Smarter als Smart Beta

Alexei Jourovski

Aktives Factor Investing bietet höhere Renditen und bessere Sharpe Ratios, sagt Alexei Jourovski, Leiter des Aktien-Teams bei Unigestion. Die Idee eines Aktien-Fonds ist simpel: Er soll Gewinne erwirtschaften und das Risiko streuen. Doch viele Investment-Strategien sind wenig erfolgreich, ineffizient und teuer. Institutionelle Investoren in Deutschland sind entsprechend zurückhaltend:

(fw/rm)  In ihren Portfolios stieg der Anteil von Aktieninvestments seit 2013 lediglich um 0,5 Prozent und liegt derzeit bei nur 6 Prozent, so eine aktuelle Studie von Feri Euro Rating Services. Dabei bestehen mit der richtigen Strategie gute Chancen, den Aktienmarkt zu schlagen und das eingesetzte Kapital zu mehren. Ein möglicher Weg dazu ist Factor Investing: Dieser Investmentstil bietet Anlegern Zugang zu den Quellen nachhaltiger Überrenditen und die Möglichkeit, auf lange Sicht von vorhandenen Risikoprämien zu profitieren. Dazu werden Aktien aus dem jeweiligen Investment-Universum nach Faktoren wie Value, Quality, Growth, Momentum oder Dividend Yield ausgewählt. Weitere Faktoren sind Size und Low Risk. Durch systematisches Investieren nach zuvor festgelegten Kriterien werden so die spezifischen Renditeziele der jeweiligen Investoren erreicht.

Passives Factor Investing schlägt Market-Cap-Indizes, wirft aber neue Fragen auf

Smart-Beta-Fonds sind eine einfache, passive Lösung, um Factor Investing umzusetzen. Statt anhand der Marktkapitalisierung zu investieren, nutzen sie diesen regelbasierten Ansatz, um für die Anleger langfristig eine höhere risikoadjustierte Rendite zu erwirtschaften und bieten ihnen, bei Kombination verschiedener Faktor-Strategien, gute Diversifikationseigenschaften. „Doch rein passiv investieren reicht nicht”, so Alexei Jourovski. „Auch die so ausgewählten Aktien sind zyklischen Schwankungen unterworfen und bergen womöglich ein hohes Verlustrisiko.” So können etwa Produkte, die einzelne Aktien nach Höhe der Dividendenrendite gewichten, durchaus ihre Tücken haben: Mitunter ist die Aktie gerade abgestürzt, womit die Dividendenrendite rein rechnerisch steigt. „Smart ist anders”, findet Jourovski. „Um solche Herausforderungen zu bewältigen und unseren Anlegern bestmögliche Resultate zu bieten, stellen wir bei Unigestion drei Fragen: Welche Faktoren sind zu berücksichtigen? Wie sind sie zu handhaben und wie sind die Mittel zu verteilen? Die Faktoren müssen also zunächst präzise definiert und quantifiziert werden. Dann braucht es ein wirksames Risiko-Management und die regelmäßige, aktive Umverteilung zwischen den einzelnen Faktor-Strategien.” Ziel ist der Aufbau eines Portfolios mit dem bestmöglichen Verhältnis zwischen dem zu erwartenden Risiko und der gewünschten Rentabilität.

Schritt 1: Die Faktoren optimieren

Im klassischen Factor Investing werden bei der Arbeit mit bestimmten Faktoren markt- oder sektorenspezifische Merkmale nicht berücksichtigt. Unigestion hat darum, je nach Branche oder Marktbesonderheiten, eine eigene Definition der Faktoren Value, Momentum, Quality und Size entwickelt.

