“Unsere Herausforderung lautet, Relevanz zu erzeugen”

Viele dieser Momente im Leben werden bereits von den großen Technologieplattformen bedient. Wenn man über Ökosysteme im Versicherungsgeschäft liest, ist immer die Rede von den Lebensbereichen Mobilität, Wohnen und Zuhause und Arbeit. Welches werden Ihrer Meinung nach in den kommenden zehn Jahren die wichtigsten Plattformen beziehungsweise Ökosysteme sein?

Josep: „Generell werden die meisten B2C-Dienstleistungen von Technologieplattformen wie Google, Amazon, Apple, Alibaba und so weiter vermittelt werden. Sie gewinnen den Kampf um Relevanz gegenüber den Kunden. Ich sehe allerdings nicht, dass Technologieplattformen Versicherungsunternehmen ersetzen werden, sondern eher, dass sie zu Vertriebskanälen werden. MAPFRE ist zum Beispiel eine Partnerschaft mit Amazon eingegangen, um über diesen Kanal Versicherungen zu vertreiben.

Was den Bereich Mobilität betrifft, scheint mir die Frage zu sein, „Wer macht das Rennen?“ – soll heißen, wer wird der Hauptakteur in diesem Ökosystem? Es gibt ein interessantes Gerangel zwischen den Automobilherstellern, den Technologieplattformen und sogar neuen Plattformen wie Uber, um nur eine zu nennen. Da passieren viele spannende Dinge. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Automobilhersteller – entweder diejenigen, die bereits den Markt beherrschen, oder aber neue – am Ende im Zentrum des Ökosystems stehen werden.
Es gibt aber auch noch andere Ökosysteme, in denen diese grundlegenden Realitäten noch nicht entschieden sind. Daher ist noch nicht klar, wer am Ende die Fäden in der Hand halten wird. Vernetzte Wohnimmobilien und Gesundheit sind Bereiche, in denen diese Frage noch völlig offen ist. Darin liegt eine Bedrohung, aber auch eine Chance. Es hängt ganz davon ab, was Sie machen wollen. Ich denke, die meisten Plattformen zielen darauf, ab Wert von den traditionellen Industrien abzuschöpfen. Aber wenn Sie die Spielregeln dieser neuen Realitäten lernen, können Sie durchaus relevant sein.“

Können Sie sich vorstellen, dass Versicherungsunternehmen in diesen Plattformen oder Ökosystemen eine führende Rolle spielen?

Josep: „In den meisten Fällen werden wir Verbindungsknoten sein. Es wird schwierig sein, unsere eigenen Ökosysteme aufzubauen. Diejenigen, denen das gelungen ist, bilden eher die Ausnahme als die Regel. Wir neigen dazu, uns auf diejenigen zu fixieren, die erfolgreich gewesen sind, und all diejenigen zu übersehen, denen es nicht gelungen ist. Meine Antwort lautet also, dass ich eher nicht daran glaube – was eine gute Nachricht für unsere Shareholder ist.

Dann sagen Sie also, dass Versicherungsunternehmen eher keine eigenen Ökosysteme orchestrieren werden, dass das aber keine Tragödie ist?

Josep: „Genau. Sie können sehr profitabel sein, auch ohne ein eigenes Ökosystem zu betreiben. Wir sollten daher unsere Egos beiseite lassen und versuchen, rationale Entscheidungen zu treffen. Ich denke, wir können in Third-Party-Ökosystemen sehr profitable, relevante Player sein. Das ist unser Ziel. Ich glaube, derzeit ist es unmöglich, nicht an Ökosystemen teilzunehmen, zumindest wenn man nicht auf einen substanziellen Teil des Marktes verzichten will.“

Wenn wir nun einen Blick auf Insurtechs werfen, wie wichtig sind sie im Hinblick auf all die neuen Ideen, Pläne und Konzepte, die Sie vorhaben?

Josep: „Ich glaube, die traditionellen Anbieter brauchen eine Reihe neuer Kompetenzen, um in der digitalen Welt mithalten zu können. Das wird aber auch von den neuen Marktdynamiken vorangetrieben. Ich bin davon überzeugt, dass der vernünftigste Weg, sich diese Kompetenzen anzueignen, Partnerschaften mit einem Insurtech-Ökosystem ist. Zum Erhalt unserer Wettbewerbsfähigkeit müssen wir offene Innovationssysteme entwickeln, die uns ermöglichen, Innovation aus einem Insurtech-Ökosystem zu importieren. Das ist die neue Schlüsselkompetenz für Erfolg. Der Wettbewerb wird auf dem Gebiet der Übernahme von Innovationen stattfinden.

Die zukünftige Relevanz hängt also von den digitalen Fähigkeiten und einer weiteren neuen Kompetenz ab: Partnerschaften zu knüpfen und zu pflegen.

Josep: „Absolut. In der Lage zu sein, Win-win-Modelle zu entwickeln und zu kooperieren. Das ist nicht leicht. Jeder, der ein Insurtech führt oder auf der anderen Seite sitzt, den traditionellen Anbietern, weiß, dass die Zusammenarbeit nicht reibungslos funktioniert. Ich bin aber davon überzeugt, dass diejenigen, denen es gelingt, die Reibungspunkte zu beseitigen, und Partnerschaften zu knüpfen, von denen alle Beteiligten profitieren, am Ende die sein werden, die sich dauerhaft am Markt behaupten.“

Welche Erfolgsfaktoren für eine Kooperation zwischen Insurtechs und traditionellen Versicherern relevant sind, lesen Sie auf Seite 3