Trump als Crash-Kandidat

Michael Beck, Leiter Asset Management bei Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG

Die Aktienmärkte haben sich entschieden. Jeder Prozentpunkt, den Donald Trump in Umfragen zur in wenigen Tagen stattfindenden US-Präsidentschaftswahl gegenüber Hillary Clinton aufholt, belastet die Kursentwicklung der internationalen Aktienmärkte. Wenn es sich nicht um so eine wichtige Entscheidung wie die Präsidentschaft des mächtigsten Staates der Erde handelte, könnte man diesem Treiben amüsiert bis fasziniert folgen. Es ist schier unglaublich, welche Wendungen dieser Wahlkampf zeigt. Kurz vor Ende greift die amerikanische FBI-Behörde in das Geschehen ein und wärmt die eigentlich abgeschlossene E-Mail-Untersuchung gegen Clinton wieder auf, was den komfortablen Vorsprung nach den drei verlorenen TV-Duellen und verbalen Entgleisungen Trumps wieder schmelzen lässt. Ein skurriles Wahlkampfvideo warnt vor dem (bereits!) islamisierten Deutschland und man mag sich nicht vorstellen, wie eine Präsidentschaft Donald Trumps verlaufen könnte. Zumindest stellt dieser beispiellose US-Wahlkampf wieder ein Beispiel dar, wie Populismus mit unklarer Faktentreue und persönlichen Angriffen jenseits moralischer Anstandsgrenzen Wählerstimmen zu mobilisieren vermag. Aber es ist auch ein Anzeichen dafür, dass die Entfremdung der Politik von den Stimmungen und Bedürfnissen breiter Wählerschichten ein Maximum erreicht hat. Eine Anpassung des Wahlsystems bzw. der Kandidaten-Auswahl in den USA dürfte angezeigt sein. Denn wer nicht mehrfacher Millionär ist oder große Konzerne hinter sich weiß, die die Unsummen finanzieren, die ein monatelanger Wahlkampf verschlingt, hat keinerlei Chance. Auch dass in einem 350-Millionen-Volk relevante politische Führungspositionen immer wieder innerhalb weniger Familien verteilt werden, erstaunt etwas und erklärt neben den wirtschaftlichen Problemen den Unmut vieler Wählergruppen.

Die Meldung eines US-Fernsehsenders, dass Trump einen Prozentpunkt vor seiner Konkurrentin liegt, sorgte gestern für eine veritable Korrektur an den Weltmärkten. Und dies trotz der Tatsache, dass der Einkaufsmanagerindex der chinesischen Industrie ein Zweijahreshoch markieren konnte und somit latente Befürchtungen eines chinesischen Konjunktureinbruches zerstreuen konnte.

Meist haben politische Börsen jedoch kurze Beine und Kursrückgänge im Vorfeld oder Nachgang der US-Präsidentschaftswahl könnten daher attraktive Kaufgelegenheiten darstellen.

Kolumne von Michael Beck, Leiter Asset Management Ellwanger & Geiger