USA first – nicht im Internet?

Europäer und das Internet der Dinge
Wo es im Internet der Dinge lang geht bestimmen Europäer mit. /Foto: © bernardbodo - Fotolia.com

Die Europäer haben im Internet der Dinge die Nase vorn. Umso mehr wenn sie die bisher freiwillige Unterstützung der Amerikaner prüfen. Beim Thema Sicherheit lohnt es sich, die auch auszusperren.   

Viele US-amerikanische IT-Unternehmen diskutieren noch über die Möglichkeiten des Internets der Dinge. Ihre europäischen Wettbewerber hingegen haben sich längst positioniert und schicken sich an, die Führungsrolle bei dieser Zukunftstechnologie zu übernehmen.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Finding Europe’s Edge in the Internet of Things“, für welche die US-amerikanische Managementberatung Bain & Company global mehr als 500 Führungskräfte in unterschiedlichen Branchen befragt hat.

Laut der aktuellen Bain-Studie sind europäische IT-Unternehmen bereits aus der Experimentierphase heraus und machen das Internet der Dinge für ihre Kunden nutzbar.

„Europäische Anbieter profitieren von ihren traditionellen Stärken in puncto Neuentwicklung, Präzision und Qualität. Sie wissen deshalb sehr genau, wie sie ihre Produkte und Dienstleistungen mithilfe des Internets der Dinge noch besser machen können“, sagt Michael Schertler, Bain-Partner und Co-Autor der Studie.

Sicherheit von entscheidender Bedeutung

Zu den Innovationstreibern gehört unter anderem die deutsche Automobilindustrie. 2,6 Milliarden Euro haben Audi, BMW und Daimler für den Kauf des Digital-Mapping-Spezialisten HERE von Nokia investiert. Damit wollen die drei deutschen Premiumautobauer an Google und Apple vorbeiziehen.

Zudem sichern sie sich mit dieser Akquisition den Zugang zu einer bahnbrechenden Technologie für das autonome Fahren.

Darüber hinaus sind sie zahlreiche Partnerschaften eingegangen und haben ihre Mobilitätsdienste ausgebaut. Nicht zuletzt dank ihres erhöhten Sicherheitsbewusstseins dürften sich deutsche Tech-Unternehmen in Zukunft exzellent auf dem internationalen Markt positionieren können.

Die Deutsche Telekom ist Partner von Microsoft Azure, nur so kann der Telekommunikationsriese hierzulande Cloud-Dienste anbieten und damit Kunden gewinnen, die ihre Daten im eigenen Land wissen wollen. Sperrt die Deutsche Telekom ihre Dienste, dann war es das.

Laut Bain-Studie sind europäische Führungskräfte generell mehr auf Sicherheit bedacht als ihre US-amerikanischen Kollegen. Für 39 Prozent der europäischen Kunden sind Sicherheitsbedenken das größte Hindernis bei der Nutzung von Technologien rund um das Internet der Dinge. In den USA sind es lediglich 27 Prozent.

Probleme im Sektor Sicherheit und Compliance bewerten 22 Prozent der Europäer als kritisch, aber nur acht Prozent der US-Amerikaner.

„Das Bewusstsein für relevante Fragen der Sicherheit kann zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen werden“, warnt Bain-Experte Schertler.

Wettbewerbsvorteile nutzen und ausbauen

Ob Analysemöglichkeiten, Qualitätsverbesserung oder Abfallreduktion, die Europäer sehen derzeit deutlich mehr Potenzial im Internet der Dinge als die US-Amerikaner. Und das aus gutem Grund. Bain schätzt, dass diese Zukunftstechnologie weltweit bereits rund 80 Milliarden US-Dollar an M&A-Investitionen und mehr als 30 Milliarden US-Dollar an Venture-Capital-Beteiligungen ausgelöst hat.

Die Beispiele von Nokia und Apple zeigen jedoch, wie wichtig es für Vorreiter ist, sich nicht auf ihrem Vorsprung auszuruhen. Lange galt Nokia als Technologieführer und entwickelte als eines der ersten Unternehmen ein Smartphone. Den Weltmarkt aber eroberte dann jedoch das iPhone, und es setzt bis heute Maßstäbe. Auch die deutschen Autobauer haben sich schon einmal den Rang ablaufen lassen. Bereits seit Jahren experimentieren sie im Bereich der Elektromobilität, doch es ist Branchenneuling Tesla, der derzeit die Enthusiasten begeistert und Zukunftsvisionen vorantreibt.

Das Internet der Dinge ist Chefsache

„Die europäischen Anbieter müssen jetzt schnell aktiv werden und ihren Wettbewerbsvorsprung nutzen. Die heutigen Vorreiter sind prädestiniert, ihre Kunden weltweit für das Internet der Dinge zu sensibilisieren und ihnen die vielfältigen Möglichkeiten dieser Technologie aufzuzeigen“, stellt Christopher Schorling, Bain-Partner in der Technologie-Praxisgruppe und Co-Autor der Studie, fest.

Diese reichen von der Analyse des eigenen Geschäfts hinsichtlich neuer Wachstumsmöglichkeiten über die Steigerung der Kundenzufriedenheit bis hin zu völlig neuen Produkten und Dienstleistungen. Unternehmen, die das Internet der Dinge zukunftsorientiert anwenden, erlangen neue Fähigkeiten und neues Know-how und haben somit gute Chancen auf eine Technologieführerschaft.

Die Anbieter von Technologien rund um das Internet der Dinge sollten sich gezielt auf Branchen konzentrieren, und ihre Erfahrungen dort für die Entwicklung passgenauer Kundenanwendungen nutzen. Kritische Punkte müssen sie rasch identifizieren, um sich so mit einem wegweisenden Angebot vom globalen Wettbewerb abzuheben.

„Das ist der Türöffner zu einem Multimilliarden-Euro-Markt“, so Schorling.

Den größten Vorteil im globalen Wettbewerb haben erfahrene Konzerne die sich neben dem Internet der Dinge auch mit dem Thema Sicherheit und Logistik auskennen, wie die Munich Re, SAP oder Lidl. (db)