Stürmischer Herbstbeginn

Michael Beck, Leiter Asset Management Ellwanger & Geiger / Foto: © Ellwanger & Geiger

Der Oktober hat nicht nur mit dem Sturmtief Mortimer stürmisch begonnen, auch die Aktienmärkte reagierten sehr verschnupft auf die gestrigen Wirtschaftsdaten aus Europa und den USA. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA hat nun ebenfalls rezessives Terrain erreicht und zeigt wohl, dass der Handelsstreit auch an der US-Industrie nicht spurlos vorbeigeht. Ebenso fiel der Einkaufsmanagerindex für Japans Großindustrie deutlich unter die 50er-Marke, was Kontraktion anzeigt. Den schlechtesten vergleichbaren Einkaufsmanagerindex liefert die europäische Industrie mit einem siebenjährigen Tiefstwert von 45,7 Punkten. Nach dem goldenen September mit einem sehr zufriedenstellenden Abschluss des dritten Quartals sieht es nicht danach aus, dass sich Investoren und Asset-Manager nun beruhigt zurücklehnen und auf der bisher erwirtschafteten Rendite ausruhen können. Es ist wohl nur eine zufällige Koinzidenz, aber dass ein typisch britischer Name für das jüngste Sturmtief gewählt wurde, passt zumindest wie die Faust aufs Auge. Denn die Brexit-Uhr tickt immer lauter und die Zeit wird so langsam wirklich knapp, um einen „No-Deal-Brexit“ noch zu verhindern.

Ein noch stärkerer Sturm nähert sich derzeit in Form des Hurrikans Lorenzo den Azoren, die so etwas eigentlich nicht gewohnt sind. Der italienische Name deutet hoffentlich nicht auf kommende stürmische Finanzmarktzeiten hin, die mal wieder von nicht eingehaltenen Haushaltsversprechen der Italiener ausgelöst werden könnten.

Die neue Regierung hofft auf das Wohlwollen Brüssels bei ihrem Versuch, das Wirtschaftswachstum auf Kosten der Neuverschuldung zu stabilisieren. Die schlechten Wirtschaftsdaten und politischen Aussichten im Euroraum halten zumindest die Euro-Währung unter 1,10 EUR/USD, was die Aktienmärkte stützt. Wie lange das noch so bleibt, ist ungewiss, da die US-Notenbank Fed die ein oder andere Leitzinssenkung im Köcher hat und die politischen Zustände in Washington immer skurriler werden. Der amtierende US-Präsident sieht sich einem „Staatstreich“ oder „Putschversuch“ ausgesetzt und trägt mit diesen erstaunlichen  Äußerungen dazu bei, dass die Fronten sich eher verhärten als aufweichen. Eine Schwächung der US-Dollar-Währung könnte die Folge sein, was die Aktienmärkte in Europa zusätzlich belasten dürfte. Einzig ein überzeugender Handelsdeal der USA mit China und eine Lösung des Brexit-Dilemmas würde die Stimmung deutlich verbessern. Solange diese Themen aber weiter vor sich hin schwelen, ist Vorsicht und erhöhte Aufmerksamkeit an den Finanzmärkten angesagt.

Marktkommentar von Michael Beck,
Leiter Asset Management BANKHAUS ELLWANGER & GEIGER