UBS: „Kurzläufer bei Staatsanleihen bevorzugt“

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Die Schuldenkrise sorgt an den Märkten für große Unsicherheit, Staatsanleihen vieler Industriestaaten haben an Qualität eingebüßt. Dr. Detlev Kleis, Anleihenexperte bei UBS Global Asset Management, erläutert im vorliegenden Themendienst, welche Anleihensegmente Anleiheinvestoren in dem gewandelten Umfeld bevorzugen und welche Markterwartungen sie haben.

Frage: Herr Kleis, die Inflationsrate in der Eurozone liegt trotz schwächelnder Konjunktur leicht über zwei Prozent. Wird die Europäische Zentralbank (EZB) reagieren?

Kleis: Wir rechnen vorerst nicht mit weiteren Zinserhöhungen. Die aktuelle Inflationsrate beruht vor allem auf höheren Rohstoffpreisen. Diese dürften aber wegen der schwächeren Wachstumsdynamik nicht weiter steigen. Für 2012 erwarten die EZB-Volkswirte zwischen 1,2 Prozent und 2,2 Prozent Inflation. Der aktuelle Zins von 1,5 Prozent sollte das Wirtschaftswachstum unterstützen.

Frage: Auch China kämpft mit Geldentwertung – wie bewerten Sie die Entwicklung dort?

Kleis: In China scheint die Inflationsrate mit 6,5 Prozent ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Die Wachstumsaussichten für China sind weiter gut, allerdings dürften die Wachstumsraten etwas geringer ausfallen als in den vergangenen Jahren.

Frage: Stichwort Schuldenkrise und Herabstufung: Wo finden Anleger noch interessante Staatsanleihen?

Kleis: Durch die Schuldenkrise hat sich die Qualität vieler Staatsanleihen aus den Industriestaaten verschlechtert. Die Papiere verloren ihre Sicherheitsfunktion und sind entsprechend unattraktiv. Für Emerging-Market-Staatsanleihen sprechen neben den attraktiven Bewertungen auch strukturelle Gründe, wie die im Vergleich zu den Industriestaaten geringeren Staatsschulden und besseren Wachstumsaussichten. Generell erwarte ich mittelfristig wieder ansteigende Renditeniveaus und bevorzuge bei Staatsanleihen eher kurze Laufzeiten.

Frage: Und wie sieht es im Unternehmenssektor aus?

Kleis: Erstklassige Unternehmensanleihen außerhalb des Finanzsektors bieten attraktive Chancen, weil viele Firmen sehr gut aufgestellt sind. Auch hier bevorzuge ich kurze Laufzeiten. Ein Risiko könnte ein starker Anstieg der Renditen bei Staatsanleihen sein. Steigende Gewinne und solide Bilanzen halten die Zahlungsausfälle in Grenzen, so dass auch Hochzinsanleihen gute Chancen bieten. Hier könnte ein Rückfall in die Rezession eine Gefahr sein.

Frage: Auch die großen Währungen stehen unter Druck – wie bewerten Sie die Entwicklung?

Kleis: Ich gehe davon aus, dass die vier Hauptwährungen US-Dollar, Euro, Pfund und Yen im Verhältnis untereinander vorerst das gegenwärtige Niveau halten, da sie unter ähnlichen ungelösten strukturellen Problemen leiden. Mit Blick auf Euro und US-Dollar dürfte die US-Währung in den kommenden Monaten gegenüber dem Euro weiter aufwerten, weil die Krise des Euroraums andauert. Die attraktivsten Währungen sind in Skandinavien zu finden: Bevorzugte Alternativen zum Euro sind die schwedische Krone (SEK) und die norwegische Krone (NOK).

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