Talanx: Corona vermieste Halbjahreszahlen

Torsten Leue - Vorstandsvorsitzender der Talanx AG / Foto: © Talanx

Das erste Halbjahr 2020 hätte für die Talanx Gruppe deutliche Zuwächse gebracht – wenn denn nicht die Corona-Pandemie und die damit verbundene Krise gewesen wären. Das beeinflusst auch den Blick in die Zukunft.

Zwischen Anfang Januar und Ende Juni hat die Talanx Gruppe ein Konzernergebnis von 325 Mio. Euro erzielt, ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum, als ein Ergebnis von 477 Mio. Euro erwirtschaftet wurde. Hauptverantwortlich für den Rückgang war die Corona-Krise. So geht der Versicherer davon aus, dass er ohne diese ein Konzernergebnis von 603 Mio. Euro erzielt hätte. Gewachsen sind nämlich die gebuchten Bruttoprämien, die im ersten Halbjahr mit 22 Mrd. Euro um 5,5 % über dem Wert des Vorjahreszeitraums lagen. Jedoch belasteten Corona-Aufwände von 658 Mio. Euro per Saldo das operative Ergebnis, das mit 745 Mio. Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 1,244 Mrd. Euro lag. Die Pandemie verursachte bei der Talanx Gruppe Schäden in Höhe von 824 Mio. Euro, die jedoch teilweise von der geplanten Großschadensvorsorge aufgefangen wurden. Damit lag der Schadensaufwand aufgrund der Pandemie in der ersten Jahreshälfte mehr als vier Mal so hoch wie die Belastung durch Naturkatastrophen, die mit 190 Mio. Euro zu Buche schlug, eine Steigerung um 52 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Fast ein Drittel der gesamten Schäden durch Naturkatastrophen waren auf zwei Ereignisse zurückzuführen: Zum einen ein Tornado im US-amerikanischen Nashville, der Schäden in Höhe von 44 Mio. Euro verursachte, zum anderen die Buschbrände im australischen Bundestaat New South Wales, die Schäden von 40 Mio. Euro verursachten. Insgesamt fielen Großschäden in Höhe von 1,018 Mrd. Euro an, 281 Mio. Euro in der Erstversicherung, 737 Mio. Euro in der Rückversicherung. Damit wurde das periodenanteilige Budget von 594 Mio. Euro, das um 67 Mio. Euro über dem Vorjahreswert lag, deutlich übertroffen. Auch bei den Großschäden machte sich vor allem die Corona-Pandemie bemerkbar: So waren bei diesen neben Naturkatastrophen hauptsächlich die Sparten Betriebsunterbrechung und Eventversicherung betroffen. Die deutlich erhöhte Anzahl an Schäden sorgte dafür, dass die Schaden-/ Kostenquote um 3,8 stieg und mit 101,3 % im negativen Bereich lag. Bereinigt um belastende und entlastende Corona-Effekte hätte die Schaden-/Kostenquote mit 97,4 um 0,1 Prozentpunkte besser als im Vorjahreszeitraum gelegen. Aufgrund der hohen Belastungen durch die Corona-Pandemie lag das versicherungstechnische Ergebnis mit minus 1,129 Mrd. Euro um fast 60 % unter dem Vorjahreswert von minus 708 Mio. Euro.

Nicht nur auf der Schadenseite sorgte die Corona-Pandemie für negative Effekte: So sorgten deren Auswirkungen auf die Kapitalmärkte dafür, dass die Talanx Gruppe im Bereich der Kapitalanlage negative Effekte von 174 Mio. Euro verzeichnen musste. Wegen der Vorsorge für künftige Prämienrückgänge entstand ein negativer Effekt in Höhe von 104 Mio. Euro. Jedoch sorgte die Pandemie auch dafür, dass bestimmte Branchen schadensseitig um 93 Mio. Euro entlastet wurden.

Trotz der hohen Belastungen bleibt die finanzielle Basis des Versicherers weiterhin solide: So lag die Solvency-II-Quote zum 30. Juni ohne Übergangsmaßnahmen bei 191 % und damit am oberen Ende der Zielspanne von 150 bis 200 %. Jedoch wurde der Vorjahreswert um fünf Prozentpunkte verfehlt.

„Die Corona-Pandemie hat uns ein schwieriges erstes Halbjahr 2020 beschert“, so Torsten Leue, Vorstandsvorsitzender der Talanx AG. „Insbesondere im zweiten Quartal, dem Höhepunkt des Lockdowns in Europa, waren die Belastungen enorm und haben unser Schadenbudget deutlich überschritten. Die Pandemieschäden herausgerechnet, wären wir in der Versicherungstechnik dagegen stabil unterwegs. Das Prämienwachstum in der Erstversicherung ist beachtlich, unsere Programme zur Profitabilisierung greifen. Dennoch müssen wir uns auch auf ein herausforderndes zweites Halbjahr einstellen. Die Corona-Pandemie hält mit noch unabsehbaren Folgen für die volkswirtschaftliche Entwicklung an. Klar ist, dass sich die Niedrigzinsphase weiter verschärft hat und zudem die Hurrikan-Saison gerade erst startet. Die Lage bleibt also sehr unübersichtlich und lässt weiter keinen Ausblick für das Geschäftsjahr 2020 zu.“

Ungeachtet aller Unsicherheiten strebt die Talanx unverändert eine Ausschüttungsquote von 35 bis 45 % des IFRS-Ergebnisses und eine Fortsetzung ihrer kontinuierlichen Dividendenpolitik an. (ahu)