So verändert Corona den Wohnungsmarkt

Hamburg lässt sich nicht erschüttern

Stürmische Zeiten ist man in Hamburg gewohnt, gilt doch das Wetter in der Elbmetropole als keines, das die ersten Plätze beim Wettbewerb „Deutschland sucht das Superwetter“ belegen würde. Auch die Turbulenzen durch die Corona-Pandemie können dem Immobilienmarkt in der Hansestadt wenig anrichten: Bereits vor dem Ausbruch der Krise befanden sich die Preise auf sehr hohem Niveau und auch zwischen März und Mai hat sich daran wenig geändert. „Der Hamburger Immobilienmarkt ist von einem deutlichen Nachfrageüberhang und einem gleichzeitig äußerst limitierten Objektangebot gekennzeichnet. Diese Rahmenbedingungen führen dazu, dass auch in Zeiten von Corona in den Top-Lagen sehr hohe Verkaufs- und Mietpreise erzielt werden konnten”, erklärt Lena Soyke, Geschäftsführerin des Engel & Völkers Market Center Hamburg Elbe.

Wer eine Villa entlang der Alster oder der Elbe künftig sein Eigen nennen will, muss dafür bis zu 10 Mio. Euro bezahlen. Auch Käufer von Eigentumswohnungen müssen zum Teil sehr tief in die Tasche greifen: In den teuren Lagen wie Uhlenhorst, Rotherbaum, Harvesthude oder HafenCity werden pro Quadratmeter bis zu 20.000 Euro fällig. Es geht aber auch noch teurer: So kosten Ausnahmeobjekte wie Eigentumswohnungen in der Elbphilharmonie pro Quadratmeter bis zu 30.000 Euro.

Die Corona-Pandemie hat weniger die Preise als vielmehr die Anforderungen an die Immobilien verändert. „Social Distancing hat den Lebens- und Arbeitsalltag vieler Menschen ins Eigenheim verlagert. Wenn die sonst übliche Bewegungsfreiheit reduziert wird, bekommen Objektmerkmale wie ein Arbeitszimmer, ein Balkon oder ein Garten einen höheren Stellenwert”, erklärt Lena Soyke. Dass sich aufgrund der Corona-Pandemie die Suchkriterien der Immobilienkunden ändern, bestätigt auch Phillip Bonhoeffer. Laut dem Geschäftsführenden Gesellschafter der E+V Hamburg Immobilien GmbH verändert sich auch die Suche nach Immobilien. „In den letzten drei Monaten zeigten sich Interessenten sehr aufgeschlossen gegenüber digitalen Technologien. Unsere Kunden haben virtuelle Besichtigungstermine mit viel Zuspruch angenommen.” Deshalb hat sich in Hamburg die Zahl der virtuellen Besichtigungen noch stärker als in Berlin erhöht: So wurden zwischen März und Mai 360 % mehr Objekte virtuell besichtigt als zuvor. Die Anzahl der persönlichen Besichtigungen ging hingegen um 10 % zurück.

Zurückhaltung in München

München ist nicht nur Deutschlands südlichste A-Stadt, sondern führt auch die Rangliste der höchsten Immobilienpreise an. Entsprechend sollten hier Kaufentscheidungen wohl überlegt sein. Gerade die aktuelle Lage hat deshalb für Zurückhaltung gesorgt. „Im Premiumsegment war eine gewisse Verunsicherung und Abwartehaltung zu spüren. Einige Kunden haben ihre Immobilientransaktionen verschoben, weshalb wir für das dritte und vierte Quartal weitere Nachholeffekte erwarten”, berichtet Florian Freytag-Gross. Laut dem Geschäftsführer der EuV Residential Finanzholding GmbH gibt es aktuell bereits gute Gründe für diese Zukunftserwartung. „Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen sehen wir allerdings jetzt schon eine positive Trendwende. Die Nachfrage ist wieder angezogen und die Preise sind stabil.”

Trotz der Unsicherheit haben sich die Immobilienpreise in der bayerischen Landeshauptstadt auch zwischen März und Mai auf einem konstant hohen Niveau entwickelt. Wer in sehr guten Lagen wie Altstadt-Lehel, Alt-Bogenhausn, Herzogpark oder Schwabing eine Villa kaufen will, muss bis zu 20 Mio. Euro mitbringen. Wer sich hingegen mit einer Eigentumswohnung „begnügt“ muss pro Quadratmeter immer bis zu 20.000 Euro bezahlen. Obwohl Bayern sehr strenge Sicherheitsmaßnahmen gegen die Ausbreitung von Corona eingeführt hat, haben die Immobilienberater von Engel & Völkers in den vergangenen drei Monaten viele erfolgreiche Kaufabschlüsse erzielt. Das hängt vor allem mit der hohen Anzahl virtueller Besichtigungen zusammen. „Die Corona-Krise hat bisher nicht die vielerorts prophezeiten Preiseinstürze hervorgebracht. München wird weiterhin ein beliebtes Eigenheim- und Anlageziel bleiben”, erklärt Florian Freytag-Gross.

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