Threadneedle: Kein Ausverkauf auf den Rohstoffmärkten wie 2008

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Nicolas Robin, Ko-Manager des Threadneedle Enhanced Commodities Fund, äußert sich zu den Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten wie folgt:

(fw/ah) “Die Rohstoffmärkte haben in der vergangenen Woche sehr schwach abgeschlossen. Auslöser war der Abbau von Long-Positionen in Silber in den vergangenen zehn Tagen. Einige Marktteilnehmer denken, dass die aktuelle Entwicklung eine Wiederholung des Ausverkaufs an den Rohstoffmärkten in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 ist. Wir glauben hingehen, dass diese Befürchtungen übertrieben sind und die aktuelle Kurskorrektur eine gute Einstiegsmöglichkeit in die Rohstoffmärkte darstellt.

Warum wir keine Wiederholung von 2008 erleben

2008 hatten wir eine Kreditkrise. Es war der Mangel an Krediten, der im zweiten Halbjahr 2008 den Handel an den Rohstoffmärkten unterbrach und zu einem massiven Ausverkauf führte. Im ersten Teil der Krise (Ende 2007) hatten wir eine Rally an den Rohstoffmärkten, obwohl bereits die Basismetalle als erste nach unten drehten. Verschärft wurde die Situation durch einige sehr große und exotische Handelsgeschäfte, die sich für einige Marktteilnehmer als sehr toxisch erwiesen (Beispielsweise hatten Airlines Long-Positionen in Rohöl dadurch finanziert, dass sie drei bis viermal höhere Beitrag Short-Positionen in Puts mit niedrigen Strike Preisen aufgebaut hatten. Diese liefen ins Geld, als der Ausverkauf an den Märkten begann). Zurzeit sind solche Trades an den Rohstoffmärkten nicht zu beobachten. Die Preisrally im Energiesektor seit Beginn des Jahres hatte fundamentale Gründe.

Aktuelle Positionierung des Fonds

Wir haben zurzeit den Energiesektor leicht übergewichtet: Dabei sind wir besonders für US Benzin und Heizöl positiv eingestellt, während wir US Erdgas deutlich untergewichten. Wir sind bei Getreide und Soft Commodities leicht untergewichtet. Wir haben unsere Übergewichtung bei Kupfer zurückgefahren und übergewichten Nickel, während wir bei Aluminium und Zink unter der Benchmark liegen.

Dass wir unsere Übergewichtung im Energiesektor beibehalten, hat vier Gründe:

a) Die Rally bei Rohöl wurde durch einen realen Angebotsstörung aus Libyen ausgelöst. Wir glauben, dass diese Störung anhalten wird. Kein Ausgang des Konflikts wird dieses Störung beseitigen. Ein Sieg Gaddafis würde zu einem Ölembargo führen, während bei einem Sieg der Rebellen weitere Zerstörungen der Ölinfrastruktur und politische Instabilität die Folge wären.

b) Die politischen Führer im Nahen Osten haben ihre Bevölkerung mit zusätzlichen sozialen Leistungen “bestochen”, als sich die Revolutionswelle im ersten Quartal dieses Jahres auszubreiten begann. Dies gilt insbesondere für Saudi Arabien, das einen Ölpreis im mittleren Bereich der 80 Dollar Marke benötigt, um sein Budget auszugleichen. Da dort nach wie vor politische Risiken bestehen, hat dies den Mindestpreis für Öl nach oben getrieben.

c) Das Erdbeben in Japan und seine Auswirkung auf die Nuklear Industrie haben eine langfristige Auswirkung auf die Ölnachfrage. Wir glauben, dass Japan seine Ölnachfrage mindestens um 500kbd steigern wird.

d) Die Benzinnachfrage in den USA ist nach wie vor sehr stark, während es Probleme mit einigen Raffinerien und Pipelines von der Golfküste sowie Transportstörungen durch Überflutungen gibt.

Zur Situation am Silbermarkt

Silber war der einzige Rohstoff, der seit Beginn des Marktes Zeichen einer Überhitzung zeigte. Das technische Bild bei Silber war sehr stark und hat die Überhitzung weiter befördert. Wir konnten dieses Entwicklung nutzen, indem wir Silber lange Zeit übergewichtet hatten und diese Übergewichtung seit April graduell reduziert haben und sie zu Beginn der letzten Woche komplett abgebaut haben. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass der Silbermarkt sehr klein ist und Entwicklungen auf dem Silbermarkt nicht auf andere Rohstoffmärkte übertragen werden sollten.

Über die Bedeutung von Liquiditätsströmen

Beim Managen unseres Portfolios achten wir sehr stark auf die Liquiditätsentwicklung an den Märkten und reduzieren konsequent unser Exposure in Märkten, in denen unserer Ansicht nach zu viel Spekulation herrscht. Deshalb haben wir im April unsere Silberpositionen reduziert und sind im Baumwollen und Zucker leicht untergewichtet. Gleiches gilt für Kupfer.”

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