Talanx mit deutlicher Steigerung in (fast) allen Bereichen

Torsten Leue - Vorstandsvorsitzender der Talanx AG / Foto: © Talanx

Die Industrieversicherung bleibt das Sorgenkind der Talanx und trübt das ansonsten starke Ergebnis des bisherigen Geschäftsjahres. Insgesamt wird für das aktuelle Geschäftsjahr eine deutliche Steigerung erwartet.

In den ersten neun Monaten 2018 hat die Talanx-Gruppe ein EBIT von 1,5 Mrd. Euro erzielt, eine Steigerung von 33 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig konnte das Konzernergebnis um 10 % auf 488 Mio. Euro verbessert werden.

Zur positiven Entwicklung trugen alle Geschäftsbereiche bei – außer der Industrieversicherung: Zwar lagen die Prämieneinahmen hier mit 3,8 Mrd. Euro um 6,2 % über dem Vorjahreswert, währungskursbereinigt sogar um 8,9 %. Zudem erhöhte sich der Selbstbehalt strategiekonform auf 57,8 % (Vorjahreszeitraum: 54,4 %). Diese positive Entwicklung wurde jedoch durch mehrere Großschäden und ein ungewöhnlich starkes Volumen an Frequenzschäden wieder getrübt. So lag im Segment Industrieversicherung die kombinierte Schaden-/ Kostenquote mit 111,7 % deutlich im negativen Bereich und der schlechte Vorjahreswert von 110,1 % wurde nochmals übertroffen. Auch das Kapitalanlageergebnis des Geschäftsbereichs entwickelte sich negativ und lag mit 183 Mio. Euro um 9,9 % unter dem Vorjahreswert von 203 Mio. Euro. Ebenfalls negativ entwickelten sich das EBIT, (25 Mio. Euro, 32 Mio. Euro weniger als im Vorjahreszeitraum) und das Konzernergebnis (14 Mio. Euro, 36 Mio. Euro weniger als im Vorjahreszeitraum) im Geschäftsbereich Industrieversicherung.

Bald soll alles besser werden

Um den Geschäftsbereich wieder profitabler zu machen, wurde mit dem Programm 20/20/20 bereits die Sanierung des Geschäfts mit der Feuerversicherung begonnen. „Im verlustreichen Feuerversicherungsgeschäft konnten wir unsere Beiträge im Durchschnitt über das gesamte Portfolio um 14 % anheben. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit dem Programm 20/20/20 das Ziel erreichen werden, die kombinierte Schaden-/Kostenquote in der Feuerversicherung bis 2020 unter 100 % zu senken und damit wieder versicherungstechnisch profitabel zu sein. Langfristig wollen wir weiter international wachsen und sehen in unserem Joint Venture mit der Hannover Rück – der HDI Global Specialty SE – großes Potenzial“, glaubt Dr. Christian Hinsch, im Vorstand der Talanx AG für den Geschäftsbereich Industrieversicherung verantwortlich, dass sich sein Geschäftsbereich in den nächsten Jahren wieder besser entwickeln wird.

Weniger Großschäden auf Konzernebene

Die Probleme im Bereich Industrieversicherung lassen sich nicht auf Konzernebene erkennen. So lag auf Konzernebene die Belastung durch Großschäden (inkl. Naturkatastrophen) in den ersten neun Monaten bei 648 Mio. Euro und damit nur etwa bei der Hälfte des Vorjahreszeitraums, als Großschäden in Höhe von 1,222 Mrd. Euro anfielen. Damit musste das zeitanteilige Großschadensbudget von 855 Mio. Euro auch nicht voll ausgeschöpft werden. Der Rückgang der Großschäden geschah vor allem im Bereich der Rückerversicherung: Musste diese im Vorjahr noch 894 Mio. Euro für die Begleichung von Großschäden bezahlen, waren es in diesem Jahr nur 365 Mio. Euro. Auch in der Erstversicherung ging die Belastung durch Großschäden zurück, wenn auch weniger als bei der Rückversicherung: von 327 Mio. Euro auf 283 Mio. Euro. Auf Konzernebene konnte die Talanx damit ihre kombinierte Schaden-/ Kostenquote wieder in den positiven Bereich rücken: von 103,1 % im Vorjahreszeitraum auf 98,6 % in den ersten neun Monaten diesen Jahres. Auch das versicherungstechnische Ergebnis des Hannoveraner Versicherers ist wieder positiv: Nachdem es im Vorjahreszeitraum noch mit 400 Mio. Euro im Minus lag, betrug es in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 200 Mio. Euro.

Gesunken ist hingegen das Kapitalanlageergebnis: Nach 3,3 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum konnten zwischen Januar und September diesen Jahres nur 2,9 Mrd. Euro erzielt werden. Der Rückgang ist auf eine geringere Realisierungsnotwendigkeit stiller Reserven zur Finanzierung der Zinszusatzreserve im inländischen Lebensversicherungsgeschäft sowie außerordentlich positive Aktienrealisate im Vorjahresvergleichsquartal in der Rückversicherung zurückzuführen. Der Rückgang beim Kapitalanlageergebnis macht sich auch einer um 0,6 Prozentpunkte gesunkenen Kapitalanlagerendite bemerkbar. Gesteigert wurde hingegen die Eigenkapitalrendite, die mit 7,5 % um 0,8 Prozentpunkte über dem Vorjahreszeitraum liegt. Mit 204 lag die Solvency-II-Quote auf Konzernebene zum Ende des ersten Halbjahres knapp auf dem Niveau der Vorzeiträume: Im ersten Quartal dieses Jahres wurde 208 erzielt, im Gesamtjahr 2017 206.

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