US-Notenbank setzt moderate Zinserhöhungspolitik fort

Dr. Thomas Heidel, Leitung Research Fidal AG / Foto: © Fidal AG

Während die Europäische Zentralbank mit ihrem extrem niedrigen Zinsumfeld sehr zufrieden ist und noch über den Sommer 2019 hinaus am „Nullzins“ festhalten will, verfolgt die US-Notenbank konsequent ihren Zinserhöhungsplan. Am 26. September gab der Fed-Chef, Jerome Powell die achte Erhöhung (seit Dezember 2015) der „Federal Funds Rate“ um 25 Basispunkte auf die Spanne von 2,00 bis 2,25 Prozent bekannt. Drei Viertel der Fed-Vertreter erwarten noch einen weiteren Zinsschritt auf der nächsten Fed-Sitzung am 19. Dezember.

Jerome Powell begründete die Zinserhöhung mit dem Hinweis auf die aktuelle Stärke der US-Wirtschaft. Im zweiten Quartal 2018 stieg das US-Bruttosozialprodukt über vier Prozent, die Arbeitslosenrate liegt unter vier Prozent. Darüber hinaus stiegen die Beschäftigtenzahlen und die Löhne. Die Konsum- und Investitionslaune der Verbraucher und Firmen ist hoch. Die Inflationsrate liegt in der Nähe des Fed-Ziels von zwei Prozent. Die Fed verfolgt das Ziel Preisstabilität bei maximaler Beschäftigung. Im aktuellen Fed-Statement wurde der Hinweis entfernt, dass die geldpolitische Ausrichtung das Wirtschaftswachstum unterstützen soll, doch sei dies nicht als Signal für eine restriktive Geldpolitik zu verstehen.

Weitere Zins-, Preis- und Wirtschaftsentwicklung

Jerome Powell deutete weitere vier Zinsschritte bis Ende 2019 an. Für 2020 ist eine Zinsanhebung vorgesehen. Die meisten regionalen Fed-Präsidenten gehen davon aus, dass bis Ende 2020 der Leitzins bei 3,25 bis 3,50 Prozent liegen und dieses Niveau bis 2021 beibehalten wird. Für 2018 wird jetzt von einem Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent (letzte Prognose 2,8 Prozent) ausgegangen, das sich in 2019 auf 2,5 Prozent, in 2020 auf 2,0 Prozent und in 2021 auf 1,8 Prozent abschwächen soll. Die Arbeitslosenrate soll in den nächsten drei Jahren zwischen 3,5 bis 3,7 Prozent, die Inflationsrate in der Spanne von 2,0 bis 2,1 Prozent liegen.

US-Leitzinsen und Fed-Szenario bis 2021

Positiv ist von den Märkten registriert worden, dass sich die Fed nicht von den Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump beeinflussen ließ, der an den jüngsten Zinserhöhungen der Fed Kritik übte. Ihm schmeckt der Zinserhöhungskurs der Fed nicht, da er lieber für sein Ziel einer prosperierenden US-Wirtschaft und zur billigen Finanzierung des durch ihn deutlich erhöhten Staatshaushaltsdefizits niedrigere Zinsen hätte. Die Kommentare Trumps verletzen die bisher geübte Praxis der US-Präsidenten, sich nicht zur Notenbankpolitik zu äußern. Die Fed bewies mit ihrer Entscheidung zinspolitische Handlungsfähigkeit, verfolgt einen passiven Zinserhöhungskurs und versucht angesichts der rasant steigenden US-Staatsverschuldung eine zu restriktive Geldpolitik zu vermeiden. Fed-Chef Powell betonte, dass bei geldpolitischen Entscheidungen politische Faktoren keine Rolle spielten. Er äußerte sich besorgt über die US-Handelskonflikte, da mehr Protektionismus für die US-Wirtschaft schlecht sei, sieht aber noch keine messbaren Auswirkungen der US-Zölle.

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