„Trotz mancher Schwierigkeit gibt es keinen Grund, schwarz zu sehen“

Uwe Burkert, Chefvolkswirt LBBW / Foto: © LBBW

Handelsstreit, Populismus, eine mögliche Immobilienblase: Diese Schlagworte verunsichern Anleger. Dennoch blickt die LBBW insgesamt optimistisch in die Zukunft. Oftmals bewahrheite sich die Redensart, dass es nie so heiß gegessen wie gekocht wird.

Anhaltende Unwägbarkeiten für den Welthandel und politische Risiken lassen das Research der LBBW die Anfang des Jahres getätigte Konjunkturprognose für das zweite Halbjahr dieses Jahres nach unten korrigieren. „Wir senken die Prognose für Deutschland von 2,3 % auf 1,9 %“, erläuterte Chefvolkswirt Uwe Burkert bei der Vorstellung des Konjunkturmarktausblicks gestern Morgen in Frankfurt. Auch die Wachstumsprognosen für die Eurozone wurde gesenkt: Nachdem Anfang des Jahres noch davon ausgegangen wurde, dass die Eurozone im zweiten Halbjahr um 2,3 % wachsen wird, gehen die Analysten nun von einem Wachstum von 2 % aus, für das nächste Jahr wird ebenfalls mit einem Wachstum von 2 % gerechnet, ursprünglich war von 2,2 % ausgegangen worden. Als Grund für die Korrektur der Wachstumsprognosen gibt die LBBW eine Reihe von enttäuschenden internationalen Konjunkturaussichten an. In Deutschland würden zudem die Erwartungen häufig unter der tatsächlichen Lage liegen, sodass aufgrund der zu pessimistischen Zukunftserwartungen viele Investitionen ausbleiben würden.

Keine Anzeichen für Rezession – aber auch kein Boom

Trotz der gesunkenen Wachstumsprognosen sind die LBBW-Analysten weiterhin optimistisch und gehen nicht davon aus, dass es zu einem Abschwung oder gar einer Rezession kommt. Jedoch würden die steigenden politischen Unsicherheiten zu einer Zurückhaltung führen, die das Ende des jahrelangen Booms einleite. Laut Uwe Burkert sorgt dafür besonders die politische Lage. „Nachdem die Märkte im ersten Halbjahr bereits mit Inflations- und Zinssorgen zu kämpfen hatten, mit einem von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelsstreit und mit der schwierigen Regierungsbildung in Italien, dürften die politischen Risiken im zweiten Halbjahr nicht weniger werden.“ Besonders die Lage südlich der Alpen macht den Investoren zu schaffen. So bezeichnet die LBBW Italien als das „neue alte Sorgenkind der EU“. So wolle die Koalition aus 5-Sterne-Bewegung und Lega u.a. zwar die Rentenreform von 2011 zurücknehmen, 780 Euro Grundeinkommen einführen, eine „Flat Tax“ auf Unternehmensgewinne schaffen und nur noch mit zwei Steuersätzen für Privatpersonen auskommen. Uwe Burkert verweist angesichts dieser radikalen Ideen aber darauf, dass bekanntlich nie so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird: „Die Regierung wird ihr Programm nicht eins zu eins umsetzen. Die Koalition wird am Ende von Seiten des Marktes zur Realpolitik gezwungen.“ Wenn die Regierung ihr Programm tatsächlich vollständig in die Tat umsetzt, könnte die italienische Staatschuldenquote, die aktuell mit 130 % bereits die sechsthöchste der Welt, dramatisch ansteigen und im Jahr 2028 bei über 240 % liegen.

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