Triumph der Mittelmäßigkeit!

Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH / Foto: © CREDO Vermögensmanagement GmbH

In den letzten Jahren sind Indexfonds in der Anlegergunst deutlich gestiegen. Inzwischen sind rund 4.000 Mrd. USD in ETF angelegt. Sind sie eine geniale Erfindung oder brandgefährlich? Eine Diskussion, die nicht nur von Dr. Bert Flossbach (Flossbach von Storch) und Erik Podzuweit (Scalable Capital) geführt wird, sondern alle Marktteilnehmer betrifft. Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH, bezieht Stellung.

Als Vermögensverwalter hilft mir ein fundamentaler Richtungsstreit in meiner täglichen Arbeit nicht weiter. Viel spannender finde ich, wie die ETF die Branche verändert haben und wie es zu einem Umdenken innerhalb der Fondsindustrie gekommen ist. Der Ausgangspunkt ist, dass viele aktiv gemanagten Fonds die Erwartungen ihrer Anleger nicht erfüllt haben. Die Investoren waren enttäuscht von den Ergebnissen und unzufrieden mit den hohen Kosten. Sie haben reagiert und zu einer preiswerten Alternative gegriffen. Schließlich sind ETF einfach und kostengünstig. Sie wirken wie ein Brennglas und legen den Finger in die Wunde. Im direkten Vergleich mit dem ETF erkennen Anleger plötzlich Qualitätsunterschiede und handeln entsprechend.

Indexfonds sind jedoch kein Allheilmittel. Sie können gravierende Nachteile haben. Darauf hat die Fondsindustrie reagiert: Neben den klassischen ETF, die die gängigen nach Marktkapitalisierung gewichteten Indices nachbilden, werden immer mehr Smart Beta ETF angeboten, die versuchen, das Beste aus beiden Welten zu vereinen. Smart Beta ETF wollen den Markt schlagen – entweder mehr Ertrag erzielen oder weniger Risiko eingehen als ihr Vergleichsindex. Ob die neuen Strategien funktionieren werden, muss sich erst noch zeigen. Voraussetzung dafür ist, dass die Märkte sich künftig ebenso so verhalten wie in der Vergangenheit. Dies darf bezweifelt werden, weil die Bewertungsunterschiede durch das Anlegerverhalten schrittweise verschwinden werden. Der wesentliche Unterschied zum aktiv gemanagten Fonds besteht meines Erachtens darin, dass der Smart Beta ETF einen Index abbildet, ihn jedoch mit anderen Formeln umformt und zu einer anderen Index-Zusammensetzung kommt. Auf diese Weise sollen die Schwächen der Gewichtung nach Marktkapitalisierung vermieden werden.

Der aktive Fondsmanager hingegen sucht attraktive Einzelwerte nach bestimmten Kriterien, die er für erfolgversprechend hält. Für diese Leistung bekommt er eine Managementvergütung, die in der Regel höher als beim ETF ist. Allerdings kommt Bewegung in die Branche: Die Neuregelungen ab dem 1. Januar 2018 bringen mehr Transparenz. Die Kosten werden vollständig offengelegt und die Margen sinken.

Für uns als Investoren ist diese Entwicklung ein Gewinn: „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt der Volksmund. Dies trifft aus meiner Sicht voll zu! Die Anbieter strengen sich stärker an und senken ihre Kosten. Das ist die gute Nachricht. Wir als Anleger müssen herausfinden, welche Fonds ihr Geld wert sind und wo es sich lohnt zu investieren. Diese Entscheidungen nehmen uns die ETF nicht ab!