Trader rechnen mit Gold-Comeback

Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG / Foto: © Martina Draper

Die Inflation war in den vergangenen Jahren nie ein großes Thema in den Industriestaaten. Doch das könnte sich 2018 ändern. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Trader-Umfrage der Online-Plattform wikifolio.com.

Über 80 Prozent der wikifolio-Trader rechnen für das laufende Jahr mit einem Anstieg der Teuerungsrate. Das deckt sich mit den Erwartungen vieler Volkswirte und der amerikanischen Notenbank. Deren Mitglieder gehen davon aus, dass sich die US-Inflation in diesem Jahr nach oben bewegt und mittelfristig bei dem angepeilten Ziel von zwei Prozent stabilisiert. Ein Szenario, das an den Kapitalmärkten vor allem dem Goldpreis zu Gute kommen könnte. Das Edelmetall ist unter Anlegern traditionell als Inflationsschutz gefragt.

Schwacher US-Dollar beflügelt Gold-Nachfrage

Der Goldpreis hat sich schon in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich gut entwickelt. Seit Mitte Dezember ist die Feinunze um fast 10 Prozent von 1.240 US-Dollar bis auf über 1.360 US-Dollar gestiegen. wikifolio-Trader Andre Biegisch nennt gleich drei Gründe für die imposante Rally: „August bis Februar gilt allgemein als starker Zeitraum für Gold. Daneben haben aus meiner Sicht insbesondere der Schwächeanfall des Dollar und höhere Inflationserwartungen zum Preisanstieg geführt.“

Schon in der Vergangenheit war eine im Wert nachgebende US-Währung meist ein guter Nährboden für steigende Goldnotierungen. Das in Dollar gehandelte Edelmetall wird dadurch für Anleger in anderen Währungsräumen rechnerisch günstiger. Das kann die Nachfrage entsprechend beflügeln. Auch deshalb haben sich der Goldpreis und der Euro/Dollar-Kurs historisch betrachtet oftmals tendenziell in dieselbe Richtung bewegt. Für hierzulande agierende Anleger kann es daher sinnvoll sein, bei Gold-Investments auf Produkte zu setzen, bei denen Währungseinflüsse eliminiert werden.

Fluchtwährung und sicherer Hafen

Da Gold bei Börsianern zudem als „sicherer Hafen“ gilt, könnte das Edelmetall in den kommenden Monaten von möglichen Turbulenzen an den Aktien- und / oder Anleihemärkten profitieren. Nach dem doch sehr ruhig verlaufenen Vorjahr gehen fast alle Marktteilnehmer davon aus, dass die Volatilität an den Märkten 2018 deutlich ansteigen könnte.

Die Mehrheit der wikifolio-Trader rechnet mit einer moderaten Aufwärtstendenz bis maximal 1.400 Dollar. Ein Niveau, welches das Edelmetall nach den ersten Wochen schon fast erreicht hat. Immerhin jeder Fünfte kann sich sogar höhere Notierungen vorstellen. So zum Beispiel Trader Christian Scheid, der seine Einschätzung wie folgt begründet: „Ein Teil des Geldes, das derzeit in Kryptowährungen fließt, wird in Gold gehen, sobald es bei Bitcoins & Co. zu ersten größeren Rückschlägen kommt. Gold wird als Fluchtwährung wiederentdeckt.“

Mögliche Bodenbildung im Chart

Andre Biegisch wiederum setzt vor allem darauf, dass Rohstoffe als Anlageklasse bislang kaum jemand richtig auf dem Radar hat: „Gold scheint ja dieses Jahr der Underdog zu sein, mit dem (fast) niemand rechnet. Die Überraschung könnte tatsächlich auf der Oberseite erfolgen.“

Unterstützung könnte dabei auch von Seiten der Charttechnik kommen, wie sein Trader-Kollege Hannes Zipfel anmerkt: „Gelingt in Kürze der Ausbruch über die 1.400 US-Dollar-Marke, ist die Bodenbildungsphase abgeschlossen und der Markt für Investoren und Spekulanten wieder hochattraktiv. Das sollte zusätzliches Momentum in die Kursentwicklung bringen.“

In der Kombination aus einer anhaltend sinkenden Goldproduktion und einem steigenden Sicherheitsbedürfnis vieler Investoren sieht Zipfel einen weiteren potenziellen Preistreiber. Es gibt also mehrere Faktoren, die nach der  langen Durststrecke für ein Comeback des Edelmetalls sprechen.

Kolumne von Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG