Steigende Dividenden bei DAX-Konzernen

Dr. Thomas Heidel, Leitung Research Fidal AG / Foto: © Fidal AG

2017 war für die Aktionäre ein Dividenden-Rekordjahr, in dem die Aktiengesellschaften weltweit ca. 1,3 Billionen US-Dollar ausschütteten; knapp acht Prozent mehr als im Vorjahr. Auch 2018 werden die Dividendenzahlungen aller Wahrscheinlichkeit nach weiter steigen, wenn die Unternehmensgewinne durch das hervorragende Wachstum der Weltwirtschaft erneut zulegen können.

Für europäische Aktien rechnet der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock in 2018 mit einer Rekorddividendensumme von 320 Mrd. Euro. In Deutschland wird bei den DAX-Titeln eine Dividendenausschüttung von insgesamt mehr als 35 Mrd. Euro erwartet; ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr von 12 Prozent.

Auch die Börsenwerte der „zweiten Liga“, (die 50 großen deutschen Aktiengesellschaften, die es aufgrund relativ zu niedriger Marktkapitalisierung gegenüber den 30 großen Titeln im DAX im MDAX notiert sind), werden laut einer Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, der privaten FOM Hochschule/ Essen und der Recherche-Plattform Dividenden-Adel ihre 2018er Dividendensummen um acht Prozent erhöhen (auf 9,5 Mrd. Euro). Nach Prognosen werden 80 Prozent der MDAX-Firmen 2018 mehr ausschütten als 2017.

Die aktuelle Dividendensaison in Deutschland erstreckt sich im Prinzip über den April bis Ende Mai. Im Gegensatz zu den USA, wo die quartalsweise Zahlung von Dividenden üblich ist, schütten in Deutschland die Unternehmen nur einmal im Jahr Dividende aus. Aufgrund der guten Wirtschaftsentwicklung in Deutschland werden 2018 fast alle DAX-Gesellschaften, bis auf die Banktitel Commerzbank (gar keine Dividende) und Deutsche Bank (Dividendenrückgang von 0,19 auf 0,11 €), ihre Dividende erhöhen.

Gerade die großen Automobilhersteller (Daimler, Volkswagen, BMW) schütten im Vergleich zum Vorjahr rund 20 Prozent mehr aus. Das Versorgungsunternehmen RWE zahlt neben seiner regulären Dividende von 0,50 Euro noch eine Sonderdividende von 1,00 Euro pro Aktie, die aufgrund der Rückerstattung für die vom Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärten Kernbrennstoffsteuer gezahlt wird. Beim Industriegase-Spezialisten Linde wird sich die Gesamtausschüttung aus der regulären Dividende für das Geschäftsjahr 2017 von 3,90 Euro und einer Zusatzausschüttung von 3,10 Euro zusammensetzen, damit die Linde-Aktionäre den Praxair-Aktionären bis zur geplanten Fusion der beiden Gesellschaften gleichgestellt werden.

Attraktive Renditen in Relation zum Anleihemarkt

Die durchschnittliche Dividendenrendite für den DAX liegt bei insgesamt 2,5 Prozent und beträgt damit das Zweieinhalbfache der Rendite entsprechender Firmenbonds mit fünfjähriger Laufzeit, ganz zu schweigen von Vergleichen mit zehnjährigen Bundesanleihen, die aktuell nur eine Rendite unter 0,6 Prozent bieten.

Die höchste Dividendensumme zahlt der Automobilkonzern Daimler (3,9 Mrd. Euro), danach kommen der Versicherungswert Allianz (3,5 Mrd. Euro), die Telefongesellschaft Deutsche Telekom (3,1 Mrd. Euro) und der Industriekonzern Siemens (3,0 Mrd. Euro). Daimler liegt auch bei der Dividendenrendite mit 5,6 Prozent im DAX an der Spitze. Die Aktien der Versicherungsgesellschaft Münchener Rück und der Deutschen Telekom folgen mit TOP-Renditen von 4,5 Prozent. Auch die BMW- und Allianz-Titel rentieren noch aktuell über der Vier-Prozent-Marke. Die Ausschüttungsquote, das heißt der Anteil der Dividenden an den Unternehmensgewinnen, beträgt aktuell für den DAX 41 Prozent; im Vorjahr waren es noch laut Bloomberg-Angaben 53 Prozent.

Der rückläufige Ausschüttungsanteil bei steigenden Gewinnen ist auch ein Kritikpunkt des Hauptgeschäftsführers der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz Marc Tüngler, der eine Ausschüttungsquote von 50 Prozent für gerechtfertigt hält. Dagegen findet Mathieu Meyer vom Beratungsunternehmen EY die vorsichtige Dividendenpolitik der DAX-Konzerne eher vernünftig. Für notwendige Zukunftsinvestitionen bzw. für die Entwicklung neuer Technologien oder für den Umbau von Geschäftsmodellen sei es wichtig, dass genug Finanzmittel zurückgehalten werden.

Deutschen Aktionäre profitieren kaum

Zwar ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland 2017 auf den höchsten Stand seit zehn Jahren gestiegen, doch da nur jeder sechste Bundesbürger Vermögensanlagen in Aktien direkt oder in Aktienfonds tätigt, profitieren die meisten Deutschen nicht an den Rekordausschüttungen der DAX-Konzerne. Der Boom bei den Dividendenzahlungen geht auch deswegen prinzipiell eher an den Deutschen vorbei, da die meisten DAX-Aktien sich im ausländischen Besitz befinden.

Laut einer Auswertung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY entfiel auf deutsche Aktionäre Ende 2017 nur ein Besitzanteil an den DAX-Konzernen von knapp 36 Prozent (Vorjahr knapp 38 Prozent). Privatanleger sind daran nur zu elf Prozent beteiligt; bei institutionellen Anlegern, zum Beispiel Versicherungen und Pensions- und Investmentfonds, liegt mit mehr als 60 Prozent der Löwenanteil der Aktien. Ausländische Investoren hielten knapp 54 Prozent (Vorjahr 52 Prozent) der DAX-Aktien; eine eindeutige geografische Zuordnung war bei einem Zehntel der DAX-Aktien nicht möglich. Da die deutschen Großkonzerne sich weltweit exportorientiert betätigen, ist ein hoher Anteil ausländischer Investoren nicht verwunderlich. Besonders hoch mit 28 Prozent ist deshalb auch der Prozentsatz europäischer Anteilseigner; US-Investoren sind bei den DAX-Titeln mit fast 21 Prozent dabei.

Kolumne von von Dr. Thomas Heidel, Leitung Research FIDAL AG in Frankfurt/ Main