Value vs. Growth – Die alten Werte sind zurück

Dyrk Vieten, geschäftsführender Gesellschafter von ficon Vermögensmanagement und Manager des nachhaltigen Dividendenfonds ficon Green Dividends-INVEST I / Foto: © Dyrk Vieten

Lange Zeit lief das Value Investing dem Growth Investing hinterher. Damit könnte jetzt Schluss sein, denn das Value Investing erlebt eine Renaissance und hat die Bewertungsunterschiede zu Wachstumstiteln deutlich verringert. Für den Einstieg ist es noch nicht zu spät.

Viele Jahre lang sah es so aus, als gebe es für Investoren nur eine Möglichkeit, ihr Aktienvermögen aussichtsreich anzulegen. Growth-Aktien, vor allem US-amerikanische Technologiewerte, schienen unbesiegbar. Die Wachstumsraten waren fantastisch und haben Indizes und Depots in neue Höhen gehievt. Dieser gefühlt ewige Aufwärtstrend scheint jetzt vorbei. Seit gut einem halben Jahr haben Technologiewerte mit deutlichen Bewertungsabschlägen zu kämpfen. Dafür hat sich das Value Investing wieder in den Vordergrund gearbeitet.

Im Fokus der Value-Renaissance steht, dass Aktienkurse langfristig durch Fundamentaldaten bestimmt werden. Value-Investoren folgen also nicht der Herde, sondern suchen nach Qualitätsunternehmen, von denen sie glauben, dass der Aktienmarkt sie unterbewertet.

Die Chancen für globale Value-Aktien waren selten so gut wie in diesem Jahr. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Performance-Unterschiede zwischen günstig bewerteten Value-Aktien und den deutlich teureren Technologieaktien mit hohen Wachstumsraten zusammengeschrumpft. Es ist davon auszugehen, dass viele substanzstarke Titel bei einer anstehenden Konjunkturerholung gewinnen werden.

Trotz der schon guten Entwicklung vieler Value-Aktien lässt die historische Durchschnittsbewertung weiter eine deutliche Outperformance erwarten. Das Value-Segment ist günstiger geworden, da das Gewinnwachstum der Unternehmen die Kurssteigerungen überkompensiert hat.

Auf der anderen Seite stehen die Zeichen für eine schnelle Rückkehr von Growth-Werten, die zulasten der Value-Aktien gehen könnte, weniger gut. Die steigenden Zinsen machen das fremdfinanzierte Wachstum deutlich teurer und riskanter. Die noch immer hohen Bewertungen vieler Growth-Werte bergen die Gefahr einer erheblichen Korrektur. Investoren zahlen derzeit zu viel für eingeschränkte Zukunftsaussichten und einem Crash-Risiko.

Investoren, die von der Renaissance des Value Investing profitieren wollen, sollten sich mit entsprechenden Fonds auseinandersetzen. In Eigenregie einzelne Unternehmen zu analysieren und zu identifizieren, ist schwierig und riskant. Eine interessante Benchmark stellt der MSCI World Value Index dar, der große und mittlere Werte aus 23 entwickelten Märkten, die dem Value-Ansatz entsprechen, erfasst (als ETF etwa von xtrackers, ISIN: IE00BL25JM42). Er hat in den vergangenen fünf Jahren knapp 7,5 % zugelegt und liegt seit der ersten Erfassung 1974 in der Performance vor dem MSCI World (11,43 zu 10,87 %).

Kolumne von Dyrk Vieten,
Geschäftsführer ficon Vermögensmanagement GmbH in Düsseldorf