Schritt 2: Die Portfolio-Konstruktion

Entscheidend für den Anlageerfolg sind aber nicht nur die Faktoren selbst, sondern auch die Portfolio-Konstruktion: „Factor Investing bedeutet, ein ‘echtes‘ Aktienportfolio zu kaufen, das neben dem wünschenswerten Faktor-Engagement auch ungewollte Risiken oder Verzerrungspotenziale enthält. Um diese unerwünschten Risiken zu minimieren, ist die entsprechende Kontrolle des Portfolios unerlässlich”, sagt Jourovski. Unigestion kann durch aktives Risikomanagement die Ergebnisse deutlich stabilisieren: Durch die optimierte Definition der Faktoren werden die Strategien des Asset-Managers auf erstklassige, weniger volatile Papiere, diversifizierte Qualitätspapiere und stabile Small Caps ausgerichtet. Und das zahlt sich aus: „Unsere aktiv verwalteten Portfolios bieten höhere Renditen und bessere Sharpe Ratios als die auf einfachen Faktor-Definitionen basierenden Indizes.” Jourovskis differenzierter Ansatz zur Aktienauswahl zahlt sich deutlich aus: Die aktiv verwalteten Portfolios bieten höhere Renditen und bessere Sharpe Ratios als vergleichbare Indizes. Schritt 3: Die aktive Allokation zwischen Faktoren Aktives Management der Allokation in einer Multifaktor-Strategie ist keine Kleinigkeit: Die Marktkenner sind sich einig, dass die Prognose von Renditen verschiedener Risikoprämien schwierig – wenn nicht unmöglich – ist und dass die Allokation allein auf Grundlage des „Ratens” künftiger Renditen meist enttäuschende Ergebnisse erzielt. Sie nutzen daher entweder die Gleichgewichtung (Equal Weighting; EW) oder risikobasierte Methoden (Equal Risk Contribution; ERC) zur Portfolio-Konstruktion. Jede dieser Methoden hat ihre Vorzüge. Sie haben aber auch Nachteile, die sich – gerade bei passiven Faktor-Strategien – negativ auf das Risikoprofil auswirken können. Die Gleichgewichtung etwa ignoriert die Tatsache, dass verschiedene Faktoren sehr unterschiedliche Risikoprofile aufweisen können. Daher würde die Allokation der gleichen Kapitalmenge auf jede Risikoprämie nicht ihren relativen Risikobeitrag widerspiegeln. Die Equal Risk Contribution (ERC) verbessert zwar die Risikoallokation, ignoriert jedoch die Liquidität, das Mean-Reversion-Risiko oder sogenannte Fat-Tail-Ereignisse. Daher nutzt Unigestion eine „dynamische” ERC-Allokationsmethode. Sie umfasst noch weitere Risiko-Dimensionen wie beispielsweise, dass:

  • Risikoprämien unterschiedlich ausfallen, je nachdem, welches makroökonomische Umfeld vorherrscht (Wachstum, Rezession, Inflationsschock, Spannungen an den Märkten oder ihre Verlagerung)
  • Risikoprämien verschiedener Faktor-Investments unterschiedliche Liquiditäten aufweisen können
  • Einige Risikoprämien (auf Basis von Qualität und Low-Volatility) zwar Renditen mit geringer Volatilität bieten, aber auch ein Fat-Tail-Risiko mit sich bringen können
  • Die meisten Risikoprämien zum Mittelwert zurückkehren. Daher steigt das mit ihnen einhergehende Risiko in der Regel nach einer Zeit außerordentlich guter Leistungsentwicklung

Im Ergebnis führt Unigestions dynamischer ERC-Ansatz zu einem etwas geringeren Risiko und leicht höheren Renditen bei gleichem Turnover. Zusammengenommen steigern diese Effekte die risikoadjustierte Rendite von 0,81 auf 0,88 – bei vergleichbaren Transaktionskosten. Für Investoren, bei denen ein solches, aktiv gemanagtes Produkt ins Portfolio passt, bietet Unigestion zwei neue Multifaktor-Fonds an: Seit Mai 2016 sind der Uni-Global – Equities Compass World und der Uni-Global – Alternative Equities Compass World nun auch in Deutschland und Österreich erhältlich. www.unigestion.com