Trotz Preissteigerungen keine Blase

Auch wenn in Deutschland die Immobilienpreise steigen - eine Blase ist nicht in Sicht / Foto: © Aamon-fotolia.com

In Berlin steigen die Immobilienpreise unaufhörlich an, in Hamburg scheint langsam das Ende der Fahnenstange erreicht. In Dresden und Hannover bleiben die Preise hingegen relativ konstant. Das sind die wesentlichen Erkenntnisse des Dr. Klein Trendindikator Immobilienpreise (DTI): Region Nord/Ost 2. Quartal 2017. Von einer Immobilienblase ist Deutschland aber weit entfernt.

In Hamburg werden deutlich mehr Immobilien nachgefragt, als vorhanden sind. Eine erfreuliche Situation für Verkäufer. Besonders Makler machen sich die Situation zu Nutze und treiben die Preise mit Bieterverfahren immer weiter in die Höhe. Jedoch müssen sie aufpassen, dass sie dabei nicht zu hoch pokern. „Wir merken allerdings, dass viele Kunden diesen Preis-Wettkampf nicht mehr uneingeschränkt mitmachen“, erklärt Frank Lösche, Spezialist für Baufinanzierung bei Dr. Klein. „Wenn ihnen ein Kaufpreis zu hoch erscheint, entscheiden sie sich im Zweifel gegen die Immobilie – und das ist meines Erachtens gut so.“

Die gebremste Dynamik auf dem Hamburger Immobilienmarkt wird auch empirisch bestätigt. So sind im zweiten Quartal dieses Jahres die Immobilienpreise in der Hansestadt weiter weiter gestiegen, jedoch deutlich geringer als im letzten Halbjahr. Der Indexwert, der unter anderem Detaildaten zur Immobilie und dem Grundstück selbst sowie ihrer Lage umfasst, legt um 1,45 % zu. Wohnungskäufer zahlen aktuell einen Medianpreis von 3.561 €/m². Einen etwas deutlicheren Anstieg gab es bei den durchschnittlichen Kosten für Ein- und Zweifamilienhäuser, die um 2,69 % stiegen. „In Hamburg ist das Ende der Fahnenstange langsam erreicht“, meint Lösche. „Für uns ist aber die Schnelligkeit der Immobilienvergabe nach wie vor eine Herausforderung. Innerhalb weniger Tage muss ein Finanzierungsvorschlag vorliegen, sonst vergeben Makler die Immobilie an einen der vielen weiteren Interessenten. Angebote von Banken mit längeren Bearbeitungszeiten können wir so oft nicht berücksichtigen.“

Die verlangsamte Preisdynamik kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass an der Elbe nach wie vor eine enorme Preisspanne vorhanden ist. So müssen in der teuersten Lage fast 11.000 €/m² mehr bezahlt werden, als in der günstigsten- so viel wie in keiner anderen deutschen Metropolregion. „Lage ist in Hamburg alles“, so Lösche. „Zwischen den Preisen in der Hafen City und in Billstedt liegen Welten.“

Moderate Preissteigerung in Hannover

Eine ebenfalls verlangsamte Preisdynamik ist in Hannover festzustellen. So zahlen Hauskäufer in der niedersächsischen Landeshauptstadt mit 1.977 €/m² nur unwesentlich mehr als in den Vorquartalen. Auch wenn sich der Index um lediglich 1 % erhöhte, hat er im Vergleich zum Vorjahresquartal schon um 14,6 % zugelegt. Eine ähnliche Entwicklung ist auf dem Wohnungsmarkt festzustellen, wo sich der Index um 2,41 % gegenüber dem Vorquartal und fast 12 % gegenüber dem Vorjahresquartal erhöhte.

In Berlin gehen die Preise durch die Decke

Die Bundeshauptstadt gewinnt jährlich zehntausende neue Einwohner hinzu. Diese Entwicklung hat auch Folgen für den Wohnungsmarkt, wo die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt. Damit sind dann auch enorme Preissteigerungen verbunden, wie die Quartalsdaten von Dr. Klein zeigen. So sind im zweiten Quartal 2017 Wohnungen um ca. 7 % teurer als im ersten Quartal. Gegenüber dem Vorjahr liegen die Preise sogar fast 18 % höher. Mit einem gemittelten Kaufpreis von 3.423 €/m² liegt Berlin beinahe auf Hamburger Niveau. Deutlich günstiger ist hingegen der Hauskauf mit im Schnitt 2.308 €/m². Allerdings sollten Interessenten auch hier sehr genau auf die Lage achten: Der teuerste Preis (10.527 €/m²) ist ca. 20 Mal so hoch wie der günstigste (547 €/m²).

Preisrückgang in Dresden

Ganz anders verhält sich die Situation in Dresden, wo die Häuserpreise im Vergleich zum Vorquartal um 0,14 % gesunken sind und nun im Median bei 2.083 €/m² liegen. Mit einer Preissteigerung von 4,5 % sind Häuser im Vergleich zum Vorjahr relativ wenig teurer geworden. Die Kosten für Wohnungen sind in den letzten beiden Jahren fünf Mal leicht gesunken, so auch im ersten Quartal. Der Trend wurde allerdings im zweiten Quartal 2017 wieder umgekehrt, als die Preise um 5 % stiegen, so stark wie noch nie zuvor. Im Schnitt sind in Dresden für eine Wohnung 2.142 €/m² fällig. (ahu)

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