US-Märkte im Höhenrausch

Dominic_Rossi.jpg
Dominic Rossi

Seit 2009 kennen die US-Aktienmärkte im Prinzip nur eine Richtung – nach oben. Kann das so weiter gehen? Ja, davon bin ich überzeugt. Dafür sprechen meines Erachtens drei wesentliche Faktoren: Der positive US-Konjunkturausblick, die Unternehmensgewinne und -Bewertungen sowie der starke Dollar.

Konjunkturausblick: Die US-Wirtschaft wächst weiter solide, und trotz fünf Jahren quantitativer Lockerung gibt es kaum Inflationsdruck. Das gibt der US-Notenbank den Spielraum, ihre Geldpolitik kontrolliert in normalere Bahnen zu lenken. Und selbst wenn die Zinsen in den USA steigen, dürfte das nur zu einer kurzfristigen Verkaufswelle an den Märkten führen. Tatsächlich lehren die Erfahrungen aus der Vergangenheit, dass Aktienkurse in der Anfangsphase eines Zinsanstiegszyklus steigen. Erst in seiner späteren Phase wird der Zinszyklus zur Belastung für Aktien.

Unternehmensgewinne: In vielen US-Wirtschaftszweigen sind die Gewinnmargen so hoch wie nie, und Pessimisten rechnen mit einem Rückgang auf historische Durchschnittswerte. Diese Einschätzung teile ich nicht. Ich sehe sogar noch Luft nach oben. In der US-Wirtschaft entfalten starke strukturelle Faktoren ihre Wirkung, die den Gewinnmargen der Unternehmen zugute kommen, beispielsweise eine fallenden Lohnquote. Vor diesem Hintergrund sind die Bewertungen in den USA nach wie vor vernünftig. Zudem profitieren viele US-Markenhersteller von der Globalisierung und der gestiegenen Kaufkraft in den Schwellenländern. Flankiert wird dies vom Trend zur Konsolidierung und Monopolisierung in einzelnen Marktnischen. Hierzu passt meines Erachtens auch der aktuelle M&A-Boom, der den Markt ebenfalls stützt.

US-Dollar:
Anders als in den 2000er Jahren stehen wir aktuell am Beginn einer Stärkephase des Greenback. Das wird US-Anleger dazu bringen, ihr Kapital aus dem Ausland nachhause zu holen. Ganz konkret dürfte die Umkehr zweier zentraler Faktoren, die in den vergangenen Jahren den US-Dollar geschwächt hatten, nun seinen Höhenflug befeuern: Erstens kommt die Energierevolution durch Schieferöl- und gas der US-Leistungsbilanz und damit dem Dollar zugute. Und zweitens befinden wir uns in einer Phase mit weltweit auseinanderstrebender Geldpolitik. Im Gegensatz zur Bank von Japan und der Europäischen Zentralbank wird die US-Notenbank ihre Anleihekäufe einstellen. Und die erste Zinserhöhung dürfte im Sommer 2015 erfolgen. Ein derartiges Auseinanderdriften der globalen Geldpolitik hat Zinsunterschiede zur Folge, von denen der US-Dollar profitieren wird.

Fazit: Die aktuelle Aktien-Hausse wird von anderen Faktoren getrieben als der Bullenmarkt der Jahre 2003-2008. Damals war der Aufstieg der Schwellenländer – und vor allem Chinas – die treibende Kraft. Das war nicht zuletzt den hohen Rohstoffpreisen und dem niedrigen Dollar zu verdanken. Der aktuelle Bullenmarkt, der nach meiner Ansicht noch lange nicht zu ende ist, wird hingegen von der ökonomischen Vormachtstellung der USA getragen.

(Autor: Dominic Rossi, Global CIO Equities, Fidelity Worldwide Investment)