögens selbst übernehmen oder ob er diese in Form einer kostenpflichtigen Dienstleistung delegieren möchte. Wer neben Beruf, Familie und Hobby die Zeit aufbringen kann und möchte, sich selbst um die Kapitalmärkte und sein Vermögen zu kümmern, der wird sowohl das nötige Verständnis für die Auswahl von Regionen und Anlageklassen mitbringen als auch die Robustheit besitzen, zwischenzeitliche Kursrückgänge der passiven Indexprodukte verkraften zu können. Wer hingegen bei der Kapitalanlage, wie die meisten Anleger, auf fremde Hilfe angewiesen ist, entscheidet sich meist für eine aktive und kostenpflichtige Dienstleistung. Und genau dieses grundlegende Kriterium wird bei den meisten Vergleichen von aktive gegen passive Strategien nicht genügend berücksichtigt. Insbesondere bei der Kosten-Diskussion. Natürlich könnte ein Hausbesitzer, der aus Zeitgründen einen Gärtner engagiert, seinen Rasen das Jahr über auch selbst mähen und den Vorgarten pflegen. Daraus aber abzuleiten, dass Rasenmähen und Gartenpflege ohne Gärtner immer besser – da kostengünstiger – sind, erscheint unlogisch. Genauso wie sich der Hausbesitzer für den Gärtner entscheidet, vergibt der Anleger für die Betreuung seines Kapitals ein Mandat an einen kostenpflichtigen Dienstleister. Daraus resultiert bei Vergleichen ein – vom Anleger bewusst ins Spiel gebrachter – Kostenfaktor, der es im Durchschnitt unmöglich macht, bei sonst gleichen Konstanten die Renditeergebnisse der passiven Alternative zu erreichen. Aktive vermögensverwaltende Fonds haben aber per Definition nicht den Anspruch, das mögliche Renditepotenzial der Märkte voll auszuschöpfen. Sie sind für Anleger konzipiert, die mit bewusster Vergabe eines aktiven kostenpflichtigen Mandats Verluste und die Schwankungsintensität minimieren möchten.

Grafik Individuelle Investments

Die Volatilität kehrt zurück – was tun?

Gerade in den letzten Wochen kehrten eine erhöhte Schwankungsintensität und damit korrespondierende Verluste in den Anlegeralltag zurück. Seit Anfang 2009 kannten die Aktienmärkte, mit Ausnahme einer kurzfristigen Korrektur im Herbst 2011, nur eine Richtung: den Weg nach oben. Im Gegensatz dazu nahmen die Volatilitäten konstant ab, was gegen Ende 2014 historisch niedrige Schwankungen im Anlagebereich zur Folge hatte.

Kein Wunder also, dass frisches Geld vor
allem in risikoreiche und
insbesondere
passive Anlageprodukte floss.

Vergessen sind die Verluste von 2008, denn beim Blick in die beliebten Drei- oder Fünf-Jahres-Hitlisten von Investmentfonds entdeckt man schon lange keine Spuren des Lehman-Crashs mehr. Zu schnell blendet die mittelfristige, standardisierte Betrachtungsweise (d. h. über drei bzw. fünf Jahre) hervorragende Produkte aus den bekannten Hitlisten aus. Dabei hätten die historisch niedrigen Volatilitäten zur Vorsicht mahnen sollen, denn sie haben in der Vergangenheit meist einen Sturm angekündigt. Berater sollten daher aktuell bei der Auswahl und Kombination geeigneter Produkte für seinen Kunden über den Tellerrand hinausschauen und auch längerfristige, verschiedene Marktzyklen umfassende Betrachtungszeiträume in den Entscheidungsprozess mit einbeziehen. (nn)