Trendwende bei Bauzinsen?

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Es ist eine sehr seltene Meldungen in den letzten Jahren: Die Zinsen sind gestiegen. Zumindest für Immobiliendarlehen gilt das. Was bedeutet das für die Zukunft?

Aktuell können Baufinanzierer Darlehen mit einer zehnjährigen Zinsbindung zu Konditionen um 0,8 % aufnehmen, 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte mehr als das Allzeittief Anfang März. Das ergibt eine Auswertung von Interhyp. „Vorerst sehen wir uns vielen Unsicherheiten gegenüber. Auf die Baufinanzierung bezogen bedeutet das, dass Schwankungen bei den Zinsen zugenommen haben und zuletzt ein Anstieg zu verzeichnen war. Die Volatilität wird uns wohl auch weiter begleiten“, erläutert Mirjam Mohr. „Einerseits haben die nun erwarteten Kosten durch die Hilfsprogramme zu leicht ansteigenden Renditen bei Staatsanleihen geführt, welche als ein Maß für die Refinanzierungsbedingungen der Banken gelten. Andererseits setzen die Notenbanken ihre Niedrigzinspolitik fort und setzen auf Anleihekäufe“, erläutert die Vorständig für das Privatkundengeschäft bei Interhyp, die für die Zukunft aber keinen starken Zinsanstieg erwartet.  „Wir sehen auf Halbjahres- oder Jahressicht weiterhin leistbare Finanzierungen.“ Diese Einschätzung wird auch durch das Interhyp-Trendbarometer gestützt. In der monatlichen Umfrage unter zehn deutschen Kreditinstituten erwartet die Mehrheit der Experten in den nächsten Monaten und auf Jahressicht eine Seitwärtsbewegung. Einige sehen bis Jahresende eine leichte Steigerung. Dass die Zinsen auf Jahressicht sinken werden, erwartet keiner der befragten Experten.

Die Antworten der Experten stehen alle unter dem Eindruck der Corona-Krise. So gehen viele Analysten von Konjunktureinbrüchen und einer wirtschaftlichen Rezession aus. Außerdem sei durch die Hilfsprogramme ein enormer Finanzierungsbedarf für die Staaten entstanden, was die Renditen nach Einschätzung einiger Experten zunächst ansteigen ließ. Zugleich setzten die Notenbanken mit erhöhten Anleihekäufen alles daran, die Wirtschaft zu stützen. Die Mehrheit der Experten schlussfolgert, dass die Geldpolitik die Kapitalmarktrenditen letztendlich auf einem im Vergleich mit der Historie immer noch niedrigen Niveau halten wird.

Mirjam Mohr rät Immobilieninteressenten mit Finanzierungsbedarf, die Entscheidung für den Kauf nicht von den tagesaktuellen Wirtschaftsnachrichten abhängig zu machen: „Eine Immobilienfinanzierung dauert oftmals zwei Jahrzehnte oder länger. Wir raten zur Besonnenheit bei einer so weitreichenden Investitionsentscheidung. Je extremer kurz- und mittelfristige Schwankungen an den Märkten sind, desto bedeutungsvoller wird der langfristige Blick.“ (ahu)