US-Investor in russischer Haft

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„Jetzt, da der Kalte Krieg vorbei ist, kann man ja in Russland Geschäfte machen“. Das dachte sich vor 25 Jahren der US-Investor Michael Calvey. Nach einem Vierteljahrhundert erfolgreicher Tätigkeit lernt er jetzt einen anderen Aspekt des Landes kennen: Die Innenausstattung der Gefängniszellen.

1994 gründete der Amerikaner Michael Calvey seinen eigenen Private-Equity-Fonds Barings Vostock, der laut eigenen Angaben inzwischen ein Vermögen von 3,7 Mrd. Dollar verwaltet und damit zu den größten Private Equity-Firmen in Russland gehört. Calvey blieb auch in Russland, nachdem das Land aufgrund der Ukraine-Krise ab dem Jahr 2014 von Seiten der Europäer und Amerikaner mit Sanktionen belegt wurde.

Offenbar hat sich Calveys Treue aber nicht ausgezahlt: Der 51-jährige wurde Medienberichten zufolge gemeinsam mit mehreren seiner Mitarbeiter vergangene Woche festgenommen. Die Gründe für die Verhaftung sind allerdings nicht ganz klar: So berichtet die Neue Zürcher Zeitung, dass die Festnahmen in Zusammenhang mit Ungereimtheiten bei der russischen Vostochny Bank stehen würden, an der Baring Vostok bedeutende Anteile hält. Calvey und weiteren verhafteten Mitarbeitern wird vorgeworfen, 2,5 Mrd. Rubel (13 Mio. Euro) unterschlagen zu haben. Baring Vostok hätte aber in einer Stellungnahme geschrieben, dass die Strafverfolgungsmaßnahmen nicht in direktem Zusammenhang mit den Aktivitäten von Baring Vostok stehen würden.

Laut Fonds Professionell könnte die Verhaftung im Zusammenhang von Streitigkeiten Calveys mit dem russischen Finanzierer Artjom Awetisjan stehen, die derzeit vor dem Schiedsgericht in London verhandelt werden. So soll Awetisjan über Kontakte zum russischen Geheimdienst verfügen und diese dazu genutzt haben, seinen unliebsamen Kontrahenten auszuschalten. (ahu)