Türkei: Kaufen, wenn die Kanonen donnern

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Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions GmbH / Foto: © GVS

Wie attraktiv ist der Einstieg nach dem Putschversuch? Am Freitagabend, den kam es in der Türkei völlig unerwartet zu einem Putschversuch durch Teile des Militärs. Doch nach nur wenigen Stunden hatte die türkische Regierung die Lage wieder unter Kontrolle.

Nach bisherigen Erkenntnissen gab es zwei Hauptgründe für das Scheitern des Umsturzversuchs. Die Militärführung stand weder geschlossen noch mehrheitlich hinter den Umsturzplänen, und der Geheimdienst hatte offenbar Wind von der Aktion bekommen, weshalb diese um mehrere Stunden vorverlegt wurde. Wäre der Umsturz erfolgreich gewesen, dann wäre es schon der vierte Militärputsch in der Geschichte der 1923 gegründeten Republik Türkei gewesen. Doch was bedeuten die Turbulenzen für Investoren und Anleger? Sollte man getreu dem Börsenmotto „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ handeln? Am späten Freitagabend brachen die Kurse an den türkischen Börsen kräftig ein und die türkische Lira verlor dramatisch an Wert. Am Wochenende versuchte die türkische Regierung aber bereits die Investoren zu beruhigen. So teilte auch die türkische Notenbank am Sonntag mit, dass sie alles Nötige tun werde, um die Finanzstabilität zu gewährleisten. Geschäftsbanken erhielten unbegrenzten Zugang zur Liquiditätsversorgung. Bei Börseneröffnung am Montag, zeigten sich sowohl die Aktienmärkte verunsichert. Der türkische Index ISE 30 verlor zeitweise fünf Prozent. Aktuell sprechen in der Tat zahlreiche Faktoren gegen ein Investment in der Türkei. Die erhöhte Unsicherheit zur weiteren Entwicklung ist nach dem missglückten Putsch weiterhin vorhanden. Die mögliche Wiedereinführung der Todesstrafe würde die EU-Beitrittsverhandlung stoppen, da die EU nicht bereit ist, ein Land, welches die Todesstrafe Teil der Gesetzgebung ist, aufzunehmen. Darüber hinaus läuft die türkische Wirtschaft seit längerem nicht mehr so rund wie in früheren Jahren. Aktuell liegt das Wirtschaftswachstum bei „nur“ 1,6 Prozent. Banken kämpfen zunehmend mit faulen Krediten. Wegen der angespannten Sicherheitslage weichen viele Touristen zudem auf andere Ziele aus. Somit ist die sonst so starke Tourismusbranche deutlich geschwächt. Die Ereignisse der letzten Tage dürften diesen Trend noch verstärken.

Eine Kommentar von Guido vom Schemm, Geschäftsführer, GVS Financial Solutions GmbH  

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