US-Geldpolitik: Nächster Zinsschritt erst im Dez.

Dr. Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim

Politik der zögernden Hand: Aufgrund des schwachen Wachstums im ersten Quartal, eines irritierenden Arbeitsmarktberichts im Mai und der Unsicherheit wegen des Brexits hatte die Fed von weiteren Zinserhöhungen abgesehen.

Inzwischen deuten zahlreiche Indikatoren auf ein robustes Wachstum im zweiten Quartal, der Arbeitsmarktbericht vom Juni fiel überragend aus und die Finanzmärkte tun den Brexit als lokales Ereignis ab. Die Fed wird aber weiter abwarten wollen, ob diese Entwicklungen nachhaltig sind.

Wachstum im zweiten Halbjahr

Wir gehen davon aus, dass das US-Wachstum im zweiten Halbjahr besser ausfällt als im ersten. Vor allem die Binnenwirtschaft dürfte sich positiver entwickeln. Dafür sprechen die solide Entwicklung am Immobilienmarkt, die auf Vollbeschäftigungsniveau gesunkene Arbeitslosigkeit und der robuste Konsum.

Zinserhöhung erst nach der Wahl

Die Lücke zwischen den Prognosen der Notenbank und den Markterwartungen hat sich zuletzt vergrößert. Der Markt scheint der Notenbank zunehmend zu misstrauen: Die Fed Fund Futures haben sich in den letzten Quartalen deutlich weniger bewegt als die Einschätzungen der Fed. Die Lücke schließt sich eher durch eine Revision des Fed-Ausblicks nach unten als durch einen Anstieg der Markterwartungen nach oben. Solange eine anziehende Inflation die Fed nicht zu einem Zinsschritt zwingt, wird sie bei ihrem extrem expansiven Kurs bleiben. Wir rechnen mit der nächsten Zinserhöhung erst im Dezember – nach der US-Wahl.

Dr. Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim, schaut voraus auf die FOMC-Sitzung kommende Woche

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