US-Dollar erneut im Aufwind

Ursina Kubli

Das falkenhafte Fed-Protokoll und die Währungsauseinandersetzungen zwischen Japan und den USA am G7-Treffen beleben den US-Dollar erneut. Wir erwarten weiterhin eine leichte Aufwertung des Greenback – vor zu großer Dollar-Euphorie sei jedoch gewarnt.

Der Wind an den Devisenmärkten kann rasch drehen. Erst vor wenigen Wochen schwenkte der US-Dollar auf einen Abwärtstrend, da erstens erwartet wurde, dass das US-Fed weitere Zinserhöhungen herausschieben wird und zweitens sich die Zentralbanken an einem G20-Finanzminister-Treffen in Shanghai scheinbar geeinigt haben, ihre Bemühungen, die eigene Währung zu schwächen, einzustellen oder zumindest zu reduzieren. Es war, als würde ein heimlicher «Shanghai-Akkord» existieren, eine Einigung auf einen schwächeren Dollar. Der negative Trend hat jedoch bereits wieder ins Positive gedreht. Gegenüber dem Franken hat der Dollar nahezu wieder die Parität erreicht, während der Dollar gegenüber dem Euro im Mai 2016 knapp 3% zugelegt hat. Der Hauptgrund für diese Dollar-Rallye ist ein überraschend falkenhaftes Fed-Protokoll, wonach ein weiterer Zinsschritt im Juni 2016 offenbar doch noch nicht abgesagt wurde. Bereits in den Wochen zuvor haben einige Fed-Mitglieder versucht, sich von den sehr taubenhaften Äusserungen im Fed-Statement im April zu distanzieren. An den Obligationenmärkten haben sich die Markterwartungen entsprechend geändert. Während in den Wochen zuvor kaum weitere Zinsschritte erwartet wurden, gehen die Finanzmärkte inzwischen von einer Wahrscheinlichkeit von 23% aus, dass es bereits im Juni 2016 zu einem Zinsschritt kommt. Ein Zinsschritt bis Ende Jahr ist nun voll in den Erwartungen. Auch die Meinungsverschiedenheiten am G7-Treffen dieses Wochenende zwischen dem japanischen Finanzminister Taro Aso und seinem US-Pendant Jack Lew haben den Aufwärtstrend des US-Dollars verstärkt. Aso monierte, dass die jüngsten Yen-Bewegungen «spekulativ» und «nicht ordentlich» seien. Lew sprach sich jedoch deutlich gegen japanische Devisenmarktinterventionen aus. «Tokyo habe keinerlei Anrecht auf Währungsinterventionen, da die Bewegungen der japanischen Valuta ordentlich seien». Ganz so einig scheinen sich die verantwortlichen Politiker in den verschiedenen Währungsräumen bezüglich der globalen Währungspolitik doch nicht zu sein. In der kurzen Frist haben sich die Voraussetzungen für den Dollar verbessert, da der negative Trend gebrochen ist. In der mittleren Frist erwarten wir zwar einen stärkeren Dollar, warnen jedoch vor zu grosser Euphorie. Zukünftige Zinsschritte des US-Fed sind weiterhin mit sehr vielen Bedingungen verbunden. Erstens, dass das Wachstum im zweiten Quartal anzieht, zweitens sich der Arbeitsmarkt weiter verbessert, drittens die Inflation gegen 2% steigt. Insgesamt erachten wir einen Zinsschritt im Juni 2016, nur wenige Tage vor dem britischen EU-Referendum, als sehr unwahrscheinlich. Auch scheinen die Währungen noch immer ein politisch höchst heikles Thema zu sein – trotz Gerüchten um einen heimlichen «Shanghai-Akkord». Kein Währungsgebiet ist bereit, eine zu starke Aufwertung zu tolerieren. Angesichts dieser politischen Komponente dürften sich die Währungen schlussendlich in einer relativ engen Bandbreite seitwärts bewegen.

Autorin der Kolumne ist Ursina Kubli, Ökonomin, Bank J. Safra Sarasin AG