Steht langer Rechtsstreit um Wirecard bevor?

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Ein Konsortium mehrerer Banken könnte auf dem Rechtsweg die Rückzahlung von Krediten an Wirecard erlangen. Die Klage könnte sich auch gegen Behörden richten. Von möglichen Beklagten gibt es bereits Reaktionen. Die Angelegenheit könnte äußerst kompliziert werden.

15 Banken hatten Wirecard Kredite in Höhe von 1,75 Mrd. Euro zugesagt, davon kamen 1,6 Mrd. Euro auch zur Auszahlung. Da der Zahlungsdienstleister inzwischen Insolvenz anmelden musste, wollen die Kreditinstitute ihr Geld zurück – einige auf dem Klageweg. Das berichten WDR und SZ. Als mögliche Klagegegner kämen der Bund, die BaFin, die Wirtschaftsprüfer von EY sowie der Aufsichtsrat und der Vorstand von Wirecard in Betracht. Die Klage wird von den betroffenen Banken damit begründet, dass die möglichen Beklagten ihre Aufsichtspflichten verletzt hätten. Die größten Erfolgschancen würden die Juristen der Geldhäuser in den Klagen gegen Vorstände, Aufsichtsräte oder EY sehen. Bei Bund und BaFin würden die Erfolgschancen deutlich geringer eingeschätzt.

Große Schwierigkeit für Klägerseite

Wie tagesschau.de berichtet, weist EY die Vorwürfe von sich und beteuert, von Betrügern hereingelegt worden zu sein. Zudem würden Experten erwarten, dass sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft heftig gegen jegliche Forderungen wehren werde, weshalb ein rechtskräftiges Urteil erst in einigen Jahren fallen könne.

Die Erfolgschancen für die Banken könnten laut tagesschau.de auch dadurch gemildert werden, dass sich für sie die Suche nach einem Anwalt wohl sehr kompliziert gestalten würde. So gäbe es laut Bankenkreisen sehr wenige geeignete Kanzleien, die angesichts der potenziellen Gegenseite nicht befangen sein, denn viele würden regelmäßig mit Prüfern zusammenarbeiten.

Erschwerend dürfte hinzukommen, dass das Geld zu großen Teilen praktisch verloren sein dürfte. So fand Insolvenzverwalter Michael Jaffé in den Büchern von Wirecard zuletzt nur wenig an Wert, dafür aber umso mehr Schulden. (ahu)