SNB-Devisenreserven betragen bald 100% vom BIP

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Die gute Nachricht erst einmal vorweg: Offenbar musste die Schweizerische Nationalbank im Zuge von Brexit weniger intervenieren als befürchtet, um den Euro-Franken-Wechselkurs bei einem Kursniveau von 1,08 zu stabilisieren.

Seit der Woche des EU-Referendums sind die wöchentlichen Sichtguthaben der inländischen Banken bei der SNB rund CHF 17,5 Mrd. gestiegen. Gemessen an früheren Schocks halten sich die aktuellen Währungsinterventionen der SNB folglich in Grenzen. In den 3 Wochen nach dem Wegfall der Euro-Untergrenze im Januar 2015 sind die Sichtguthaben bei der SNB rund CHF 54 Mrd. gestiegen. Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass die wöchentlichen Sichtguthaben auch zwischen dem 2. und 8. Juli 2016 um CHF 3,7 Mrd. gestiegen sind. Es scheint, dass die SNB noch immer unter Druck ist, Zuflüsse in den sicheren Franken abzuwehren. Daran dürfte sich in absehbarer Zukunft auch nicht so viel ändern. Die ökonomischen Konsequenzen des EU-Referendums sind nach wie vor sehr ungewiss. Mit dem italienischen Referendum im November 2016 bleibt auch das politische Umfeld unsicher. In diesem Umfeld dürfte der Franken als sicherer Hafen gefragt sein, so dass weitere Abwehrmaßnahmen der SNB nötig sein dürften. Bei einem weiteren Anstieg der Devisenreserven dürfte die Frage vermehrt aufkommen, ab welchem Niveau diese problematisch werden. Die Schweizer Reserven sind seit der Großen Finanzkrise aufgrund der Währungsinterventionen der SNB kräftig anstiegen. In einem internationalen Vergleich sind diese inzwischen sehr hoch, erreichen sie doch bald 100 % des Schweizer Bruttoinlandprodukts. Seit dem Jahr 2015 sind die Schweizer Devisenreserven sogar höher als in Singapur. In Japan und China betragen die Devisenreserven 60 % beziehungsweise rund 30 % vom BIP. Einzig in Hongkong ist die entsprechende Quote mit 120 % noch höher. Die Hauptsorge ist, dass das Eigenkapital der SNB bei einer weiteren Aufwertung des Frankens negativ werden könnte. SNB-Präsident Jordan hat dieses Thema bereits im Jahr 2011 adressiert und hat in einem Papier ein paar wichtige Punkte hervorgehoben. Erstens führt negatives Eigenkapital die SNB im Gegensatz zu einer normalen Unternehmung nicht in eine Liquiditätskrise. Damit ist die Zentralbank nicht in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Zweitens ist die Zentralbank nicht wie andere Unternehmen gezwungen, Sanierungsmassnahmen einzuleiten. Drittens hat die SNB den Vorteil, von der sogenannten Seigniorage finanziell zu profitieren, und könnte negatives Eigenkapital auf diesem Weg langfristig abbauen. Jordan anerkannte jedoch, dass eine lange Periode von negativem Eigenkapital der Glaubwürdigkeit der SNB schaden könnte. Deshalb wird die SNB besorgt sein, die Devisenreserven nicht zu stark aufzubauen. Wir erwarten, dass die SNB ihre Leitzinsen auf –1 % senken wird, um ihre Devisenkäufe bei einem starken Anstieg der Nachfrage nach Franken einzuschränken.

Von: Ursina Kubli, Ökonomin der Bank J. Safra Sarasin AG