Urlaub vom Euro

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Manfred Rath

Die skandinavischen Länder bieten sich als Alternative zum Euroraum an.

Skandinavien bietet Berge und Fjorde, schier unendliche, dichte Wälder und unzählige Seen. Das lockt Urlauber aus aller Welt an. Doch auch für private Kapitalanleger sind die Staaten im Norden Europas eine attraktive Region.

Norwegen, Schweden und Dänemark haben nach wie vor ihre eigene Währung und unterscheiden sich in manchen Bereichen von den Euro-Ländern. Eines haben die drei gemeinsam – und doch wieder nicht: Ihre Währungen tragen zwar alle den Namen Krone, haben aber unterschiedliche Wechselkurse und werden sich aufgrund ungleicher Rahmenbedingungen (zum Beispiel Rohstoffvorkommen) auch weiterhin differenziert entwickeln.

Während Dänemark seine Krone in engen Bandbreiten an den Euro gebunden hat und gegen den immer wieder aufkommenden Aufwertungsdruck bisher erfolgreich ankämpft, neigten die anderen beiden Währungen in den vergangenen Jahren eher zur Schwäche. Besonders die norwegische Krone verlor in den beiden zurückliegenden Jahren deutlich gegenüber dem Euro, ausgelöst durch fallende Ölpreise.

Norwegen hat sich seit der Erschließung seiner Öl- und Gasreserven in den 1970er Jahren von einem eher ärmeren Land zu einem der größten Öl- und Gasexporteure der Welt entwickelt. 1990 legte der Staat einen sogenannten Ölfonds auf, der die Überschüsse im Ausland investiert. Pro Jahr darf der Staat maximal vier Prozent des Fondsvolumens für den laufenden Haushalt entnehmen. So soll sichergestellt werden, dass auch zukünftige Generationen noch vom derzeitigen Ölreichtum profitieren und das wirtschaftliche Gefüge des Landes intakt bleibt.

Mit einem Marktwert von rund 830 Milliarden Euro handelt es sich um einen der größten Staatsfonds der Welt. Durch die regelmäßigen Einnahmen aus den Rohstoffen ist der norwegische Staat praktisch schuldenfrei. Norwegen ist nicht Mitglied der EU, nimmt aber am gemeinsamen Binnenmarkt der EU teil. Die Bevölkerung lehnt nach wie vor mehrheitlich einen EU-Beitritt ab.

Anders verhält es sich in Schweden. Ohne Rückenwind durch Rohstoff-Einnahmen hat sich das stark exportorientierte EU-Mitglied weltweit einen guten Ruf als Produzent errungen, dies vor allem in den Branchen Holz und Papier, Fahrzeug- und Elektrotechnik, sowie Informations-, Biotechnik und im Bereich der regenerativen Energien.

Nach einer strukturellen Krise in den 1990er Jahren vollzog das Land eine finanzpolitische Wende, die mit deutlicher Mehrheit von den großen Parteien getragen wurde und zu einer nachhaltigen Stabilisierung der öffentlichen Haushalte führte. Obwohl Schweden zu den wenigen Ländern gehört, die die Kriterien der Eurozone erfüllen, gab und gibt es für die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung keine Mehrheit in der Bevölkerung.

Alle drei Länder erfüllen hinsichtlich ihrer Verschuldung die für die Euro-Staaten geltenden Maastricht-Kriterien und wirken in ihrer Wirtschafts- und Finanzpolitik sehr solide. Merkmale, die durchaus Interesse von Geldanlegern, die etwas über den Tellerrand hinaus blicken, auf sich ziehen sollten.

Auch wenn sich das Zinsgefüge in Skandinavien unserer heimmischen Zinslandschaft sehr angenähert hat, sollte aus Gründen der Diversifikation das eine oder andere Investment in den vorgenannten Währungen durchaus in Erwägung gezogen werden – gemäß dem alten Spruch „Es war noch nie klug, alle Eier in einen Korb zu legen“.

Je nach Risikobereitschaft und Größenordnung des finanziellen Engagements bieten sich Direktinvestments in Aktien und Anleihen, aber auch in diverse Aktien- oder Rentenfonds an.


Autor: Manfred Rath, Portfoliomanager KSW Vermögensverwaltung AG