Unser täglich Trump gib uns heute

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse Baader Bank / Foto: © Baader Bank

Die USA sind die Weltmacht Nr. 1. Wer aber Weltmacht ist, muss sich auch wie eine Weltmacht aufführen, vor allem weil man Verantwortung für den gesamten Westen trägt. Diese Aufgabe hat kein US-Präsident jemals in Frage gestellt. Niemand? Doch, Donald Trump tut dies. Man hört ja immer wieder, dass er in das Präsidentenamt so hinein gestolpert sei. Zwar genoss er im Vorwahlkampf gerne das vollumfängliche mediale Rampenlicht. Aber tatsächlich Führer der freien Welt werden? Bloß nicht! Sein Wahlerfolg habe ihn selbst negativ überrascht. Ist es da verwunderlich, dass er keine verantwortungsvolle Vision für Amerika, geschweige denn für die westliche Welt hat?

Immerhin glänzt er durch ganz andere „Qualitäten“. Natürlich darf ein US-Präsident seine persönliche Note haben. Ronald Reagan hat das mit seiner Schauspielkunst immer gerne gemacht. Allerdings kannte er seine Grenzen. In der Daily Soap „Unser täglich Trump gib uns heute“ regelmäßig das Großmaul zu geben mag für einen Box-Promoter durchgehen, nicht aber für den mächtigsten Mann der Welt. Berechenbarkeit, Verlässlichkeit, eine ernsthafte Amtsführung, ja und sogar Weisheit sind keine Hol- sondern eine Bringschuld, selbst für einen Trump.

USA = Uncertain States of America?

Seine Planlosigkeit könnte man sicherlich mit Leben füllen. Genügend Personal zur Ausarbeitung von Programmen hat die US-Regierung allemal. Aber wie soll Ruhe in den Washingtoner Polit-Karton kommen, wenn sich das Personenkarussell von Trump schneller dreht als das Düsentriebwerk seiner Air Force One? Wenn es irgendwo in den USA Inflation gibt, dann im Weißen Haus in puncto „You‘re fired“. Damit sind immer weniger gute Leute bereit, für Trump zu arbeiten. Wer aus der amerikanischen Elite lässt sich schon gerne behandeln wie ein Praktikant bei Walmart am ersten Tag? Auf diese schwarzen Flecken im Lebenslauf verzichtet man gerne. Alternativ sehen eher Polit-Glücksritter ohne große Erfahrung ihre Chance unter Trump. Wirklich geheilt wird die Planlosigkeit der Regierung Trump so allerdings nicht wirklich.

Trumps Außenpolitik ist so etwas wie eine Wundertüte: Man weiß nie, was drin ist. Liebt er nun Russland oder hasst er es? Will er China im Nordkorea-Konflikt einbinden oder es lieber öffentlich verbal ohrfeigen? Und jetzt will Trump die USA in Afghanistan mit martialischem Kampfgeschrei doch wieder zur Terrorbekämpfung einsetzen, obwohl Trump im Wahlkampf noch das direkte Gegenteil versprochen hat. Er ist der Wendehals unter allen US-Präsidenten.

Doch kann sich Amerika in einer immer unsicherer werdenden Welt keine Unberechenbarkeiten leisten. So etwas ist vorsätzliches Staatsversagen mit Kollateralschäden für den gesamten Westen. Denn in dieses Führungsvakuum stoßen Russland und China immer mehr vor und sicherlich nicht nur zum Nutzen Europas. Wenn die US-Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.

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