Trumps Sieg hat weltweite Folgen

Axel D. Angermann, Chefsvolkswirt der FERI Gruppe / Foto: © FERI

Für Axel D. Angermann, Chefvolkswirt der FERI Gruppe, erhöht der Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen die Wahrscheinlichkeit für eine höhere Inflation. Zudem sei die Fortsetzung de Globalisierung ungewiss und besonders Europa werde von den Folgen betroffen sein.

Protektionismus statt Freihandel, auf diese Formel lässt sich der Sieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen aus weltwirtschaftlicher Sicht bringen. Auch in der Geldpolitik ist zu erwarten, dass Trump neue Akzente setzt. Er spricht sich für eine deutliche Erhöhung der Staatsausgaben und deren Finanzierung durch die Notenbank aus. „Die wirtschaftspolitischen Absichten Trumps zielen eindeutig auf höhere Inflation. Dies birgt zahlreiche Risiken für die globale Wirtschaft, ganz besonders jedoch für Europa“ sagte Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der FERI Gruppe, gestern auf dem 29. FERI-Konjunktursymposium in Bad Homburg.
In den kommenden Monaten werde die US-Notenbank weiter in den Fokus rücken: „Die FED wird wohl bei ihrem angekündigten Zinsschritt im Dezember bleiben, schon allein um ihre Unabhängigkeit zu demonstrieren. Es gibt für sie auch wirtschaftlich keine Gründe, auf einen Zinsschritt zu verzichten“, so Angermann weiter. Mit dem für viele überraschenden Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen verstärke sich ein Trend, der sich bereits mit dem Brexit und den Erfolgen populistischer Parteien in Europa angekündigt hatte: Das nationale Wohl solle an erster Stelle stehen. Donald Trump hat wiederholt angekündigt, dass er Freihandelsabkommen aufkündigen und Schutzzölle gegen China und Mexiko verhängen würde. Zumindest letzteres könne er als Präsident im Alleingang entscheiden und so quasi über Nacht der Welthandelsordnung einen vielleicht entscheidenden Schlag versetzen.
Schutzzölle hätten höhere Importpreise und damit ansteigende Inflationsraten zur Folge. Daraus könnte sich eine schnellere Abfolge weiterer Zinserhöhungen seitens der Fed ergeben, als derzeit allgemein erwartet wird. Damit gerate allerdings die EZB in eine extrem schwierige Lage, weil sie angesichts höherer Inflationserwartungen theoretisch nachziehen und die Zinsen ebenfalls erhöhen müsste. Wegen der schwachen Wirtschaft in Europa und der nach wie vor hohen Staatsverschuldung sei sie dazu aber nicht in der Lage.

Europa ist gefordert

FERI Chef-Volkswirt Angermann sieht die europäischen Institutionen in dieser schwierigen Lage in der Verantwortung. Es sei nun wichtiger denn je, dass die Weiterentwicklung der Europäischen Union gelinge. „Wer meint, der Brexit sei ein Glücksfall für Europa, weil man nun ohne die eigensinnigen Briten schnellere Einigungen erzielen könne, irrt. Im Gegenteil bedeutet er für die EU eine existenzielle Herausforderung.“ Die Krise der EU beruhe primär darauf, dass wesentliche Gemeinschaftsregeln an einer schwieriger gewordenen Lage zerbrochen seien. Angesichts dessen müsse schnell ein Konsens darüber gefunden werden, wie die Kompetenzen zwischen den Nationalstaaten einerseits und der Europäischen Union andererseits zu verteilen seien. Die Zeit des Vertrauens auf die EZB als alleinige Retterin gehe nun definitiv zu Ende. Die EZB allein schaffe es nicht, die Wirtschaft in den Ländern Europas auf einen positiven Pfad zurückzuführen. Dafür seien zwingend Strukturreformen notwendig, die sich aber nicht primär auf die Sanierung der Staatshaushalte beschränken dürften. Wenn ein Land wie Italien seine politischen Entscheidungsmechanismen reformiere, Bürokratieabbau betreibe, die Infrastruktur verbessere und mehr Investitionen in Bildung vornehme, sei das für die Zukunft des Landes und der EU zielorientiert, auch wenn dies für eine gewisse Zeit mit einem anhaltenden Staatsdefizit einhergehe.

Auf dem traditionellen FERI-Konjunktursymposium, das am 10. November zum 29. Mal stattfand, stellten die FERI-Experten ihre Analysen und Prognosen zur Entwicklung der Weltwirtschaft vor. Schwerpunkte waren dieses Mal die Frage, welche Folgen Ereignisse wie der Brexit und die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA für die Globalisierung haben.

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