Stabilität in stürmischen Börsenzeiten

Der durchaus holprige Start ins neue Jahr hat Anlegern einmal mehr vor Augen geführt, dass die Börse keine Einbahnstraße ist. Satte Kurssprünge in der Vergangenheit haben mitunter den Blick auf die Realität etwas verstellt.

Berater und Anleger sollten wachsam sein und die Depots entsprechend ausrichten. Anleger müssen sich auf heftigere Kursschwankungen einstellen und geeignete Anlageprodukte auswählen. Kracht es in China, lässt das eben keinen kalt. Hierzu und zu den Aussichten am Zertifikatemarkt stand Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband, Rede und Antwort.

finanzwelt: Herr Brandau, vor dem Ausblick steht der Rückblick. Wie fällt Ihr Fazit zum zurückliegenden Jahr aus?

Brandau: Es war vor allem ein sehr schwieriges Jahr, in dem Anleger viel falsch machen konnten. Auch, wenn der DAX am Jahresende knapp zehn Prozent im Plus lag, so haben wir doch Schwankungen zwischen 9.500 und 12.400 Punkten gesehen. Diese volatilen Märkte machen es den Anlegern nicht leicht. Klar ist aber, dass das Auf und Ab zur Börse dazugehört. In der Vergangenheit hat die Geldschwemme der EZB die Kurse gepusht. Diese einfache, aber zentrale Botschaft sollten wir uns immer mal wieder vergegenwärtigen. Bei Rücksetzern in Panik zu verfallen, ist keine Lösung. Vielmehr gilt es, das Depot entsprechend zu allokieren und das gemeinsam mit den Investoren zu besprechen. Das ist der Kern einer jeden nutzwertorientierten Beratungsleistung und strukturierte Wertpapiere können in diesem Anlagespektrum einen wertvollen Beitrag leisten.

finanzwelt: Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus Ihrer aktuellen Emittenten-Umfrage Ihres Verbands mit?

Brandau: Im Wesentlichen lassen sich drei Schlussfolgerungen ziehen. Zum einen, dass die Produzenten von Anlagezertifikaten und Hebelprodukten nach einem positiven Geschäftsjahr 2015 durchaus optimistisch für die erste Jahreshälfte gestimmt sind. Die Bandbreite der Produkte ist riesig und befriedigt nahezu jeden Anlegerwunsch. Zum zweiten unterstreicht die Umfrage des DDV die Notwendigkeit einer sich etablierenden und wünschenswerten Aktienkultur in Deutschland. Es klingt lapidar, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind kapitalmarktnahe Produkte, zu denen neben Aktien auch Strukturierte Wertpapiere zählen, nahezu alternativlos.

Die Zinsschere zwischen den USA und dem Euroraum öffnet sich – die EZB bleibt ihrer Maßgabe des Niedrigzinses treu, die Fed erwägt auch in 2016 weitere Zinsschritte nach oben. In der Konsequenz bleiben klassische Sparformen weniger attraktiv für die Anleger, da sie zu wenig bis gar keine Rendite abwerfen. Das muss den Investoren klar werden.

Nehmen sie keine Änderungen in ihren Depots vor, stellen sich Verluste ein. Maßgabe ist natürlich, nicht alle Eier in einen Korb zu legen und das Risiko breit zu streuen.

Die dritte wesentliche Erkenntnis betrifft die zunehmende Regulierung innerhalb der Anlagevermittlung. Das Thema Regulierung war für die Zertifikate-Emittenten noch wirkungsstärker als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Emittenten stellt sich darauf ein, dass der Aufwand für die Regulierung von Zertifikaten durch Gesetzgeber und Wertpapieraufsicht in 2016 noch einmal signifikant zunehmen wird. Hier müssen sich die zuständigen Aufsichtsgremien und Entscheider die Fragen gefallen lassen, wieviel Regulierung überhaupt sinnvoll, und ob dem Anleger mit der Regulierungsspirale überhaupt gedient ist. Schließlich haben wir mündige Bürger und Anleger.

finanzwelt: Lassen Sie uns über die Zukunft sprechen. Welche Produktstrukturen sollten bei den Anlegern 2016 im Fokus stehen?

Brandau: Strukturierte Wertpapiere mit vollständigem Kapitalschutz waren im vergangenen Jahr zwar rückläufig, zumal das immer noch andauernde Niedrigzinsumfeld zu unattraktiveren Angebotskonditionen führte. Dafür gab es jedoch einen klaren Aufwärtstrend bei den Klassikern unter den Teilschutz-Zertifikaten. Ihre Erträge hängen unmittelbar vom Aktienmarkt ab. Die eingebauten Sicherungsfunktionen federn Aktienrisiken ab. Aktienanleihen, Discount- und Bonus-Zertifikate sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen, aber auch Express-Zertifikate, die bei Anlegern hoch im Kurs stehen. Letztere können auch in Seitwärtsmärkten attraktive Renditen erzielen und dürften Profiteure im derzeitigen Marktumfeld sein. Professionellen Investoren steht darüber hinaus die gesamte Angebotspalette der Hebelprodukte zur Verfügung.

finanzwelt: Große Produktauswahl in einem herausfordernden Marktumfeld. Das setzt wohl auch Maßstäbe in der Beratungsleistung?

Brandau: Ein schwieriges oder zumindest nicht mehr ganz so einfach abzusteckendes Marktumfeld bedingt gemeinsame Anstrengungen zur Zielerreichung. Berater müssen aktiv auf zum Teil verunsicherte Anleger zugehen und mit ihnen eine individuelle und an den eigenen Lebenszielen angepasste Portfoliodiversifikation vornehmen. Erfreulich ist in diesem Kontext, dass im vergangenen Jahr weniger Kundenbeschwerden über die Anlageberatung bei der deutschen Finanzaufsicht BaFin eingegangen sind. Das Kundenvertrauen ist ein hohes Gut, das nicht leichtfertig verspielt werden darf.

Das Interview führte finanzwelt