Transformation ist nichts für Feiglinge

Kai Anderson, Vorstand Promerit AG / Foto: © Promerit AG

“Nichts ist von der Vorbereitung her zweifelhafter und von der Durchführung her gefährlicher als der Wille, sich zum Neuerer aufzuschwingen. Denn wer dies tut, hat die Nutznießer des alten Zustandes zu Feinden, während er in den möglichen Nutznießern des neuen Zustands nur lasche Verteidiger hat.” (Niccolo Machiavelli)

Kann man heute eigentlich noch Machiavelli zitieren? In Zeiten, in denen wir alle so kooperativ sind, nur noch Kollegen und keine Chefs mehr haben, in denen die Krawatten traurig in den Kleiderschränken verkümmern?

Kann man, wenn es so treffend formuliert ist. Denn es gibt einige grundsätzliche Aspekte menschlichen Handelns, die wir nicht mal eben über Bord werfen können. Dazu gehört der Umgang mit Erneuerung, wenn wir mal ehrlich sind. Hier soll nicht die Rede sein von Veränderung, die in kleinen Schritten daher kommt. Mit der wir uns schon irgendwie anfreunden können. Die sich gar nicht so schlecht anfühlt, wenn wir jetzt alle per Du sind und die Turnschuhe zur Arbeit anziehen können. Wenn wir Zeit dafür bekommen, in gemischten Teams darüber nachzudenken, wie wir näher am Kunden sein können (als ob wir den früher ignoriert hätten).

Lassen Sie uns von echter Erneuerung reden. Von dem was Schumpeter als ‚schöpferische Zerstörung‘ bezeichnet. Zwar benutzt er den Terminus im makroökonomischen Kontext, aber wenn wir seiner Idee folgen und in unsere Unternehmensrealität übersetzen, landen wir schnell dort, wo es weh tut. Wo alte Zöpfe abgeschnitten werden und Platz gemacht wir für Neues.

Das passiert im großen Stil, wenn Geschäftsmodelle geändert werden und wird heute gerne als Disruption bezeichnet. Die Abkehr von der klassischen Zigarette ist für Philip Morris eine schöpferische Zerstörung, auf deren Ausgang wir gespannt sein dürfen. Im Kunststoff-Geschäft lagen die Ursprünge von Bayer. Der Verkauf als Börsengang von Covestro hat Platz gemacht für Neues – was in Form von Monsanto hohe Chance und ebensolche Risiken mit sich gebracht hat.

Es geht aber auch kleiner, tatsächlich ist Erneuerung nicht zwangsläufig Disruption. Wenn die Firma Zumtobel heute nicht mehr nur Lampen verkauft, sondern ganze Orte beleuchtet, mit WLan versorgt und dafür Gebühren erhebt, kommt das eher leise daher.

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