So könnte die Aktienkultur in Deutschland gefördert werden

Dennis Austinat, Deutschland-Chef von eToro / Foto: © eToro

Als erfahrene Investoren gelten die Deutschen nicht gerade. Laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) besaßen im Jahr 2018 über alle Altersgruppen hinweg rund 16,2% der Deutschen Aktien- oder Aktienfonds. Im internationalen Vergleich liegen sie damit weit hinter den Amerikanern, die der absolute Spitzenreiter sind. Innovative Angebote können helfen, potenzielle Anleger zu Investoren zu machen. Doch auch Politiker und Banken sind gefragt.

Während die meisten Deutschen fehlendes Wissen und Erfahrung als Hauptgrund dafür angeben, keine Aktien zu kaufen, stehen andere dem Thema Vermögensbildung eher gleichgültig gegenüber. Ihnen fehle die Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und passende Anlagemöglichkeiten zu finden. Dabei sollte es im Interesse aller sein, sich frühzeitig über verschiedene Anlagemöglichkeiten zu informieren. Denn gerade im Hinblick auf die Altersvorsorge kann der Aktienkauf zu einem probaten Mittel werden. Traditionelle Sparpläne, wie der Bausparvertrag oder Festgeldkonten, lohnen sich schon lange nicht mehr. In einem konstanten Niedrigzinsumfeld, wie es nun schon seit geraumer Zeit der Fall ist, bieten diese Anlagevarianten kaum mehr Rendite.

Neben fehlender Erfahrung und genereller Gleichgültigkeit spielt jedoch sicherlich auch die derzeitig unsichere Lage an den Weltmärkten eine entscheidende Rolle. Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat die Märkte nun schon mehr als einmal ins Wanken gebracht. Und beim Brexit gilt weiterhin: Ein Ende ohne Schrecken oder doch ein Schrecken ohne Ende? Durch dieses unsichere politische und wirtschaftliche Marktumfeld ist davon auszugehen, dass die EZB und die FED die Zinsen weiterhin niedrig halten werden.

Hinzu kommt, dass beim Aktienkauf heute oft noch Gebühren wie vor zehn oder fünfzehn Jahren anfallen. Sie sind zum einen nicht mehr zeitgemäß und erschweren es zum anderen potenziellen Anlegern zusätzlich, die Hürde des Investierens zu nehmen. Hier sind Unternehmen gefordert, Mitarbeiter durch Beteiligungsprogramme an ihrem Erfolg teilhaben zu lassen und mit dem Aktienkauf vertraut zu machen. Aber auch Politiker stehen in der Verantwortung, adäquate Rahmenbedingungen zu schaffen. Beispielsweise in Form von Steuersenkungen, damit mehr Deutsche Aktien kaufen. Nicht zuletzt sollte die Finanzbranche selbst ein großes Interesse daran haben, Sparer zu Investoren zu machen und mehr Menschen an die Börse zu bringen. Das bedeutet, veraltete Gebührenstrukturen infrage zu stellen und letztlich einzureißen.

Denn es gibt sie bereits, die innovativen Anbieter wie Brokerage-Plattformen, die beispielsweise gebührenfreies Trading für eine Vielzahl von Aktientiteln anbieten. Die Vorteile davon sind, dass es potenziellen Anlegern leichter fällt, sich dem Thema zu nähern und den ersten Schritt des Investierens zu wagen. Ohne Gebühren sind schon Investitionen mit kleineren Beträgen sinnvoll und lohnenswert – die Neuanleger können so zudem schnell erste Trading-Erfahrungen sammeln. Doch neben attraktiven gebührenfreien Angeboten muss auch ein erheblicher Kulturwandel stattfinden, der den Menschen die Angst und die Vorbehalte beim Investieren nimmt. Gefragt ist vielmehr eine Anlegerkultur, die den Mut zum Investment vermittelt.

Gastbeitrag von Dennis Austinat,
Deutschland-Chef von eToro