So kommen Fixed-Income-Investoren aus der Zwickmühle

Christopher Gannatti,Head of Research bei WisdomTree / Foto: © Wisdom Tree

Die derzeitige Lage für Fixed Income Investoren ist ungemütlich, insbesondere was Staatsanleihen der Eurozone betrifft. Betrachtet man das Renditediagramm bis zur Fälligkeit dieser Assets, so zeigt sich ein deutlicher Abwärtstrend. Das leuchtet ein, denn in vielen Ländern der Eurozone muss man die Laufzeit auf 7-10 Jahre verlängern – einfach um eine positive Rendite zu erzielen. Das Maß für die Laufzeit der Anleihen hat zugenommen und damit das Zinsänderungsrisiko. Einfach ausgedrückt: Der heutige Investor in der Eurozone muss mehr Risiko eingehen, um weniger Einkommen zu erhalten – keine gute Ausgangslage.

Zinspolitik der Eurozone: Das Problem ist das Wachstum

Als die EZB im Dezember 2018 verkündete, den monatlichen Kauf von 30 Milliarden Euro Staatsanleihen einzustellen, erwarteten viele Marktteilnehmer einen Zinstrend nach oben. Hindernis hierfür ist jedoch das Wachstum in der Eurozone. Deutschland – häufig Wachstumsmotor der Region – hat soeben gerade noch eine technische Rezession vermieden, die durch zwei aufeinander folgende Quartale negativen BIP-Wachstums definiert ist. Italien, drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, steckt nach dieser Definition mitten in einer technischen Rezession. Die Statistiken des Purchasing Managers Index (PMI) tendieren für die gesamte Region nach unten, wobei einige Märkte ein Niveau unter 50,0 aufweisen, was auf einen Abschwung hinweist.

Die Zinssätze im 10-jährigen Laufzeitbereich sollten die Erwartungen an das zukünftige Wachstum und die zukünftige Inflation wiederspiegeln. Die eingetrübten Wachstumsaussichten sind der Hauptgrund für das derzeit niedrige Zinsniveau.

Maßnahmen, die bei Anleihe-Investments greifen

Ohne fiskalische Maßnahmen können die Wachstumsprobleme der Eurozone fraglos nicht gelöst werden. In der Zwischenzeit brauchen Anleihe-Investoren aber weiterhin Erträge. Mehrere Wege bleiben ihnen jetzt offen:

Laufzeiten erhöhen: Nach wie vor bringen Anleihen mit längerer Laufzeit tendenziell mehr Ertrag als Anlagen mit kürzerer Laufzeit. Höhere Renditen sind demnach außerhalb des üblichen Wirkungskreises zu suchen. Bei steigenden Zinsen besteht hier allerdings das Risiko, dass sich diese Praxis stärker negativ auf die Gesamtrendite auswirken kann.

Anleihequalität herabstufen: Es ist auch immer noch der Fall, dass qualitativ minderwertige Unternehmensanleihen mehr einbringen als qualitativ hochwertigere Staatsanleihen. Hierin flexible Investoren könnten Vorteile mitnehmen indem sie die höhere aktuelle Vergütung für die Übernahme eines größeren Teils des Risikos erhalten.

Außereuropäisches Ausland in den Blick nehmen: Investoren, die das können, suchen derzeit auch nach Staatsanleihen von Schwellenländern. Es gibt in diesem Bereich spezifische Risiken wie beispielsweise Währungsbewegungen, derzeit aber sind die Renditen in diesem Bereich recht hoch.

Neuer Kurs bei Staatsanleihen der Eurozone: Enhanced Yield

Für diejenigen Investoren, die einen Teil ihres Engagements in Staatsanleihen der Eurozone halten müssen, hat unser Research einen pragmatischen Ansatz entwickelt, um mehr Erträge herauszuholen und gleichzeitig das Verfolgungsrisiko gegenüber der etablierten Benchmark zu minimieren. Dieser Ansatz nimmt ausschließlich Staatsanleihen in den Blick und tendiert weg von den niedrigeren, häufig negativeren Renditen hin zu positiv rentierenden Anlagen, die Einschränkungen unterliegen. Im Moment ergibt sich dementsprechend das folgende „Big Picture“ bei Staatsanleiheninvestments: Längere Laufzeiten, mehr Italien, weniger Deutschland. Dies könnte ein Weg sein, um die verzwickte Situation der Anleger von Staatsanleihen der Eurozone aufzulösen.

Gastbeitrag von Christopher Gannatti,
Head of Research bei WisdomTree