US-Dollar bleibt die Weltwährung

Stucki_Thomas.jpg
Dr. Thomas Stucki

Vor der Eurokrise wurde darüber spekuliert, ob der Euro den US-Dollar als die Weltwährung ablösen wird. Die erdölexportierenden Länder dachten offen darüber nach, den Handel mit Rohöl in Euro statt in US-Dollar abzuwickeln.

(fw/ah) Dr. Thomas Stucki, Chief Investment Officer der SGKB-Gruppe, gibt eine aktuelle Einschätzung zur Lage auf den Weltwährungsmärkten. „Vieles deutete damals darauf hin, dass der Euro neben dem US-Dollar zur global wichtigsten Währung aufsteigen könnte. Und das ist gar nicht so abwegig, wie es nach dem Erleben der Eurokrise scheinen mag. Die Eurozone umfasst einen Wirtschaftsraum mit 333 Millionen Einwohnern und ist damit bevölkerungsmäßig so groß wie die USA. Die jährliche Wirtschaftsleistung der Währungsunion ist mit rund 13 Billionen US-Dollar zwar etwas geringer als die der USA (17 Billionen US-Dollar), dennoch repräsentiert die Eurozone ein großes wirtschaftliches Volumen. Hinzu kommt, dass nach der Euro-Einführung ein vielfältiger und liquider Kapitalmarkt aufgebaut wurde, der es institutionellen Anlegern und Zentralbanken erlaubt, große Summen in Euro-Obligationen und europäischen Aktien anzulegen. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Etablierung des Euros als Alternative zum US-Dollar sind somit durchaus gegeben.

Dann kam die Krise und machte Systemschwächen sichtbar Spätestens nach der Krise in Europa zeigt sich aber, dass die Einheitswährung einige Konstruktionsfehler besitzt. Sanktionsmechanismen konnten der fehlenden Budgetdisziplin der Mitgliedsländer nicht entgegenwirken. Länder mit einer überbordenden Schuldenquote wie Portugal oder Griechenland verstießen über Jahre hinweg gegen Maastricht-Kriterien, ohne dass seitens der EU-Behörden irgendetwas dagegen unternommen wurde. Erst als die Kapitalmärkte das Zepter übernahmen und die weitere Finanzierung der Schuldenpolitik verweigerten, wuchs der Druck und zwang die Politik zum Handeln.
Betrachtet man die Stabilität des europäischen Finanzsystems, ist die Situation ähnlich. Die nationalen Aufsichtsorgane waren nicht bereit, Kompetenzen abzugeben und versuchten bis zuletzt, die eigenen Banken zu schonen. Auch hier wurde erst gehandelt, als die Kapitalmärkte den Banken die Unterstützung versagten. Positiver Nebeneffekt: Mit Hilfe der Bankenunion wurden so die Voraussetzungen für ein intaktes System geschaffen.

Es ist nicht erstaunlich, dass die Europäische Zentralbank als einzige Institution in der Krise durch Handlungsfähigkeit überzeugen konnte. Die nationalen Zentralbanken der Euroländer haben bei der Gründung der Währungsunion ihre geldpolitischen Kompetenzen an die EZB abgegeben und so den Weg für Euro-taugliche Entscheidungsprozesse freigemacht. Die EZB war damit das einzige europäische Institut, das während der Eurokrise das Vertrauen der Kapitalmärkte genoss. Sofern sich die EZB diesen Status erhalten kann, könnte dies die Grundlage für einen Euro als Weltwährung sein. Dafür braucht es aber krisenfeste Entscheidungsgremien mit intakten Sanktionsmechanismen bei Fehlverhalten und das bedingt eine weitere Delegation von Kompetenzen an zentrale Einrichtungen analog der EZB. Genau daraus ergibt sich dann die entscheidende Herausforderung: Um die Zentralisierung innerhalb der Euroländer weiter voranzutreiben, sind entsprechende Vertragsänderungen, die von den nationalen Parlamenten aller Mitgliedsländer genehmigt werden müssen, notwendig. Denkt man dieses Szenario einmal weiter, ist die Prognose leicht: Das ist auf absehbare Zeit politisch nur schwer umsetzbar und schließt die Entwicklung des Euros zur Weltwährung vorerst kategorisch aus.”

www.sgkb.de